Ausland

«Warum zerstört ihr dies alles?»

Aktualisiert am 16.01.2011 56 Kommentare

In Tunesien ist ein Kampf zwischen der Armee und der Leibgarde von Ex-Präsident Ben Ali entbrannt. Libyens Staatsoberhaupt al-Ghadhafi reagierte mit scharfer Kritik auf die Absetzung des bisherigen Machthabers.

1/33 Erstmals mischen sich Polizisten offiziell unter die Demonstranten: Ein Mann zeigt am 22. Januar seinen Polizeiausweis.
Bild: Keystone

   

Schweizer stecken am Flughafen fest

Nach der Verschärfung der politischen Lage in Tunesien sind die meisten Schweizer Touristen am Wochenende frühzeitig nach Hause gereist. Manche schafften es jedoch noch nicht, sie steckten am Sonntag noch am Flughafen fest.

Mehrere Personen seien wegen verspäteten und annullierten Flügen am Flughafen Tunis blockiert, teilte das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) auf Anfrage mit. Ein Mitarbeiter der Botschaft befinde sich am Flughafen, um den Ausreisewilligen beizustehen.

Bis am Sonntagmorgen gingen bei der Telefon-Helpline des EDA 54 Anfragen zur Lage in Tunesien ein. Bei den Anrufenden habe es sich meist um Schweizerinnen und Schweizern gehandelt, die sich in Tunesien aufhielten und in die Schweiz zurückkehren wollten. Ihnen wurde empfohlen, für die Heimreise mit ihrem Reiseveranstalter oder ihrer Fluggesellschaft Kontakt aufzunehmen.

Auch bei der Schweizer Botschaft in Tunis seien am Samstag rund 250 Anrufe eingegangen, teilte das EDA mit. Gemäss aktuellem Kenntnisstand befänden sich derzeit keine Schweizer Bürger in Not, jedoch sei «eine gewisse Beunruhigung aufgrund der unklaren Lage zu spüren».

(Video: Reuters )

Artikel zum Thema

Stichworte

In der tunesischen Hauptstadt ist die Armee am Sonntag weiter gegen Mitglieder der Leibgarde von Ex-Machthaber Zine al-Abidine Ben Ali vorgegangen. Die früher direkt dem Präsidenten unterstellten Sicherheitskräfte weigerten sich aufzugeben, hiess es am Vormittag in Tunis.

Die erneuten Schiessereien in der Nacht stünden vermutlich damit in Zusammenhang. Wie viele Verletzte oder sogar Tote es bei den Auseinandersetzungen gab, war zunächst unklar. Die Lage in Tunis war insgesamt ruhiger als in den Nächten zuvor, als Plünderer unterwegs waren und den Hauptbahnhof sowie mehrere Läden in Brand setzten. Erstmals zeichnete sich eine Entspannung ab.

Seit der Flucht von Ex-Machthaber Ben Ali ins saudi-arabische Exil gilt in Tunesien jedoch immer noch der Ausnahmezustand. Ben Ali hatte das Land am Mittelmeer 23 Jahre in autoritärer Herrschaft regiert und hinterliess Gewalt und Chaos.

Scharfe Kritik von al-Gaddafi

Der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi hat auf die Umwälzungen im Nachbarland Tunesien mit scharfer Kritik und persönlicher Betroffenheit reagiert. Zu dem Sturz des seit 23 Jahren regierenden Präsidenten Zine al- Abidine Ben Ali und den neuen Machthabern sagte Ghadhafi: «Ich kenne diese neuen Leute nicht, aber wir alle kennen Ben Ali und die Veränderungen, die in Tunesien erzielt wurden. Warum zerstört ihr dies alles?».

Er sei «schmerzhaft berührt», von dem, was in Tunesien geschehe, sagt er am Samstagabend im libyschen Fernsehen weiter. «Tunesien hat sich jetzt in ein Land verwandelt, das von Banden regiert wird», kritisierte Ghadhafi, der selbst seit 40 Jahren an der Macht ist.

Auslöser seines Sturzes waren Massenproteste gegen Korruption und hohe Arbeitslosigkeit. Sie hatten sich in der vergangenen Woche zu einem Volksaufstand ausgeweitet. Der am Samstag vereidigte Übergangspräsident Foued Mbazaa soll nun Neuwahlen vorbereiten. Zudem erteilte er Ministerpräsident Mohamed Ghannouchi den Auftrag, Gespräche mit der Opposition zu führen. Diese sollten am Sonntag fortgesetzt werden.

(pbe/mrs/jak/dapd/AFP)

Erstellt: 16.01.2011, 12:40 Uhr

56

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

56 Kommentare

Ahmed Barakat

14.01.2011, 17:06 Uhr
Melden

Er wird bald weg sein. Die Tunesier werden eines ganz bestimmt nicht vergessen: das seltsame Schweigen der EU (besonders FRA, IT, DE) , die langandauernde Ignoranz der europäischen Medien. Solidarität wurde dem tunesischen Volk international wenig zuteil, trotz exzessiver Polizeigewalt. Man erinnere sich an den medialen Aufschrei bezüglich den Protesten im Iran im Jahr 2009. Antworten


Sam Brissa

14.01.2011, 18:13 Uhr
Melden

Wenn er geht soll er bitte auch seine Frau und ihre Familie mitnehmen. Kleines Beispiel: Der Mobilfunkanbieter Orange in TN gehört zu 50% France Telecom. Wem gehören wohl die restlichen 50%... Antworten



Ausland

Populär auf Facebook Privatsphäre

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen
Grillsaison
homegate Besser grillieren mit unseren Experten-Tipps Mehr

In Partnerschaft mit:

Homegate

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.