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«Die Männer rissen sich um mich wie Löwen um ein Stück Fleisch»

Aktualisiert am 18.07.2012 47 Kommentare

Berichte über sexuelle Übergriffe auf dem Tahrir-Platz in Kairo reissen nicht ab. Ein Gruppe von Frauen kämpft aber weiter für ihr Recht zu demonstrieren – mit Wasserpistole und Chilipulver.

1/3 Auf dem Tahrir-Platz in Kairo werden regelmässig Frauen sexuell missbraucht: «Freiheit und Justiz für Frauen und Männer» steht auf dem Plakat einer Demonstrantin in Kairo. (6. Juli 2012)
Bild: AFP

   

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Der Tahrir-Platz in Kairo gilt als Symbol für die Freiheit und den Widerstand des ägyptischen Volks. Für Frauen aber wird dieser Platz, auf dem Demonstranten vor knapp anderthalb Jahren den damaligen Präsidenten Hosni Mubarak stürzten, immer gefährlicher. In jüngster Zeit häuften sich erneut die Berichte von Frauen, die dort von einem Mob angegriffen, sexuell belästigt, begrapscht oder sogar vergewaltigt wurden. Eine Gruppe Ägypterinnen macht deshalb gegen diese Übergriffe mobil.

Zu einem der ersten Opfer eines sexuellen Angriffs auf dem Tahrir-Platz wurde die bekannte Korrespondentin des amerikanischen Fernsehsenders CBS, Lara Logan. Der Tag, an dem die Ägypter Mubaraks Rücktritt auf dem legendären Platz in Kairo feierten, endete für die erfahrene Kriegsreporterin brutal: Zwischen 200 bis 300 Männer kreisten sie und ihr Team am 11. Februar 2011 ein, stürzten sich auf sie und vergewaltigten sie «mit ihren Händen», wie Logan aussagte.

Mehrere ausländische Journalistinnen betroffen

Im November 2011 berichtete dann die französische Journalistin Caroline Sinz vom Sender France 3, sie sei von einer Gruppe Jugendlicher und Erwachsener verprügelt worden. Die Angreifer hätten ihr die Kleider vom Leib gerissen und sie in einer Art und Weise sexuell belästigt, die einer Vergewaltigung gleichkomme. Die Organisation Reporter ohne Grenzen riet daraufhin davon ab, Journalistinnen nach Ägypten zu schicken.

Doch von Seiten der ägyptischen Behörden tat sich seither nichts. Obwohl in jüngster Zeit auch wieder Frauen Übergriffe auf dem Tahrir-Platz anprangerten, wurde noch kein einziger Täter gefasst. Vielmehr macht die Polizei geltend, dass inmitten von unzähligen Demonstranten die Täter nicht auszumachen seien.

Die in Kairo ansässige Frauenrechtsgruppe Nasra nahm Anfang Juni die Aussage einer jungen Ausländerin auf. «Plötzlich haben die Männer um uns herum angefangen, uns überall anzufassen», erzählte sie der Nichtregierungsorganisation. «Die Männer haben mir die Hose heruntergezogen und mich mit ihren dreckigen Fingern vergewaltigt.» Die Männer hätten sich um sie «wie Löwen um ein totes Stück Fleisch» gerissen.

Kurz nach dem Vorfall berichtete die britische Journalistikstudentin Natasha Smith in ihrem Internet-Blog über einen ähnlichen Angriff auf sich. Laut Nasra haben die Vorfälle, die sich meist in der Nähe eines bestimmten Schnellimbiss-Restaurants auf dem Tahrir-Platz abspielen, System. Sie würden organisiert, um Frauen Angst zu machen, sie aus dem öffentlichen Leben zu verbannen und für ihre Teilhabe zu bestrafen, erklärt die Organisation.

Die Frauen organisieren sich

Das lassen sich die Ägypterinnen nicht gefallen. Aus Protest gegen die anhaltenden Belästigungen und Übergriffe sind sie bereits mehrfach auf die Strasse gegangen, haben Menschenketten organisiert und Online-Kampagnen gestartet. «Wie oft bin ich nur deswegen nicht zum Tahrir-Platz gegangen, weil ich nicht begrapscht werden wollte», sagt die 22-jährige Nana al-Hariri.

«Wir wollen wie Bürgerinnen behandelt werden, nicht wie Weibchen», sagt die 38-jährige Gynäkologin Rasha Kamel. Sie organisierte vor kurzem zum ersten Mal die Aktion «Für einen sicheren Tahrir» mit. «Ich bin wie deine Schwester», schrieb sie dazu mit einem dicken Filzstift auf ein Schild. Beschützt von freiwilligen Helfern zogen dutzende Frauen mit ihr über den Kairoer Platz. Bei sich trugen sie eine neue Verteidigungswaffe: eine Wasserpistole, die mit roter Flüssigkeit und Chilipulver gefüllt ist. Sie soll künftig Angreifer abschrecken – und sie mit der Farbe für alle sichtbar brandmarken. (mw/AFP)

Erstellt: 18.07.2012, 11:00 Uhr

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47 Kommentare

Tim Zeiter

18.07.2012, 15:02 Uhr
Melden 403 Empfehlung 0

Und dieser Religion verhelfen viele sich FrauenrechtlerInnen nennende auch hier zum Durchbruch. Verrückt. Antworten


Max Tobler

18.07.2012, 15:17 Uhr
Melden 345 Empfehlung 0

Weil Sexualität so tabuisiert wird - alles wird unter Schleier, Burka und Co. versteckt - gibt es solche Vorfälle, sobald die soziale Kontrolle an einem Ort nicht vorhanden ist. Alle sollten es langsam einsehen: Keine Toleranz gegenüber zu religiösen Personen. Kopftuchverbot an Schulen, Burkaverbot, Aufklärungsunterricht für alle, auch für die Kinder religiöser Fanatiker jeder Glaubensrichtung. Antworten



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