«Die Saudis müssen die Waffen aus Dankbarkeit kaufen»
Von Monica Fahmy. Aktualisiert am 15.09.2010
Strategie-Experte Albert Stahel (Bild: Keystone )
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Der US Kongress dürfte bald dem grössten Rüstungsdeal der amerikanischen Geschichte zustimmen. Saudiarabien soll Rüstungsgüter im Wert von 60 Milliarden Dollar erhalten. Ausgerechnet ein Land, dem gegenüber Kongressmitglieder aus gewichtigen Gründen kritisch eingestellt waren. Dies einerseits, weil Israel vor allem in den 1980er- und 1990er-Jahren gegen US-Waffendeals mit Saudiarabien lobbyierte und andererseits wegen der Anschläge vom 11. September, die hauptsächlich von Saudis ausgeführt und vom saudischen Al-Qaida-Führer Osama Bin Laden orchestriert wurden. Kongressmitglieder zeigten sich in der Vergangenheit auch besorgt über die Menschenrechtslage und die Unterdrückung der Frauen in Saudiarabien.
All das ist Schnee von gestern. Die Angst vor dem Regime in Teheran wiegt schwerer als Bedenken gegenüber Saudiarabien, das immerhin als weltweites Zentrum des islamischen Fundamentalismus gilt. Nichtsdestotrotz ist Saudiarabien seit Jahren ein enger Verbündeter der USA. Saudiarabien gibt den USA Zugang zu Öl und kriegt dafür Sicherheitsgarantien. Nun soll der Verbündete in der Golfregion Rüstungsgüter für 60 Milliarden Dollar erhalten.
Grosse Angst vor einem nuklearen Iran
«Die Saudis müssen die Rüstungsgüter kaufen, aus Dankbarkeit für den Schutz der Amerikaner», sagt der Militärexperte Albert Stahel. «Es ist ein Bakschisch für die Rüstungsindustrie.» Gleichzeitig sei es der «alte Versuch», in der Region eine Gegenposition zu Iran aufzubauen. «Die Angst vor einem nuklearen Iran ist in Washington, Tel Aviv und Riad so gross wie noch nie», sagt Michael Knights vom Institute for Near East Policy in Washington gegenüber dem «Guardian».
Bedenken Israels, dass Terroristen die Rüstungsgüter neuerer Generation aus Saudiarabien gegen Israel einsetzen könnten, will die USA zerstreuen, indem in den Kampfjets eine Sicherung eingebaut wird, die es verunmöglicht, mit dem Jet gegen ein israelisches Kampfflugzeug zu kämpfen.
75'000 Jobs gesichert
Grösster Nutzniesser des Deals wird Boeing sein. Der Konzern dürfte die 84 neuen F-15-Kampfflugzeuge liefern und 70 andere nachrüsten. Die United-Technologies-Tochter Sikorsky soll 72 Hubschrauber vom Typ Black Hawk für die Saudis montieren. Um dem Geschäft die Zustimmung des Kongresses zu sichern, wird Präsident Barack Obama die Wichtigkeit des Deals für den US-Arbeitsmarkt hervorheben. Gut 75'000 Jobs wären gesichert.
Dass dafür Geschäfte mit einem Land getätigt werden, aus dem schon Millionen Dollar für die Terrorfinanzierung geflossen sind, nehmen die USA in Kauf. Ebenso, dass damit ein Fehler wiederholt wird, der in der Region schon mehrfach begangen wurde: das Aufrüsten eines Regimes gegen ein anderes. «Haben Sie schon mal etwas von Machtpolitik gehört?», fragt Albert Stahel mit einem spöttischen Unterton. «Die Moral und Ethik spielen bei der Art Geschäfte keine Rolle.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 15.09.2010, 15:20 Uhr
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