Alles begann mit Graffiti gegen Assad

Seit sechs Jahren herrscht in Syrien Krieg. Nun haben die USA erstmals das Regime von Bashar al-Assad angegriffen. Eine Chronik.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Erstmals greifen die USA direkt einen Luftwaffenstützpunkt der syrischen Regierung an. Eine Chronik zum seit sechs Jahren andauernden Krieg in Syrien:

März 2011: In der Stadt Daraa beginnen Proteste, nachdem Sicherheitskräfte eine Gruppe von Jungen festgenommen hatten, die gegen die Regierung gerichtete Graffiti an eine Wand ihrer Schule gemalt haben sollen. Die Demonstrationen weiten sich auf die Hauptstadt Damaskus aus. Am 18. März erschiessen Sicherheitskräfte bei einem Protest in Daraa vier Menschen – was Aktivisten als die ersten Toten des Aufstands bezeichnen. Die landesweiten Demonstrationen gehen weiter, ebenso die Massregelungen seitens der Regierung von Präsident Bashar al-Assad.

April 2011: Soldaten gehen gegen eine Sit-In-Demonstration in Syriens drittgrösster Stadt Homs vor.

18. August 2011: US-Präsident Barack Obama fordert den Rücktritt Assads und verlangt, dass die Regierungsfinanzen eingefroren werden sollen.

Sommer 2012: Die Kämpfe weiten sich auf Aleppo aus – Syriens grösster Stadt und Wirtschaftsmetropole.

20. August 2012: US-Präsident Barack Obama sagt, mit einem Einsatz von Chemiewaffen in Syrien wäre für ihn eine «rote Linie» überschritten. Ein solcher würde seine Einschätzung des Bürgerkrieges ändern und «enorme Konsequenzen» nach sich ziehen.

19. März 2013: Die syrische Regierung und die Opposition beschuldigen sich gegenseitig eines Giftgasangriffs, bei dem 26 Menschen in der nordsyrischen Stadt Khan al-Assal ums Leben kamen. Eine Untersuchungen der Vereinten Nationen ergibt später, dass Giftgas eingesetzt wurde – nicht aber, von wem.

21. August 2013: Hunderte Menschen sterben in einem von Rebellen besetzten Vorort der syrischen Hauptstadt. Viele von ihnen zeigen Symptome, die auf Giftgas hinweisen: Schaum vor dem Mund, verengte Pupillen und Krämpfe. UNO-Ermittler finden heraus, dass Raketen gefüllt mit Saringas in das Gebiet geschossen wurden, als die Bewohner schliefen. Die USA und andere beschuldigten die syrische Regierung, die einzige Kriegspartei, die im Besitz von Saringas gewesen sei.

31. August 2013: Obama kündigt an, den Kongress um eine Autorisierung für Strafangriffe gegen die syrische Regierung zu ersuchen. Die Anfrage scheint jedoch nicht genügend Unterstützung im Parlament zu haben.

27. September 2013: Der UNO-Sicherheitsrat fordert Syrien auf, seinen Vorrat an chemischen Waffen zu zerstören. Washington und Moskau hatten sich zuvor überraschend darauf geeinigt, dass die USA zunächst keine Luftangriffe ausführen. Der Sicherheitsrat droht an, bei Nicht-Beachtung der Forderung, den Einsatz von Streitkräften zu autorisieren.

14. Oktober 2013: Syrien unterschreibt ein Abkommen gegen die Herstellung, die Lagerung und den Gebrauch von chemischen Waffen.

23. Juni 2014: Die Organisation gegen ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) sagt, sie habe die letzten chemischen Waffen der syrischen Regierung vernichtet. Die Opposition kritisiert jedoch, die Regierung habe ihre Chemiewaffenbestände nie vollständig angegeben und habe noch Lager davon.

7. August 2015: Der UNO-Sicherheitsrat erlaubt der OPCW und UNO-Ermittlern, Berichten über den wiederholten Einsatz von Chlorgas vonseiten der Regierungstruppen gegen Zivilisten nachzugehen. Chlorgas ist weniger giftig als Nervengas und kann auch als Chemiewaffe eingestuft werden.

24. August 2016: Der Zusammenschluss aus OPCW und UNO-Ermittlern erklärt, die syrische Regierung habe 2014 und 2015 zweimal Helikopter mit Chlorgas gegen Gegner eingesetzt – in von Zivilisten bewohnten Gegenden in der Provinz Idlib im Norden Syriens. In einem weiteren Bericht werfen die Ermittler der Regierung Assads eine dritte Giftgas-Attacke vor. Ausserdem benutzte die Terrormiliz Islamischer Staat laut dem Gremium Senfgas.

28. Februar 2017: Russland, ein enger Verbündeter Assads, und China legen ein Veto gegen eine UNO-Resolution ein, die Sanktionen gegen die syrische Regierung wegen des Gebrauchs chemischer Waffen erlauben würde.

4. April 2017: Mehr als 80 Menschen sterben bei einem mutmasslichen Giftgasangriff in der Stadt Khan Sheikhoun. Die Opfer zeigen Symptome wie Krämpfe, Schaum vor dem Mund und verengte Pupillen. Augenzeugen sagen, die Attacke wurde entweder von russischen oder syrischen Flugzeugen ausgeführt. Moskau und Damaskus weisen jegliche Verantwortung zurück.

Später bestätigt Russland einen Vorfall mit Giftgas – dieses sei bei einem syrischen Angriff auf eine von Rebellen benutzte Fabrik für Chemiewaffen ausgetreten. Die USA sehen die Verantwortung bei der syrischen Regierung. US-Präsident Donald Trump nennt die mutmassliche Attacke in einer Mitteilung «abscheulich». Sie sei eine direkte Folge der «Schwäche und Unentschlossenheit» der Obama-Regierung.

5. April 2017: Trump sagt, die Regierung Assads habe mit der mutmasslichen Giftgasattacke «viele, viele Linien überschritten».

6. April 2017: Die USA feuern rund 60 Tomahawk-Raketen auf einen Stützpunkt der syrischen Luftwaffe. Der Angriff war nach Angaben von US-Vertretern eine Reaktion auf den Vorfall in Khan Sheikhoun. Trump sagt, der Angriff sei im Interesse der Sicherheit der USA. Es ist der erste direkte Angriff der Vereinigten Staaten auf die syrische Regierung.

(chk/AP)

Erstellt: 07.04.2017, 06:40 Uhr

Artikel zum Thema

Was haben die US-Raketen getroffen – und was nicht?

Nach dem US-Luftangriff mit 59 Tomahawk-Marschflugkörpern scheint der Luftwaffenstützpunkt al-Shayrat grösstenteils intakt. Mehr...

USA drohen mit Alleingang in Syrien

Video US-Präsident Trump macht den syrischen Präsidenten für den jüngsten Giftgas-Angriff verantwortlich. Damit seien «eine Menge Linien überschritten» worden. Mehr...

USA holen zum Schlag gegen Assad aus

Säbelrasseln im Pentagon: US-Verteidigungsminister James Mattis präsentierte Donald Trump «mehrere Optionen», um gegen das syrische Regime vorzugehen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Wettbewerb

Was Männer wollen

Motorfreak, Gentleman oder Sportskanone? Herausfinden und gewinnen!

Blogs

Mamablog 20 Spielideen für den Strand

Blog Mag Essen als Kult

Service

Für Selbstständige und KMU

Tragen Sie Ihre Firma im neuen Marktplatz des Tages-Anzeigers ein.

Die Welt in Bildern

Süsse Handarbeit: In der Schokoladenfabrik 'La muchacha de los chocolates' platziert ein Arbeiter eine Kirsche in eine mit Schokolade ausgekleidete Form. (21. Juli 2017)
(Bild: Andres Stapff) Mehr...