«Als würden wir in einem christlichen Land leben!»
Von Norbert Raabe. Aktualisiert am 24.12.2009 74 Kommentare
Mit dem Wort «Brüder» begann al-Qaradawi seine Ansprache, verbreitet vom TV-Beobachtungsprojekt «Memri-TV», das von einem pro-israelischen Institut in Washington betrieben wird. Doch im Anschluss gab der Prediger sich gänzlich unversöhnlich: Heftig kritisierte er das christliche Ambiente, das zum Jahresende hin auch in muslimischen Ländern zu sehen ist. «In welcher Gesellschaft leben wir – muslimisch oder christlich?», fragte der Religionslehrer angesichts von Weihnachtsbäumen, die in Geschäften und in den Strassen von Doha, der Hauptstadt von Qatar, zu sehen seien.
«All diese Feiern der sogenannten Geburt von Jesus, das sogenannte Christmas», fuhr al-Qaradawi in dem Video fort, das in die englische Sprache übersetzt ist, «es ist, als würden wir in einem christlichen europäischen Land leben!» Die Muslime, so der Prediger weiter, würden nicht einmal die Geburt des Propheten Mohammed feiern. Und die Christbäume in Geschäften muslimischer Inhaber bedeuteten, dass das Land seine muslimische Identität verliere. Zudem verspottete er das Christentum und die wissenschaftlichen Dispute darüber, wann Jesus tatsächlich geboren wurde.
«Sie hindern uns daran, Minarette zu bauen»
Ein Grund für die miserable Weihnachtsstimmung des Glaubenslehrers ist offensichtlich das Minarettverbot, für das ein grosse Mehrheit der Schweizer Bevölkerung votiert hatte. «Sie hindern uns daran, Minarette zu bauen», rief er seinen Zuhörern zu, «und sie sind dabei, den Bau von Moscheen zu verbieten.» In Frankreich hätten sich 41 Prozent von Befragten in diesem Sinne geäussert, und 47 Prozent seien zugleich auch gegen den Bau von Minaretten.
Können die Millionen Muslime in Europa und Amerika, so fragte al-Qaradawi, den Ramadan und muslimische Feiertage in den Innenstädten begehen? Schliesslich richtete der Prediger einen Appell an Geschäftsinhaber mit weihnachtlich geschmückten Läden: «Warum gebt ihr vor, eine Religion zu feiern, die nicht eure ist», rief er, «wenn sie uns daran hindern, unsere eigenen Riten durchzuführen?»
Ein Erzkonservativer mit vielen Bewunderern
Al-Qaradawi ist in der islamischen Welt ein angesehener Theologe und wird von vielen Gläubigen seit langem verehrt. Er gilt als Autorität im sunnitischen Islam und als moralische Instanz – nicht zuletzt wegen zahlreicher Auftritte im arabischen TV-Sender al-Jazeera. Er ist ein Hardliner: Selbstmordattentate der Palästinenser im Kampf gegen Israel billigte er, Homosexualität hält er für «abartig», und er befürwortet die Todesstrafe für «Abkehr vom Islam».
Unter gemässigten Muslimen ist er wegen solcher Äusserungen freilich umstritten, und seine jüngsten Ansprachen stossen auch bei Politikern auf Unverständnis. Laut einem Bericht von Spiegel online wird das Treiben von al-Qaradawi mittlerweile nicht nur in Qatar, sondern auch in Ägypten skeptisch beurteilt.
«Niemand will das Massenidol antasten», zitiert der Bericht eine Regierungssprecher in Kairo, der anonym bleiben will, «am liebsten würden die Regimes das Problem aussitzen.» Ob der Prediger seine Worte künftig diplomatischer wählen wird, ist schliesslich zweifelhaft: Den Holocaust nannte al-Qaradawi einst «eine gerechte Strafe Allahs für die Juden». (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 24.12.2009, 11:53 Uhr
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74 Kommentare
Dieser Mann erzählt das selbe wie Ulrich Schlüer und Herr Wobmann. Einfach von der anderen Seite. Die Frage ist: Zu was führt dieser Religionszwist? Es ist ein Spiel mit dem Feuer, in dem wir uns befinden. Sind wir auch wirklich darauf vorbereitet, liebe SVP? Ich meinerseits habe weder Zeit noch Lust für solche unsinnigen Auseinandersetzungen; ich muss hart arbeiten und meine Familie ernähren!! Antworten
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