«Da wusste ich, das ist das Ende»
Aktualisiert am 23.06.2011 23 Kommentare
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Assad erlässt eine Generalamnestie. (Video: Reuters).
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Die syrische Armee zeigte am Montag Journalisten und Diplomaten ein Massengrab in der Nähe der umkämpften Stadt Jisr al-Shughur. Es ist das dritte Massengrab, das im Laufe der syrischen Unruhen entdeckt wurde. Laut offiziellen Angaben wurden 29 Leichen geborgen, es soll sich um Sicherheitskräfte handeln, die von «bewaffneten Gruppen im Norden» getötet worden seien. Die meisten Leichen waren bis zur Unkenntlichkeit entstellt.
Vor einigen Tagen wurden in Jisr al-Shughur laut syrischer Regierung an die 120 Polizisten von Aufständischen umgebracht. Die staatliche Tageszeitung «Tishrin» zitiert Riyad Hadad, Chef der Militärpolizei, der erwartet, noch mehr Massengräber zu finden, wegen «der grossen Anzahl Märtyrer, die von bewaffneten Terroristengangs getötet wurden.»
«Die Soldaten töteten nicht nur Zivilisten»
Die staatlichen Angaben stehen in scharfem Kontrast zu denen von Augenzeugen, die aus Jisr al-Shughur flüchten und internationalen Medien von ihren Erlebnissen erzählen konnten. «Etwa 150 Panzer rollten durch die Strassen, als ich flüchtete», erzählt ein Augenzeuge. «Die Soldaten töteten nicht nur Zivilisten, sondern auch Soldaten, die sich weigerten, auf die Zivilisten zu schiessen. Auch Offiziere desertierten. Viele wurden getötet.»
Vorausgegangen war ein Massaker an Einwohnern der Stadt. «Ein Nachbar versuchte, mit seiner Frau und den zwei Kindern auf dem Motorrad zu fliehen. Die ganze Familie wurde von Sicherheitskräften erschossen», erzählt ein anderer Augenzeuge. «Ihre Leichen lagen noch auf der Strasse, als ich aus der Stadt entkommen konnte.»
Die mysteriösen «bewaffneten Gangs»
In einer Rede am Montag sprach der syrische Präsident Bashar al-Assad von 64'000 Bewaffneten, welche am Aufstand gegen das Regime teilnehmen würden. Von diesen tödlichen «bewaffneten Gangs», habe er jedenfalls nichts in Jisr al-Shughur gesehen, sagte der 50-jährige Bauer Abu Ammar zu «Al Jazeera» nach seiner Flucht in die Türkei. Was er dagegen wisse, sei, dass syrische Familien von Assads Sicherheitskräften getötet worden seien. «Assad sagte, die Flüchtlinge sollen heimkehren, aber gestern kehrten fünf Familien heim und wurden getötet», so Abu Ammar.
Bisher war es schwierig, die verschiedenen Berichte aus den umkämpften Gebieten zu überprüfen, da das syrische Regime nach wie vor keine unabhängige Berichterstattung zulässt. Ausländische Journalisten werden zwar ins Land gelassen, die Themen, über die sie berichten dürfen, werden ihnen aber vorgegeben.
Der Bericht eines desertierten Unteroffiziers
In der libanesischen Zeitung «L’Orient-Le-Jour» berichtet nun erstmals ein desertierter syrischer Unteroffizier, was er erlebt hat. Omar, der beim militärischen Nachrichtendienst Syriens Unteroffizier war, entschied sich, im Mai nach Libanon zu desertieren, statt «auf friedliche Demonstranten zu schiessen». Der 66-Jährige hatte sich laut eigenen Angaben bei drei verschiedenen Gelegenheiten geweigert, auf Demonstranten zu schiessen. Zuletzt im April in der Stadt Homs. Seine Vorgesetzten wollten ihn daraufhin nach Daraa strafversetzen.
«Da wusste ich, das ist das Ende», so Omar gegenüber «L’Orient-Le-Jour». «Wenn ich mich weigerte, nach Daraa zu gehen, würden sie mich auf der Stelle liquidieren. Wenn ich zusagte, würde ich unterwegs getötet». Omar erklärte sich einverstanden, nach Daraa zu gehen, gab vor, noch ein paar persönliche Gegenstände zu holen und setzte sich mit seinem Motorrad ab.
Die Gehirnwäsche der Soldaten
In Homs hatte das Militär den Auftrag, auf Demonstranten zu schiessen, unter dem Vorwand, es seien «subversive Elemente, infiltrierte Agenten und Salafisten, die das Regime destabilisieren wollten». Statt vor bewaffneten Banden seien die Soldaten aber plötzlich vor unbewaffneten Demonstranten gestanden, «mit nacktem Oberkörper, die Freiheitsparolen skandierend», so Omar. Am 19. April kam der Befehl, auf 200 Demonstranten zu schiessen, die in Homs auf einem Platz am Boden sassen. «Um drei Uhr morgens war die Operation beendet und die Leichen wurden mit einem Bagger eingesammelt. Der Platz wurde gereinigt».
Omar berichtet ferner, dass irgendwann der Befehl erlassen wurde, dass jeder Soldat seine Uniform zu tragen habe. Etliche Soldaten in Zivil seien mit Demonstranten verwechselt und von den eigenen Leuten getötet worden. Die Soldaten, die sich weigerten, auf Zivilisten zu schiessen, seien von den Nachrichtendiensten und den «Shabiha» getötet worden. Bei den «Shabiha» handelt es sich um eine Assad-treue alawitische Miliz, die für ihre besondere Brutalität bei der Niederschlagung von Protesten bekannt ist.
Erstellt: 21.06.2011, 15:10 Uhr
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23 Kommentare
@Parvane Ferhadi:Ihre pro-syrische und anti-jordanische Haltung ist mir doch schon früher aufgefallen, und ich fragte Sie, wen Sie mit welchem Auftrag hier eigentlich vertreten würden?
Die Antwort ist ausgeblieben.
Und hier? Ihre Beiträge sind auch da für einen westlichen Humanisten nicht nachvollziehbar. Sondern Propaganda!
Antworten
Am 15.6.2011 gingen hundertausende in Damaskus an eine Veranstaltung des Regimes und hoben auf der al-Mezzee Chausse gemeinsam eine 2,3 km lange syrische Flagge an. Am 18.6.2011 gingen in Jisr al-Shogour und Aleppo zehntausende auf die Strasse - pro Assad. Heute besammelten sich Millionen Menschen auf öffentlichen Plätzen im ganzen Land. Pro Assad und Reformen. Sieht nicht nach Volk vs. Assad aus. Antworten
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