«Warum zerstört ihr dies alles?»
Aktualisiert am 16.01.2011 56 Kommentare
Schweizer stecken am Flughafen fest
Nach der Verschärfung der politischen Lage in Tunesien sind die meisten Schweizer Touristen am Wochenende frühzeitig nach Hause gereist. Manche schafften es jedoch noch nicht, sie steckten am Sonntag noch am Flughafen fest.
Mehrere Personen seien wegen verspäteten und annullierten Flügen am Flughafen Tunis blockiert, teilte das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) auf Anfrage mit. Ein Mitarbeiter der Botschaft befinde sich am Flughafen, um den Ausreisewilligen beizustehen.
Bis am Sonntagmorgen gingen bei der Telefon-Helpline des EDA 54 Anfragen zur Lage in Tunesien ein. Bei den Anrufenden habe es sich meist um Schweizerinnen und Schweizern gehandelt, die sich in Tunesien aufhielten und in die Schweiz zurückkehren wollten. Ihnen wurde empfohlen, für die Heimreise mit ihrem Reiseveranstalter oder ihrer Fluggesellschaft Kontakt aufzunehmen.
Auch bei der Schweizer Botschaft in Tunis seien am Samstag rund 250 Anrufe eingegangen, teilte das EDA mit. Gemäss aktuellem Kenntnisstand befänden sich derzeit keine Schweizer Bürger in Not, jedoch sei «eine gewisse Beunruhigung aufgrund der unklaren Lage zu spüren».
(Video: Reuters )
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In der tunesischen Hauptstadt ist die Armee am Sonntag weiter gegen Mitglieder der Leibgarde von Ex-Machthaber Zine al-Abidine Ben Ali vorgegangen. Die früher direkt dem Präsidenten unterstellten Sicherheitskräfte weigerten sich aufzugeben, hiess es am Vormittag in Tunis.
Die erneuten Schiessereien in der Nacht stünden vermutlich damit in Zusammenhang. Wie viele Verletzte oder sogar Tote es bei den Auseinandersetzungen gab, war zunächst unklar. Die Lage in Tunis war insgesamt ruhiger als in den Nächten zuvor, als Plünderer unterwegs waren und den Hauptbahnhof sowie mehrere Läden in Brand setzten. Erstmals zeichnete sich eine Entspannung ab.
Seit der Flucht von Ex-Machthaber Ben Ali ins saudi-arabische Exil gilt in Tunesien jedoch immer noch der Ausnahmezustand. Ben Ali hatte das Land am Mittelmeer 23 Jahre in autoritärer Herrschaft regiert und hinterliess Gewalt und Chaos.
Scharfe Kritik von al-Gaddafi
Der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi hat auf die Umwälzungen im Nachbarland Tunesien mit scharfer Kritik und persönlicher Betroffenheit reagiert. Zu dem Sturz des seit 23 Jahren regierenden Präsidenten Zine al- Abidine Ben Ali und den neuen Machthabern sagte Ghadhafi: «Ich kenne diese neuen Leute nicht, aber wir alle kennen Ben Ali und die Veränderungen, die in Tunesien erzielt wurden. Warum zerstört ihr dies alles?».
Er sei «schmerzhaft berührt», von dem, was in Tunesien geschehe, sagt er am Samstagabend im libyschen Fernsehen weiter. «Tunesien hat sich jetzt in ein Land verwandelt, das von Banden regiert wird», kritisierte Ghadhafi, der selbst seit 40 Jahren an der Macht ist.
Auslöser seines Sturzes waren Massenproteste gegen Korruption und hohe Arbeitslosigkeit. Sie hatten sich in der vergangenen Woche zu einem Volksaufstand ausgeweitet. Der am Samstag vereidigte Übergangspräsident Foued Mbazaa soll nun Neuwahlen vorbereiten. Zudem erteilte er Ministerpräsident Mohamed Ghannouchi den Auftrag, Gespräche mit der Opposition zu führen. Diese sollten am Sonntag fortgesetzt werden.
(pbe/mrs/jak/dapd/AFP)
Erstellt: 16.01.2011, 12:40 Uhr
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56 Kommentare
Er wird bald weg sein. Die Tunesier werden eines ganz bestimmt nicht vergessen: das seltsame Schweigen der EU (besonders FRA, IT, DE) , die langandauernde Ignoranz der europäischen Medien. Solidarität wurde dem tunesischen Volk international wenig zuteil, trotz exzessiver Polizeigewalt. Man erinnere sich an den medialen Aufschrei bezüglich den Protesten im Iran im Jahr 2009. Antworten
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