Der Iran empfiehlt sich Afghanistan als Alternative zu den USA

Von Tobias Matern. Aktualisiert am 11.03.2010 7 Kommentare

Präsident Mahmoud Ahmadinejad hat in Kabul seinen afghanischen Amtskollegen Hamid Karzai getroffen.

Enge Freunde: Mahmoud Ahmadinejad und Hamid Karzai bei ihrem Treffen in Kabul

Enge Freunde: Mahmoud Ahmadinejad und Hamid Karzai bei ihrem Treffen in Kabul
Bild: Keystone

Die Zeiten haben sich geändert. Noch vor einem Jahr – US-Präsident Barack Obama war gerade neu im Amt – galt der Iran als «wichtig», wenn es um die Stabilisierung Afghanistans ging. Der neue Mann im Weissen Haus sagte, er strecke seine Hand nach Teheran aus. Und sein Sondergesandter für Afghanistan und Pakistan, Richard Holbrooke, erklärte: «Wie alle Nachbarn Afghanistans hat auch der Iran eine berechtigte Rolle zu spielen in dieser Region.»

Diese diplomatischen Nettigkeiten sind passé. Inzwischen wirft die US-Regierung dem Iran offen vor, ein Doppelspiel zu betreiben und die Stabilität Afghanistans zu untergraben – so sagte es Verteidigungsminister Robert Gates Anfang Woche in Kabul. Und in der Vergangenheit hatte er dem Iran mehrmals vorgeworfen, er statte die Taliban mit Waffen aus – was Teheran zurückweist.

Der Streit über das iranische Atomprogramm überlagert alles. Auch einen gemeinsamen Weg, um das Nachbarland Afghanistans in den vom Westen vorgesehenen Friedensprozess einzubeziehen. Dabei teilen Washington und Teheran offiziell eine Reihe von Zielen: eine stabile Regierung in Kabul etwa, auch die Eindämmung des ausufernden Drogenanbaus.

Historische Freundschaft

Am Mittwoch konterte der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad die amerikanischen Vorwürfe. Während eines Besuchs beim afghanischen Staatschef Hamid Karzai griff er die USA vehement an. «Warum können diejenigen, die sagen, dass sie den Terrorismus bekämpfen wollen, keinen Erfolg vorweisen?», fragte er in Richtung Washington. Die USA hätten es mit Aufständischen zu tun, die sie einst selbst hervorgerufen und mit Waffen ausgestattet hätten. Seine Regierung hingegen verfolge in der Region nur ein Ziel, und zwar «Frieden nach Afghanistan zu bringen», sagte Ahmadinejad.

Sein Gastgeber Karzai redete hingegen nicht so viel beim gemeinsamen Auftritt vor der Presse: Der Iran sei ein historischer Freund Afghanistans, erklärte der afghanische Staatschef, der nach dem Treffen nach Pakistan reiste. Für ihn waren die Tiraden Ahmadinejads problematisch, zielten sie doch gegen seinen Hauptverbündeten.

Kritik an Karzais Zurückhaltung

Politiker in Kabul reagierten kritisch auf die Äusserungen Ahmadinejads und Karzais passive Haltung. Sie fühlen sich vom Iran genauso bedroht wie von Pakistan. «Das war ein bizarrer Auftritt des iranischen Präsidenten», sagte ein afghanischer Parlamentsabgeordneter dem «Tages-Anzeiger». Ahmadinejad habe «seine Geschichte erzählt, aber nicht die Realität beschrieben». Sowohl Pakistan als auch der Iran seien ein Hindernis bei der Suche nach Frieden: Sie unterstützten Aufständische in Afghanistan, um ihre Interessen zu verfolgen. Im Falle Teherans sei das Motiv eindeutig: «Die iranische Regierung ist mit Washington verfeindet – also verfährt sie nach dem Motto: Der Feind meines Feindes ist mein Freund», sagte der Politiker in Bezug auf die angeblich iranische Unterstützung für die Taliban.

Dabei stand der Iran in der Vergangenheit den Islamisten feindlich gegenüber. Der schiitische Iran erkannte das Regime der radikalen sunnitischen Taliban in Kabul Ende der Neunzigerjahre nicht an – anders als Pakistan, das gute Beziehungen zu den Islamisten pflegte. Mehr noch: Der Iran unterstützte damals die Nordallianz in Afghanistan, die gegen die Taliban kämpfte und nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ein Verbündeter der Amerikaner wurde, um die Taliban zu stürzen. Nun fühlt er sich durch die massive amerikanische Präsenz im Nachbarland bedroht: «Wir sehen in der Anwesenheit militärischer Kräfte in Afghanistan keine Lösung für Frieden», sagte Ahmadinejad in Kabul.

Afghanistan und Iran sind enge Handelspartner

Der Iran ist als Nachbar von den jahrzehntelangen Kriegen am Hindukusch unmittelbar betroffen, bis zu zwei Millionen Menschen waren einst aus Afghanistan dorthin geflüchtet. Tonnenweise wird das in Afghanistan kultivierte Rohopium in den Iran geschmuggelt.

Nach einer Analyse des von der Regierung unabhängigen amerikanischen Council on Foreign Relations hat der Iran seit 2001 mit einer halben Milliarde Dollar humanitäre Projekte in Afghanistan unterstützt, hinzu seien etliche Millionen im Kampf gegen den Drogenanbau gekommen. Der Nachbar ist inzwischen ein wichtiger Handelspartner für den Iran: Exporte nach Afghanistan erreichten im vergangenen Jahr ein Volumen von etwa einer Milliarde Dollar. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.03.2010, 07:46 Uhr

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7 Kommentare

Tommy Rasmussen

11.03.2010, 08:02 Uhr
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Der Streit über das iranische Atomprogramm überlagert alles. Die Gefahr eines neuen Weltkrieges war seit dem zweiten noch nie so gross wie jetzt. Immerhin haben die USA durch die beiden Weltkriege ihre beiden grössten Staatsverschuldungen überwinden können. Da ist die Versuchung gross, diesen gleichen Weg auch zum dritten Mal zu gehen. Israel würde lieber gestern als heute damit anfangen. Antworten


Urs Bauer

11.03.2010, 08:10 Uhr
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Kluger Schachzug von Ahmadinejad. Afghanistan ist strategisch schon sehr wichtig für die U.S.A. Den wie schon im Irak wird die U.S.A. und ihre verbündeten weiterhin Lügen verbreiten um in den Iran ein zu marschieren und die Ressourcen zu sichern. Oder ist es wohl der Grund, das der Iran sein öl nicht mehr mit Dollar abrechnen will. Antworten



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