Chalabi ist wieder im Geschäft – als Teherans Mann in Bagdad
Von Martin Kilian, Washington. Aktualisiert am 04.03.2010
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Er war der Held der amerikanischen Neokonservativen und trug entscheidend dazu bei, dass die Regierung Bush 2003 im Irak einmarschierte: Ahmed Chalabi spann Märchen über Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen und präsentierte sogar Zeugen und Quellen. Nun ist der umtriebige einstige Chef des Irakischen Nationalkongresses wieder obenauf – zum Verdruss der Obama-Administration: Chalabi, der sich bei den irakischen Wahlen um einen Parlamentssitz bewirbt, hat massgeblichen Anteil am Ausschluss Hunderter sunnitischer Parlamentskandidaten.
«Der Wille der Iraker»
Der eklatante Eingriff gefährdet den Versuch der USA, im Irak eine Versöhnung zwischen Schiiten und Sunniten herbeizuführen und die Gefahr eines Bürgerkriegs zu bannen. Chalabi freilich macht aus seiner Freude über den Ausschluss der Sunniten keinen Hehl: «Der Wille der Iraker» und nicht «der amerikanische Wunsch» habe sich durchgesetzt. Nun schlug die Regierung Obama zurück: In einer Rede vor dem neokonservativen Institute for the Study of War bezichtigte der US-Oberbefehlshaber im Irak, General Ray Odierno, den einstigen Liebling der Neokonservativen, im Dienste des Iran zu stehen.
Noch schlimmer: Im Umkreis amerikanischer Geheimdienste wurde behauptet, Chalabi arbeite eng mit den Al-Quds-Sonderkräften der iranischen Revolutionswächter zusammen, um die irakischen Wahlen im Sinne Teherans zu beeinflussen. Chalabi habe sich deshalb bereits im vergangenen November mit dem Al-Quds-Kommandanten Quassem Soleimani und dem iranischen Aussenminister Manouchehr Mottaki getroffen. Teheran, so der Befund amerikanischer Dienste, habe massiv in den irakischen Wahlkampf eingegriffen und schiitische Parteien klandestin mit mindestens 17 Millionen Dollar unterstützt. Chalabi weist den Vorwurf, ein Agent Teherans zu sein, entschieden zurück.
Ein Wiederholungstäter
Der US-Militärgeheimdienst DIA war 2004 jedoch zu einem anderen Schluss gelangt: Ahmed Chalabi, so die Pentagon-Spione, habe die Regierung Bush im Auftrag Teherans gezielt mit Falschinformationen versorgt, um Washington zu einem Einmarsch im Irak zu bewegen. Die neuesten Enthüllungen über die Rolle Teherans und Chalabis bei den irakischen Wahlen kommen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: In Washington wird in Kürze eine umfassende Neubewertung sämtlicher US-Dienste zum iranischen Atomprogramm erwartet. Der neue «National Intelligence Estimate» (NIE) kommt laut Insidern zum Schluss, dass sich der Iran auf dem Weg zum Bau von Atomwaffen befindet. Der vorherige NIE hatte 2007 behauptet, der Iran habe sein militärisches Atomprogramm weitgehend eingestellt. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 04.03.2010, 04:00 Uhr
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