Die Verwechslung, die Neda Soltanis Leben zerstörte
«Die Verfügungsgewalt über ihr eigenes Bild verloren»: Ein Plakat mit dem Bild von Neda Soltani, die mit Neda Aghan-Soltan verwechselt wird, am 28. Juni 2009. (Bild: Keystone)
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Ihr Name und ihr Gesicht sind ihr zum Verhängnis geworden. Neda Soltani heisst fast gleich wie Neda Agha-Soltan, die im Juni 2009 auf einer Teheraner Strasse erschossen zu Boden sank. Und sie sieht Agha-Soltan ähnlich, auf den ersten Blick: Die gleichen klaren Züge, die gleichen dunklen Augen und vollen Lippen.
Soltanis Bild ging als das der erschossenen Neda um die Welt – und seither ist alles anders geworden in ihrem Leben. Ein Journalist der «Süddeutschen Zeitung» hat die Frau getroffen. Sie lebt heute als Asylbewerberin in der Nähe von Frankfurt. Ihre Heimat hat sie aus Angst verlassen.
Das dritte Mosaiksteinchen, das zur Verwechslung führt
Als Neda Agha-Soltan am 20. Juni 2009 stirbt, ist die 32-jährige Neda Soltani nicht auf der Strasse. Sie ist zuhause und korrigiert ein Manuskript, denn Soltani ist Dozentin für englische Literatur – ausgerechnet an der Islamic Azad University in Teheran, an der auch Neda Aghan-Soltan, 26 Jahre alt, studiert. Ein drittes Mosaiksteinchen, das zur fatalen Verwechslung führt.
Soltani bekommt nur am Rande mit, was auf den Strassen geschieht. Doch am nächsten Tag ist ihr Bild – von irgendeinem Journalisten aus ihrem Facebook-Konto kopiert – in Medien weltweit zu sehen. Bald prangt es von Protestplakaten, steht neben Strassenaltären, hängt an Hauswänden. Neda Soltani ist zur Ikone der iranischen Freiheitsbewegung geworden. Sie, die eigentlich lebt, ist die Märtyrerin der Opposition. Noch am heutigen Samstag im Februar ist ihr Bild bei den Fotoagenturen zu finden: Als «Die Frau, die auf Flickr als Neda Agha-Soltan bezeichnet wird».
«Sie hat die Verfügungsgewalt über ihr eigenes Bild verloren»
Soltani schreibt an ausländische Medien, doch die Mails versanden. Sie löscht ihr Bild, doch die Opposition legt das als Zensur des Regimes aus und verbreitet das Bild noch einmal weiter. «Sie hat die Verfügungsgewalt über ihr eigenes Bild verloren», beschreibt das der Journalist der «Süddeutschen Zeitung». «Das Foto gehört längst den Demonstranten und Medien.»
Nach Nedas Tod geht die lebende Neda durch die Hölle. Da sind die Verwandten und Freunde, die zunächst alle glauben, sie wäre tot. Dann wird Soltani vom Regime unter Druck gesetzt: «Die Verwechslung soll gegen die Opposition verwandt, die Demonstranten auf der Strasse als Instrumente westlicher Fälscher entlarvt werden.» Soltani bekommt Angst. Sie wird krank. Und beschliesst, den Iran zu verlassen.
Wie die Zeitung schreibt, flieht die junge Frau am 2. Juli nach Deutschland zu einem Cousin, den Fluchthelfer bezahlt sie mit ihren Ersparnissen. Die einstige Nachwuchsdozentin ist jetzt eine Asylbewerberin.
(oku)
Erstellt: 06.02.2010, 17:36 Uhr
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