Ausland

«Das Öl fördert den Frieden»

Von Christof Münger. Aktualisiert am 12.01.2011

Martina Santschi von der Friedensstiftung swisspeace erklärt, vor welchen Problemen ein unabhängiger Südsudan steht und weshalb das Öl für einmal dem Frieden förderlich sein könnte.

1/7 Schwazes Gold: 75 Prozent der Ölquellen liegen im Süden des Landes. Ölbohranlage in der Profinz Kordofan
Bild: Reuters

   

Ist zuversichtlich über die Zukunft des Südsudans: Martina Santschi von der Schweizerischen Friedensstiftung swisspeace.

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Martina Santschi ist Ethnologin. Sie forscht zum Thema Sudan bei swisspeace, der Schweizerischen Friedensstiftung.

Quorum erreicht Juba

Bei der Volksabstimmung über die Unabhängigkeit des Südsudan ist nach Angaben des Südens das für die Gültigkeit nötige Quorum erreicht worden. Drei Tage nach Beginn des auf eine Woche angesetzten Referendums hätten mehr als 60 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben, sagte am Mittwoch eine Vertreterin der im Süden regierenden Volksbefreiungsbewegung SPLM. Eine Bestätigung der Wahlkommission gab es zunächst nicht.

Es gilt als sicher, dass sich die Mehrheit der Stimmberechtigten für eine Loslösung vom Norden und für die Bildung einer neuen Nation entscheiden wird. Die Volksabstimmung ist auf eine Woche angesetzt. Erste Ergebnisse sollen Anfang Februar vorliegen, das Endergebnis soll am 15. Februar bekanntgegeben werden.

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Der Südsudan hat beschlossen, unabhängig zu werden. Das Land hat aber noch nicht einmal einen Namen. Wie soll aus diesem Gebiet ein Staat entstehen?
Seit dem Friedensabkommen von 2005 hat sich viel getan. Der Südsudan hat inzwischen eine unabhängige Regierung und man ist dabei, eine Verwaltung aufzubauen. Ausserdem gibt es ein südsudanesisches Parlament und Gerichte.

Reicht das, um eine neue Nation aufzubauen?
Es gehört sicher noch mehr dazu, zumal es im Südsudan mehr als 60 ethnische Gruppen gibt, die sich im letzten bewaffneten Konflikt zum Teil bekämpft haben. Aber Salva Kiir Mayardit, der Präsident des Südsudans, hat es geschafft, ehemalige Gegner in die Regierung einzubinden. Es ist noch nicht perfekt, läuft aber besser als erwartet.

Sind die Stammeskonflikte beigelegt?
Das Referendum zur Abspaltung vom Norden hat die Südsudanesen zurzeit vereint. Aber ein Staatsbildungsprozess dauert immer lange.

Wie lange?
Eine Prognose kann ich nicht stellen. Aber es ist sicher ein länger andauernder Prozess.

Sie waren lange im Südsudan. Gibt es bereits eine südsudanesische Identität?
Wohl noch nicht wirklich. Aber die konfliktreichen Beziehungen mit dem Norden haben dazu geführt, dass zumindest ein Zusammengehörigkeitsgefühl entstanden ist. Gleichzeitig ordnen sich die Südsudanesen ihrer eigenen Region oder ethnischen Gruppe zu. Aber das ist bei uns nicht anders.

Wie aber kann ein mausarmes Land wie der Südsudan überleben?
Vor allem dank dem Öl. Wichtig ist nun, dass sich der Süden mit der Regierung von Präsident Omar al-Bashir einigt, das Öl über den Hafen von Port Sudan im Nordsudan exportieren zu können. Abgesehen davon gibt es kaum Industrie und keine auf Export ausgerichtete Landwirtschaft im Süden. Die meistens Bauern sind Selbstversorger.

75 Prozent der Ölquellen liegen im Süden. Wie will man sich einigen?
Der Norden und der Süden sind daran, dies auszuhandeln. Der Norden könnte möglicherweise auch künftig einen Teil der Erdöleinnahmen erhalten Ich rechne deshalb damit, dass man sich auf einen Deal einigt.

Kann damit ein neuer Krieg vermieden werden?
Ein bewaffneter Konflikt wäre für beide Seiten sehr negativ. Die Öleinnahmen würden wohl wegfallen. Ausserdem setzt sich auch die internationale Gemeinschaft stark dafür ein, dass sich die Lage weiter stabilisiert.

Ist das Öl für einmal ein Friedens- anstatt ein Kriegsgrund?
Es fördert der Frieden, oder zumindest eine pragmatische Zusammenarbeit zwischen den einstigen Kontrahenten.

Sind Sie optimistisch, was die Zukunft des Südsudan betrifft?
Ja, ich bin zuversichtlich. Im Sudan kann jedoch immer Unvorhersehbares geschehen. Aber Präsident Bashir hat angekündigt, das Resultat und damit die Unabhängigkeit des Südens zu akzeptieren. Allerdings gibt es im Norden auch Hardliner. Die Frage ist, wer sich durchsetzt. Und einige heikle Punkte, wie die Nord-Süd Grenze sowie der Status des umstrittenen erdölreichen Distrikt Abyei müssen noch ausgehandelt werden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.01.2011, 20:14 Uhr

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