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«Die Menschen üben Selbstjustiz»

Aktualisiert am 04.01.2012 20 Kommentare

Zwei Monate nach dem Tod von Muammar al-Ghadhafi droht Libyen im Bürgerkrieg zu versinken. Rivalisierende Gruppen weigern sich, ihre Waffen niederzulegen.

Das Land kommt nicht zur Ruhe: Bewaffnete Libyer nach den Schiessereien in Tripolis am 3. Januar 2012.

Das Land kommt nicht zur Ruhe: Bewaffnete Libyer nach den Schiessereien in Tripolis am 3. Januar 2012.
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Libyen nach Ghadhafi

Libyen nach Ghadhafi
Wahlen, Hoffnung und eine neue Freiheit, aber auch Gewalt, Waffenschwemme und Selbstjustiz: Libyen nach dem Tod des Herrschers.

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Libyen könnte nach Einschätzung des Nationalen Übergangsrates (NTC) im Bürgerkrieg versinken, wenn die sich bekämpfenden Milizen nicht unter Kontrolle gebracht werden.

Der NTC-Vorsitzende, Mustafa Abdel Jalil, sagte gestern Abend in Benghasi, das Land stehe vor zwei bitteren Möglichkeiten: «Entweder wir gehen strikt gegen die Übergriffe vor und führen die Libyer in eine militärische Konfrontation, was wir nicht akzeptieren, oder wir spalten uns, und das heisst Bürgerkrieg.»

Schiessereien in Tripolis

Dschalil reagierte damit auf Schiessereien zwischen Milizen in einer Geschäftsstrasse in der libyschen Hauptstadt Tripolis, bei der vier Kämpfer getötet wurden. Die Kämpfer aus Tripolis und Misrata lieferten sich stundenlange Feuergefechte im Zentrum der Stadt und setzten Maschinengewehre, Granaten und Flugabwehrgeschütze ein, wie Oberst Walid Schuaib vom Militärrat Tripolis sagte.

Auslöser der Gefechte sei die Festnahme eines Kämpfers aus Misrata gewesen, der von ehemaligen Rebellen aus Tripolis gefangen genommen worden sei. Ihm werde ein Raub zur Last gelegt. Die Männer aus Misrata wollten den Mann befreien und eröffneten das Feuer auf ein Gebäude, dass vom Militärrat genutzt wird. Bei den Gefechten starben nach Angaben von Schuaib drei Kämpfer aus Misrata und zwei aus Tripolis.

Persönliche Feindseligkeiten

Seit dem Ende des Bürgerkriegs im Oktober, der zur Flucht des Machthabers Muammar al Gaddafi führte, hatten sich immer wieder verschiedene Gruppen ehemaliger Rebellen Kämpfe geliefert. Weil eine zentrale Sicherheitsbehörde fehlt und der Waffenbesitz nicht reguliert wird, haben die Milizen ganze Gebiete unter ihre Kontrolle gebracht.

Ein Regierungssprecher sagte, die Kämpfe stünden nicht im Zusammenhang mit der Revolution. Bei den Gefechten gehe es nur um persönliche Feindseligkeiten. Ein Sprecher der Kämpfer aus Misrata sagte, die Auseinandersetzungen gingen von fehlgeleiteten Jugendlichen aus.

Kommando nicht abgeben

Mehr als zwei Monate nachdem Aufständische den langjährigen Machthaber Muammar al-Ghadhafi getötet haben, bemüht sich der Übergangsrat, seine Autorität auszuüben. Allerdings weigern sich rivalisierende Gruppen, ihre Waffen niederzulegen.

Zudem wollen ihre Anführer das Kommando nicht abgeben. «Wenn es keine Sicherheit gibt, wird es kein Gesetz, keine Entwicklung und keine Wahlen geben», sagte Dschalil. «Die Menschen üben Selbstjustiz.»

Ringen um Einfluss

Neun Monate lang haben die Rebellen, die aus Dutzenden Städten und vielen verschiedenen politischen Lagern zusammengezogen wurden, erbittert gegen Gaddafi gekämpft. Nun weigern sich die Milizen, sich wieder aufzulösen.

Sie ringen miteinander um den grösseren Einfluss im neuen Libyen. Und sie sind überzeugt, dass sie in der Hauptstadt eine bewaffnete Präsenz zeigen müssen, wenn sie ihren Anteil an der politischen Macht sichern wollen.

Der Übergangsrat hat damit begonnen, eine funktionstüchtige Armee und Polizei zu bilden, die für Sicherheit sorgen und die Kontrolle von den Milizen übernehmen sollen. Doch Dschalil räumte ein, dass der Übergangsrat dabei zu langsam vorankommt. «Wir haben keine Sicherheit, weil die Kämpfer ihre Waffen nicht abgegeben haben, obwohl sie von den örtlichen Räten dazu die Möglichkeit erhalten haben.»

(kle/sda)

Erstellt: 04.01.2012, 16:51 Uhr

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20 Kommentare

Frederick Wenck

04.01.2012, 17:28 Uhr
Melden 41 Empfehlung

Früher gab es einen Gaddafi. Jetzt gibt es überall in Lybien viele kleine Gaddafis.
Die bewaffnet sind, von niemandem zur Rechenschaft gezogen werden, weder Polizei noch Justiz fürchten müssen, tun und lassen können was sie wollen.
Das ist die versprochene Freiheit, für die die Lybier gelitten und die Nato gebombt hat.
Antworten


leonie burtscher

04.01.2012, 18:03 Uhr
Melden 36 Empfehlung

wenn die schweiz schlau ist, dann wird ohne wenn und aber unterstützt durch das militär die grüne grenze nun endlich bewacht. ausserdem sind die lybischen, syrischen, tunesischen asylanten per schnellverfahren abzuweisen und im kollektiv subito auszuweisen. sie müssen bis zum entscheid in gesicherten lagern festgesetzt werden, sonst passiert wieder ein autounfall wie heute der unschuldige gefährde Antworten



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