Ahmadinejad und der Hexer
Aktualisiert am 28.06.2011 8 Kommentare
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Die Gerüchteküche in Teheran brodelt – und zwar so laut, dass Gerüchte über seltsame Vorgänge innerhalb des verschwiegenen iranischen Regimes bis in den Westen vordringen. Oder zumindest bis zum altgedienten und gut informierten Nahostjournalisten Robert Fisk. Dieser schreibt in der Online-Ausgabe des britischen «Independent» einen möglichen Putsch gegen den iranischen Präsidenten herbei. Schon in den «kommenden Wochen» könnte Ahmadinejad demnach zum Rücktritt gezwungen werden. Dem Bericht zufolge soll es sich Ahmadinejad mit den Mullahs und dem geistlichen Führer Ayatollah Sayed Ali Khamenei gründlich verscherzt haben.
Der Grund für die Verstimmung hat einen Namen: Esfandiar Rahim-Mashaee, enger Vertrauter und Stabschef des Präsidenten. Dem aus der Region des Kaspischen Meeres stammenden Ingenieur wird ein massloser Einfluss auf Ahmadinejad nachgesagt. Dieser wollte ihn gar zu seinem Vizepräsidenten machen, ein Vorhaben, bei dem ihn seine Gegner im letzten Moment ausbremsten.
Er passt den Mullahs nicht
Rahim-Mashaees Problem beschreibt ein anonymer Insider folgendermassen: «Er sagt Dinge, die den konservativen Kräften um den obersten Führer Ayatollah Khamenei nicht passen. Etwa, dass Iran einen Konflikt habe mit Israel, nicht mit dem israelischen Volk. Er versucht, die Macht der Kleriker zu untergraben.»
Rahim-Mashaee startete seine Karriere bei den Revolutionsgarden, denen er während des Kriegs mit Irak in den 80er Jahren angehörte. Später hatte er Führungsfunktionen beim staatlichen Rundfunk inne, gerüchteweise soll er auch für den Geheimdienst gearbeitet haben. Während Ahmadinejads erster Amtszeit tauchte Rahim-Mashaee in dessen Umfeld auf – und die zwei kamen sich immer näher. Mittlerweile sind die beiden sogar verwandt: Rahim-Mashaees Tochter mit einem Sohn Ahmadinejads verheiratet.
Hexerei oder Strategie?
Der Konflikt zwischen Ahmadinejad und Khamenei manifestierte sich kürzlich im Hickhack um den Geheimdienstminister. Ahmadinejad hatte diesen – angeblich auf Geheiss von Rahim-Mashaee – zum Rücktritt gedrängt. Khamenei – nach wie vor die oberste Autorität in Staat und Gesellschaft – setzte diesen jedoch umgehend wieder ein. Nicht wenige im Gottesstaat – auch in den obersten Führungsgremien – scheinen an einen Fluch zu Glauben, mit dem der Stabschef und seine Entourage Präsident Ahmadinejad belegt haben sollen, um ihn nach ihrer Pfeife tanzen zu lassen.
Zudem scheint Ahmadinejad seinen Stabschef, der den Einfluss der Mullahs auf die Politik beschneiden will, als möglichen Nachfolger aufzubauen. «Heute ist Rahim-Mashaee der wahre Präsident. Aber Ahmadinejad klammert sich an ein zerfallendes Seil», sagte ein Sprecher des Ayatollah kürzlich dem britischen «Guardian».
Das Opfer könnte zu spät kommen
In der Tat scheint sich die Schlinge um den Präsidenten und seinen Freund zusammenzuziehen: Anfang Juni wurden laut dem «Guardian» 25 Personen aus dem Umfeld des Stabschefs verhaftet.
Erst letzte Woche sind drei hochrangige Funktionäre und Freunde Rahim-Mashaees ins Gefängnis gewandert. Dass Rahim-Mashaees Tage nahe der Macht gezählt sind, muss in Iran nicht einmal mehr hinter vorgehaltener Hand gesagt werden. Ahmadinejad selbst scheint den Ernst der Lage erkannt zu haben und setzt der täglich stärker werdenden Verleumdung seines Stabschefs als «Abweichler» nichts mehr entgegen. Der Präsident soll am Ende doch bereit sein, Rahim-Mashaees zu opfern, um seine eigene Haut bis zum Ende seiner Amtszeit 2013 zu retten. Doch die Einsicht könnte zu spät gekommen sein: In Teheran wird bereits offen darüber spekuliert, wer Ahmadinejads vorzeitige Nachfolge antreten wird.
Erstellt: 28.06.2011, 15:26 Uhr
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8 Kommentare
Glaubt man den Quellen aus konservativen Kreisen, so sind zwei Neffen von Maschaei auf unerklärliche Weise reich geworden, seit er für Ahmadinedschad arbeitet. Maschaei soll auch an einer Firma beteiligt sein (Samga)- zusammen mit Hamid Baghai, einem Vertrauten von Maschaei - der die Regierung ziemlich viel Land überschrieben haben soll - ohne Gegenleistung.Sieht nach Korruption aus, falls wahr. Antworten
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