Ausland

Die ausgebremste Revolution

Von Monica Fahmy. Aktualisiert am 04.08.2011 21 Kommentare

Der arabische Frühling hatte hoffnungsvoll begonnen. Während in Syrien und Libyen die Lage nun hoffnungslos verfahren ist, macht sich auch in Ägypten und Tunesien Ernüchterung breit.

Algerien

Ende Februar 2011 hob Präsident Abdelaziz Bouteflika den seit 19 Jahren geltenden Ausnahmezustand auf. Seit Januar hatten Tausende den Rücktritt des Staatschefs gefordert. Bouteflika versprach umfassende Reformen, mit Subventionen sollen Nahrungsmittel günstiger und Arbeitsplätze geschaffen werden.

Die Proteste gegen die Regierung gehen weiter. Bouteflikas Reformen bezeichnen die Regierungskritiker als «Kosmetik».

Einwohnerzahl: 32 Millionen
Bevölkerungsstruktur: 70% Araber, Berberstämme, Europäer
Religion: Islam, christliche Minderheit

Libyen

Die alliierte Militäroperation zur Einrichtung einer Flugverbotszone, zum Schutz der Zivilbevölkerung und der Aufständischen vor den libyschen Regierungstruppen und zur Durchsetzung des Waffenembargos begann am 19. März 2011 – und dauert an.

Die Oppositionstruppen sind in den letzten Wochen in Richtung Tripolis vorgerückt, stossen aber nach wie vor auf heftigen Widerstand durch Regierungstruppen.

Trotz anhaltendem Nato-Bombardement hält sich der libysche Diktator Muammar Ghadhafi ungebrochen an der Macht. Einen herben Rückschlag für die Rebellen war der mysteriöse Mord an ihrem Oberkommandierenden Abdel Fattah Junis vergangene Woche. Interne Grabenkämpfe sind zwischen den Rebellen ausgebrochen.

Die Zivilbevölkerung leidet weiter unter dem anhaltenden Bürgerkrieg. In Tripolis werden Lebensmittel und Treibstoff knapp.

Einwohnerzahl: 6,5 Millionen
Bevölkerungsstruktur: 90 % Araber, Berber, Italiener, Ägypter
Religion: Islam, christliche Minderheit

Jemen

Im Jemen fordern Tausende den Rücktritt des seit 33 Jahren regierenden Präsidenten Ali Abdullah Saleh. Dieser versuchte wiederholt, die Proteste mit Gewalt zu beenden. Die Demonstrationen dauern jedoch an. Als Saleh bei einem Raketenangriff Anfang Juni verletzt und für eine Operation nach Saudi-Arabien geflogen wird, feiert das Volk. Im Süden des Landes brechen gewaltsame Konflikte zwischen Regierungstruppen und Stammeskämpfern aus. Laut der Regierung sollen auch islamistische Extremisten unter den Kämpfern sein.

Der Präsident weigert sich, seine Macht abzugeben. Das Land zerfällt dabei zunehmend, im Süden sind Islamisten und Al-Kaida Mitglieder auf dem Vormarsch. In den letzten Tagen wurden über 40 Menschen bei Kämpfen zwischen der Armee und Al-Kaida-Mitgliedern getötet

Einwohnerzahl: 22,5 Millionen
Bevölkerungsstruktur: Araber, Pakistani, Somali
Religion: Islam

Saudi-Arabien

Oppositionelle fordern die Trennung von Regierung und Herrscherfamilie und eine gerechtere Verteilung des Wohlstands. Bei vereinzelten Protesten kam es zu Festnahmen und Gewaltanwendung gegen die mehrheitlich schiitischen Protestteilnehmer, Grossdemonstrationen blieben bislang noch aus. König Abdullah hat seinem Volk Geldgeschenke versprochen und gleichzeitig gedroht, den Sicherheitsapparat aufzustocken. Der König hat bisher an die 200 Milliarden US-Dollar zur Beruhigung der Bevölkerung investiert.

Einwohnerzahl: 27 Millionen
Bevölkerungsstruktur: Araber, mehrere Millionen Gastarbeiter
Religion: Islam, verschiedene Minderheiten

Jordanien

Seit Monaten demonstrieren die Jordanier für eine Einschränkung der Macht der Monarchie. König Abdullah II hat dem Volk Reformen versprochen und versucht den Volkszorn zu besänftigen.

Einwohnerzahl: 6,5 Millionen
Bevölkerungsstruktur: Araber, Armenier, Türken
Religion: Islam, Christentum

Kuwait

Den rund 300'000 im Land lebenden Ägyptern wurde das Demonstrieren verboten. Das harte durchgreifen der Behörden gegenüber Demonstranten hat ein Überspringen des revolutionären Funkens nach Kuwait bisher verhindert.

Einwohnerzahl: 2,8 Millionen
Bevölkerungsstruktur: 40% Kuwaiter, Iraner, Inder
Religion: Islam, christliche Minderheiten

Irak

Die Lage im Irak ist weiterhin instabil. Anschläge und Gewalt sind nach wie vor an der Tagesordnung. In der Kurdenregion im Norden des Landes protestieren die Menschen gegen die beiden Regierungsparteien. Am 18. März gingen zudem tausende Schiiten aus Solidarität mit ihren Glaubensbrüdern in Bahrain auf die Strasse.

Einwohnerzahl: 29 Millionen
Bevölkerungsstruktur: 75% Araber, 20% Kurden, verschiedene Minderheiten
Religion: Islam, christliche Minderheit

Syrien

Präsident Bashar al-Assad führt seinen ganzen Sicherheitsapparat ins Feld, um die seit März protestierende Bevölkerung zu unterdrücken. Angeführt von seinem Bruder Maher al-Assad rückt die syrische Armee systematisch in Städte vor, bewaffnete Sicherheitskräfte durchsuchen Häuser und nehmen Oppositionelle fest. Aus Furcht vor der Armee flieht die syrische Bevölkerung zu Tausenden in die benachbarte Türkei. Dort wurden Zeltlager für die Flüchtlinge errichtet.

Menschenrechtsorganisationen zählen im laufenden Konflikt bereits mehrere tausend Verhaftete. Medien haben kaum mehr Zugang zum Land. Seit Ausbruch der Unruhen wurden über 1700 Menschen getötet. Die internationale Gemeinschaft hat sich indes noch nicht auf griffige Sanktionen gegen Bashar al-Assad durchringen können.

Einwohnerzahl: 20 Millionen
Bevölkerungsstruktur: Araber, Kurden, Armenier
Religion: 75% Muslime, 15% Christen, Minderheiten

Israel

Israel beobachtet die Entwicklung in der arabischen Welt mit Sorge. Der Bau der Siedlungen in den besetzten Gebieten geht weiter, obwohl ein Siedlungsstopp eine der von der internationalen Gemeinschaft geforderten zentralen Voraussetzungen für Friedensgespräche mit den Palästinensern wäre.

In Israel werden zudem arabische Bürger zunehmend diskriminiert. Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, dass israelische Araber für dasselbe Verbrechen vor Gericht härter bestraft werden als jüdische Israeli.

Am 19. September soll die Uno über die Anerkennung eines Staates Palästina abstimmen. Die USA haben bereits ihr Veto angekündigt.

Einwohnerzahl: 7,6 Millionen
Bevölkerungsstruktur: 80% Juden, 20% Araber
Religion: jüdische Religion, Islam, christliche Minderheit

Ägypten

Der Aufstand begann am 25. Januar 2011, dem «Tag des Zorns». Am 11. Februar trat Präsident Hosni Mubaraks nach 30 Jahren im Amt zurück, seither wird das Land vom ägyptischen Militär regiert. Der Militärrat soll bis zu den Neuwahlen im November an der Macht bleiben.

Am 19. März stimmten die Ägypter für eine Verfassungsänderung. Am 13. April wurden Mubarak und seine Söhne inhaftiert, der Prozessauftakt war am 3. August. Am 15. August werden die Mubaraks wieder vor Gericht stehen. Der Prozess gilt als historisch, erstmals steht in einem arabischen Land ein ehemaliger Machthaber vor Gericht.

Einwohnerzahl: 83 Millionen
Bevölkerungsstruktur: Ägypter, arabische Beduine, Briten
Religion: Islam, christliche Minderheit

Tunesien

Nach dem Sturz von Präsident Zine El Abidine Ben Ali (Bild) regierte vorübergehend Ministerpräsident Mohammed Ghannouchi das Land, am 27. Februar wurde er von Beji Caid el Sebsi abgelöst.

Zur Ruhe gekommen ist das Land nicht: Am 22. März zündete sich erneut ein junger Mann an – wie der Gemüsehändler Mohamed Bouazizi am 17. Dezember 2010; dessen Selbstverbrennung gilt als Auslöser der Unruhen.

Seit Ende April erstrecken sich die Kämpfe in Libyen bis in die Grenzregion zu Tunesien. Aufgrund des libyschen Bürgerkriegs hat Tunesien unaufhaltsamen Flüchtlingsstrom zu bewältigen.

Im Land selber hat sich Ernüchterung breit gemacht, die Wirtschaft kommt nicht in die Gänge, die Arbeitslosigkeit ist ungebrochen hoch.

Einwohnerzahl: 10 Millionen
Bevölkerungsstruktur: Araber
Religion: Islam, christliche und jüdische Minderheiten

Marokko

In Marokko protestieren die Menschen gegen den starken Einfluss von König Mohammed VI. Auf dem Höhepunkt der Proteste am 20. Februar 2011 fanden sich Tausende zu einem «Tag der Würde» ein. Dazu aufgerufen wurde über Facebook.

Der marokkanische König hatte Mitte Juni eine Verfassungsreform angekündigt. Der Opposition gehen die im Referendum Anfang Juli beschlossenen Reformen nicht weit genug. Sie will die Schaffung einer parlamentarischen Monarchie. Damit würden König wie Regierung von gewählten Abgeordneten kontrolliert.

Zuletzt kam es in Marokko immer wieder zu Demonstrationen, die allerdings bei weitem nicht die Ausmasse wie in anderen arabischen Staaten erreichten.

Einwohnerzahl: 31 Millionen
Bevölkerungsstruktur: 80% Berber, 20 % Araber
Religion: Islam, christliche Minderheit

Iran

Nach den ersten Oppositions-Demonstrationen seit einem Jahr hat Präsident Mahmoud Ahmadinejad Regierungsanhänger aufgefordert, sich gegen die Demonstranten zu stellen. Es herrscht ein Klima der Einschüchterung. Dutzende Oppositionelle, Journalisten und Aktivisten müssen langjährige Haftstrafen verbüssen.

Mahmud Ahmadinedschad hat Kritik an der Unterdrückung der Opposition in seinem Land zurückgewiesen. In einem Interview mit «Euronews» zeigte er sich zuversichtlich, dass die Revolte in den arabischen Ländern nicht auf den Iran übergreifen werde.

Einwohnerzahl: 74 Millionen
Bevölkerungsstruktur: Perser, Araber, verschiedene Minderheiten
Religion: Islam, christliche Minderheit

Libanon

Seit dem 25. Januar ist Nadschib Mikati Ministerpräsident des Libanon. Weil auch die Hizbollah seine Kandidatur unterstützt hatte, kam es zu Protesten im ganzen Land. Am 20. März haben tausende in Beirut für ein Ende des konfessionellen politischen Systems demonstriert. Im Juli wurden Uno-Blauhelme bei einem Anschlag verletzt. Und an der Grenze zu Israel kommt es immer wieder zu Spannungen.

Einwohnerzahl: 4 Millionen
Bevölkerungsstruktur: Araber, armenische und kurdische Minderheit
Religion: 60% Muslime, 40% Christen

Katar

Die Proteste im Nachbarland Bahrain sorgten für Nervosität. Der vom Immobilienmarkt abhängige Staat befürchtet einen Imageschaden für die Region. In Katar soll 2022 die Fussball-Weltmeisterschaft stattfinden.

Einwohnerzahl: 1,7 Millionen
Bevölkerungsstruktur: 20% Araber, 80% Ausländer
Religion: Islam, Christentum, Hinduismus

Bahrain

In Bahrain demonstriert das Volk, angeführt von der schiitischen Bevölkerungsmehrheit, gegen das sunnitische Königshaus. Nachdem König Hamad bin Issa al-Chalifa anfangs mit Reformen und der Freilassung von Oppositionellen reagiert hatte, geht er seit dem 12. März mit Gewalt gegen die Protestierenden vor. Dabei erhielt er auch Unterstützung vom Saudi-Arabischen Militär.

Mehrere Dutzend Menschen sind bei Eingriffen des Militärs ums Leben gekommen, mehrere hundert Regimegegner wurden inhaftiert. Weitere Proteste sucht die Regierung mit Ausgangssperren und mit dem Verbot oppositioneller Zeitungen zu unterbinden. Laut Berichten der Staatsmedien sind acht Teilnehmer von Demonstrationen zum Tode verurteilt worden.

Einwohnerzahl: 1 Million
Bevölkerungsstruktur: 50% Ausländer
Religion: 70% Schiiten, 30% Sunniten

Fahren Sie mit der Maus über die Karte um Informationen zu den einzelnen Ländern zu sehen.


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Mubarak wird der Prozess gemacht

Mubarak wird der Prozess gemacht
Der Ex-Staatschef muss sich für den Tod von Hunderten Demonstranten während der ägyptischen Revolution verantworten.

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Chronologie der Aufstände in Syrien

Chronologie der Aufstände in Syrien
Die Ereignisse in Syrien seit dem Beginn der Proteste im März 2011.

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Am gestrigen Mittwoch war der arabische Frühling von zwei Extremen geprägt. Die Welt konnte zusehen, wie der ehemalige ägyptische Präsident Hosni Mubarak sich vor Gericht verantworten musste, hinter Gittern, auf einer Liege, gedemütigt. Gleichzeitig bekamen in Syrien Regimegegner einmal mehr den Zorn von Präsident Bashar al-Assad zu spüren. In Hama schossen Panzer auf unbewaffnete Demonstranten. Die Welt erfuhr durch Handyfilme davon, die im Internet gepostet wurden.

Sie hatte hoffnungsvoll begonnen, die arabische Revolution. In Tunesien und Ägypten hatten es hauptsächlich junge Menschen durch tagelange friedliche Proteste geschafft, die langjährigen Machthaber Zine al-Abidine Ben Ali und Hosni Mubarak innert weniger Wochen zum Rücktritt zu zwingen. Dann riskierten Menschen im Jemen, in Bahrain, Libyen und Syrien ihr Leben, um gegen die Regimes zu demonstrieren. Sie wurden verletzt, gefoltert, getötet.

Wie es im Jemen weitergeht, ist unklar. In Libyen und Syrien halten sich die Diktatoren hartnäckig an der Macht. In Bahrain wurde die Revolution im Keim erstickt. In anderen Ländern wie Marokko, Saudiarabien und Jordanien wurde die aufgebrachte Bevölkerung mit Mini-Zugeständnissen und Geld wieder an die Leine genommen. Die Zwischenbilanz des arabischen Frühlings fällt durchzogen aus.

Ägypten

Viele Ägypter hätten nie zu träumen gewagt, dass sie ihren Langzeit-Herrscher einmal vor Gericht sehen würden. Nicht, als sie am 25. Januar auf den Tahrir-Platz strömten und trotz anfänglicher Polizeigewalt tagelang ausharrten und friedlich demonstrierten, bis Mubarak aufgab und sich am 11. Februar nach Sharm al-Sheikh zurückzog. Und sicher auch nicht danach, als das Militär die Macht im Lande übernahm.

Viel hat sich seither noch nicht verändert. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Devisen aus dem Tourismus bleiben aus. Es kam und kommt immer wieder zu mehr oder weniger blutigen Auseinandersetzungen zwischen Gruppierungen, mal zwischen Salafisten und Christen, mal zwischen Mubarak-Anhängern und Gegnern.

Die Parlamentswahlen werden voraussichtlich Ende Jahr stattfinden. Heftig diskutiert wurde, ob erst die Wahlen abgehalten oder eine neue Verfassung geschrieben werden sollte. Etliche Ägypter befürchten, dass Islamisten einen zu grossen Einfluss auf die Verfassung haben könnten, sollten sie bei den Wahlen zu den Siegern gehören. Das Militär hat versprochen, Richtlinien auszuarbeiten, die jede Gruppierung daran hindern würden, einen zu grossen Einfluss auf die neue Verfassung zu nehmen.

Trotz aller Schwierigkeiten, welche die Ägypter noch zu meistern haben, wird der Prozess gegen Hosni Mubarak die Protestbewegung in der arabischen Welt ermutigen, sich weiter für ihre Rechte einzusetzen. Gleichzeitig dürfte der Prozess die restlichen arabischen Diktatoren darin bestärken, die Demonstrationen in ihrem Land mit allen Mitteln zu unterdrücken, damit ihnen das Schicksal Mubaraks erspart bleibt.

Syrien

Präsident Bashar al-Assad geht seit Wochen mit unverminderter Brutalität gegen Regimekritiker vor. Seit gestern Mittwoch haben Regierungstruppen laut Aktivisten in Hama über 40 Menschen getötet, darunter zwei Kinder. Insgesamt sind seit Beginn der Unruhen geschätzte 1700 Menschen gestorben, Tausende wurden verhaftet oder werden vermisst.

Das syrische Staatsfernsehen hat in den letzten Tagen einen Videoclip gezeigt, in dem Männer die Leichen Getöteter in einen Fluss werfen. Die Regierung behauptet, es seien bewaffnete Aktivisten, welche die Leichen getöteter Soldaten in den Orontes-Fluss in der Nähe von Hama werfen. Aktivisten bestreiten dies vehement. Es könnte sich im Video ebenso gut um Regimetreue handeln, welche die Leichen von Zivilisten in den Fluss werfen. Eine unabhängige Überprüfung ist schwierig.

Obwohl sich etliche Staatschefs «schockiert» von der brutalen Gewaltanwendung des Regimes zeigen, hat sich der UNO-Sicherheitsrat zum wiederholten Mal getroffen, ohne sich auf eine gemeinsame Resolution gegen al-Assad zu einigen. Es ist auch unwahrscheinlich, dass es dazu kommen wird.

Libyen

Trotz anhaltendem Nato-Bombardement hält sich der libysche Diktator Muammar al-Ghadhafi ungebrochen an der Macht. Einen herben Rückschlag für die Rebellen war der mysteriöse Mord an ihrem Oberkommandierenden Abdel Fattah Junis vergangene Woche. Interne Grabenkämpfe sind zwischen den Rebellen ausgebrochen. Die Zivilbevölkerung leidet weiter unter dem anhaltenden Bürgerkrieg. In Tripolis werden Lebensmittel und Treibstoff knapp.

Es wird immer wahrscheinlicher, dass Ghadhafi in Libyen bleiben könnte. Nebst Frankreich und den USA hat auch Grossbritannien eine solche Lösung nicht mehr ausgeschlossen. Ghadhafis Sohn Saif al-Islam hat unterdessen in einem Interview mit der «New York Times» behauptet, sein Vater habe eine Allianz mit Islamisten geschlossen. «Sie sind nicht nett, aber man muss mit ihnen klarkommen», so Ghadhafi. Gegenüber Medien haben die Islamisten Gespräche mit Ghadhafi bestätigt, aber dementiert, dass es eine Allianz geben werde.

Tunesien

Behördenschikanen und Perspektivlosigkeit trieben den tunesischen Gemüsehändler Mohammed Bouazizi dazu, sich am 17. Dezember 2010 mit Benzin zu übergiessen und anzuzünden. Sein Tod löste die Jasminrevolution aus. Der tunesische Machthaber Zine al-Abidine Ben Ali wurde in Abwesenheit zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Er sitzt mit seiner Familie in Saudiarabien im Exil.

In Tunesien sollen im Oktober Wahlen stattfinden. In der Hauptstadt Tunis kommt es weiterhin zu Protesten, die Übergangsregierung geht hart gegen Demonstranten vor. Tunesische Jugendliche zeigen sich enttäuscht, dass sich seit dem Sturz Ben Alis die wirtschaftlichen Perspektiven nicht verbessert haben.

Jemen

Seit Februar verlangen Tausende den Rücktritt von Ali Abdullah Saleh. Der Machthaber ging gewaltsam gegen die Protestbewegung vor. Am 3. Juni wurde er bei einem Anschlag auf den Präsidentenpalast schwer verletzt und befindet sich seither in Saudiarabien. Saleh denkt nicht daran seine Macht abzugeben. Seine Söhne kontrollieren die Armee und gehen weiterhin gegen die Demonstranten vor.

Das Land zerfällt dabei zunehmend, im Süden sind Islamisten und Al-Qaida-Mitglieder auf dem Vormarsch. In den letzten Tagen wurden über 40 Menschen bei Kämpfen zwischen der Armee und Al-Qaida-Mitgliedern getötet. Unterdessen haben sich einflussreiche Stämme zu einer Koalition gegen Saleh zusammengeschlossen. Nach dem «Sieg der Revolution» wolle die Koalition beim Aufbau eines modernen Staates helfen, hiess es in einer Mitteilung von vergangener Woche.

Bahrain

Als die Weltöffentlichkeit nach Libyen und Jemen blickte, haben die bahrainischen Machthaber mithilfe Saudiarabiens die Protestbewegung der schiitischen Bevölkerungsmehrheit in Manama brutal unterdrückt. Vor Gericht stehen nun nicht die Herrscher, sondern Demonstranten und ihre Unterstützer. Sie sind angeklagt, die nationale Sicherheit gefährdet zu haben. Am 22. Juni wurden zehn Aktivisten zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt.

Vom gewaltsamen Vorgehen des sunnitischen Königshauses lassen sich die Demonstranten jedoch nicht einschüchtern. Ende Juli gingen wieder Zehntausende auf die Strasse und forderten «mehr Freiheit». Ein Graben zieht sich durch die Bevölkerung, Schiiten und Sunniten begegnen einander mit grossem Misstrauen, die Lage ist angespannt. Am Mittwoch berichtete Amnesty International von zwei bahrainischen Frauen, die wegen ihrer Teilnahme an den Protesten inhaftiert und gefoltert worden seien. Die Frauen befinden sich zurzeit im Hungerstreik, um ihre Freilassung zu erwirken. Amnesty fordert die Regierung auf, die Foltervorwürfe abklären zu lassen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.08.2011, 15:04 Uhr

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21 Kommentare

Arthur Bosshart

04.08.2011, 17:08 Uhr
Melden 26 Empfehlung

Wer glaubt, dass es in einem islamisch dominierten Land eine echte Demokratie geben kann, muss wohl ein Brett vor dem Kopf haben. Antworten


Markus Fischer

04.08.2011, 15:41 Uhr
Melden 22 Empfehlung

Der politische Frühling ist vielerorts bereits im Herbst angekommen ... ohne demokratische Fundamente werden diese Länder nach den hoffnungsvollen Unruhen bald im Chaos versinken ... die Islamisten werden voraussichtlich ihren Nutzen daraus zu ziehen wissen. Die Diktatoren werden durch islamistische Regime abgelöst, die wenigen politischen Freiheiten dem Glauben an die Koran geopfert werden. Antworten



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