Bin Ladens Banditen in der nordafrikanischen Wüste
Von Oliver Meiler, Rom. Aktualisiert am 30.12.2009 1 Kommentar
Die Geiseln wurden am 18. Dezember nach Mali verschleppt.
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Ein verschwommenes Foto, aufgenommen in der nordafrikanischen Wüste, bewegt Italien. Es zeigt Sergio Cicala, 65, und dessen Frau Philomen Kabourée, 39, wie sie vor fünf Männern, ihren Geiselnehmern mit Turban, Maschinengewehren und Raketenwerfern sitzen. Cicala trägt einen Bart, das Gesicht Kabourées ist verhüllt, der Kopf verschleiert. Das Paar aus Palermo war auf dem Weg nach Burkina Faso, um dort die Familie der Frau zu besuchen, als ein Kommando am 18. Dezember ihren Camper im mauretanischen Kobeni angriff und die beiden danach wahrscheinlich in den Norden Malis, an die Grenze zu Algerien, verschleppte.
Freilassung wird gefordert
Nach langem Schweigen haben sich die Entführer zur Tat bekannt. In einer Audioaufnahme, die ein arabischer Fernsehsender ausstrahlte, bezichtigen sie die Italien der «Verbrechen im Irak und in Afghanistan» und fordern die Freilassung «muslimischer Brüder», die in italienischen Gefängnissen angeblich gefoltert würden. Sie geben sich als Mitglieder der «Al-Qaida im islamischen Maghreb» (AQMI) aus, jener Gruppe algerischer Provenienz also, die sich früher Salafistische Prediger- und Kampfgruppe nannte und seit drei Jahren als nordafrikanische Filiale von Osama Bin Ladens Netzwerk auftritt. Neben den Gruppen in Afghanistan und Pakistan, im Irak und im Jemen gelten die Qaidisten im Maghreb als gefährlichster, gut organisierter Ableger. Immer wieder droht er mit Attentaten in Europa.
700 Männer sollen auf die Befehle des knapp 40-jährigen algerischen Emirs der Organisation, Abdelmalek Droukdal, hören. Experten vermuten, dass der frühere Ingenieur und Islamist in der Sahelzone und in der Sahara, seinem weiten, schwer kontrollierbaren transnationalen Einsatzgebiet zwischen Mauretanien, Mali, Niger und Algerien auch auf ein Heer lose alliierter Wegelagerer zählen kann, das ihm bei der Entführung von Ausländern hilft. Geiselnahmen sind das wichtigste Geschäft der Gruppe. Mit dem erpressten Lösegeld beschafft sie sich Waffen.
Aussenminister kündigt Reise an
Neben dem Ehepaar Cicala hält die Gruppe derzeit auch drei spanische und einen französischen Hilfswerkarbeiter fest, von denen man annimmt, dass sie ebenfalls nach Mali gebracht wurden. Spanien und Frankreich verhandeln, wie das nun auch Italien tut. Der italienische Aussenminister Franco Frattini kündigte für die nächsten Tage eine Reise nach Mauretanien an, verbittet sich aber allzu grosse Öffentlichkeit, weil die den Geiseln schaden könnte. Offiziell zahlt Italien kein Lösegeld. In der Praxis aber, schreiben die italienischen Zeitungen übereinstimmend, wurde in den meisten Fällen der letzten Jahre bezahlt, wahrscheinlich in allen.
Droukbal weiss um diese stille Bereitschaft des Westens, Geiseln freizukaufen. Im nun endenden Jahr allein liess er schon zwei kanadische Diplomaten und vier europäische Touristen entführen, im Jahr davor waren es zwei Österreicher. Bis auf den Briten Edwin Dyer, den die Entführer töteten, kamen alle wieder frei. Der Tod Dyers sollte wohl als Beweis dafür verstanden werden, dass die Drohungen keine leeren sind.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 30.12.2009, 06:37 Uhr
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1 Kommentar
Wegelagerer, Terroristen, Mörder- diese Leute sind noch im über tiefsten Mittelalter - Geiselnahmen das wichtigste Geschäft? Gaddafhi hat es ja gezeigt wie man es machen muss- solche Leute sind ganz einfach Kriminelle- und man soll sie auch als solche behandeln- Freiheitskämpfer? Wohl kaum- es geht nur ums Geld. Antworten
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