Die falschen Farben der afghanischen Wahlbetrüger
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Raketenbeschuss und Bombenanschläge der Taliban haben am Samstag die Öffnung von einzelnen Wahllokalen verhindert oder verzögert, die Parlamentswahl in Afghanistan insgesamt aber nicht verhindert. Die Wahllokale schlossen offiziell um 16.00 Uhr (13.30 Uhr MESZ). In Regionen mit grosser Wahlbeteiligung schlossen sie aber früher, weil die Stimmzettel ausgingen. Anderswo blieben Wahllokale aber auch länger geöffnet.
Das Kabuler Innenministerium erklärte, den Taliban sei es nicht gelungen, die Wahl zu verhindern. Die Gewalt sei «unbedeutend», sagte Ministeriumssprecher Semeri Baschari. 92 Prozent der Wahllokale seien geöffnet gewesen. Der Vorsitzende der Wahlkommission, Fasel Ahmad Manawi, sagte vor Journalisten: «Es gibt keine Berichte über grössere Zwischenfälle.» Die ersten Ergebnisse werden in den nächsten Tagen erwartet, das Endergebnis nicht vor Ende Oktober.
Mehrere Zivilisten bei Anschlägen getötet
Bei Anschlägen und Angriffen wurden mindestens fünf Zivilisten, darunter zwei Kinder, sowie ein Polizist getötet. Der Gouverneur von Kandahar entging mit seiner Fahrzeugkolonne unverletzt einem Anschlag. Bei der Präsidentenwahl vor einem Jahr waren am Wahltag mehr als 30 Zivilisten und mehr als ein Dutzend afghanischer Sicherheitskräfte getötet worden.
Der Gouverneur der Taliban-Hochburg Kandahar, Turjalai Wessa rief die Wähler in seiner Provinz auf, sich nicht einschüchtern zu lassen und zur Wahl zu gehen. «Die Lage ist unter Kontrolle», sagte er. «Es gibt nichts, wovor man Angst haben muss. Der Feind will, dass die Wahl scheitert - wenn ihr also die Aufständischen aus eurem Land weg haben wollt, müsst ihr herauskommen und eure Stimme abgeben.»
Die Wahlbeteiligung schien sehr unterschiedlich auszufallen. Es war schwer abzuschätzen, inwieweit Gewaltandrohungen die Bürger von der Stimmabgabe abhielten. Bei der Wahl bewarben sich rund 2500 Kandidaten um 249 Sitze im Parlament.
Gradmesser für weitere Entwicklung
Die erste Wahl seit der umstrittenen Präsidentenwahl vor einem Jahr gilt in mehrfacher Hinsicht als Gradmesser der politischen und sicherheitspolitischen Entwicklung Afghanistans. Auf dem Prüfstand steht die Fähigkeit der afghanischen Regierung, landesweit eine faire und sichere Wahl abhalten zu können.
Die Abstimmung ist zudem ein wichtiger Indikator für die Bereitschaft der afghanischen Bürger, trotz Gewaltdrohungen der Taliban ihre Stimme abzugeben. Und sie zeigt zudem die Fähigkeit der Aufständischen auf, die Wahl zu stören oder zu verhindern.
Nach amtlichen Angaben schlugen in Kabul sowie den Städten Ghasni, Gardes und Dschalalabad im Osten, in Kandahar und Nimros im Süden und Baghlan im Norden Raketen ein. Explosionen in Wahlzentren in Kabul, Dschalalabad und der östlichen Provinz Chost verzögerten die Öffnung der Wahllokale. In der Provinz Nangarhar wurden mindestens zehn Explosionen registriert.
Der Zivilbeauftragter der NATO in Afghanistan, Mark Sedwill, sagte, auch bei der Parlamentswahl sei wie bei der Präsidentenwahl vor einem Jahr mit Unregelmässigkeiten zu rechnen. «Die wirklich wichtige Frage ist das Ausmass davon und ob es das Ergebnis beeinflusst. Und ob es sich auf die Glaubwürdigkeit der Wahl auswirkt, nicht in unseren Augen, sondern denen des afghanischen Volkes.»
Wahl-Registrierungen gefälscht
Vereinzelt gab es Berichte über Unregelmässigkeiten. In Dschalalabad hätten Wähler mit gefälschten Registrierungsnachweisen abstimmen können, sagte ein Beobachter der afghanischen Stiftung für Freie und Faire Wahlen. In Kabul beschwerte sich ein Wahlhelfer, Mohammed Hawaid, darüber, dass die Tinte, mit der ein Finger der Wähler nach der Stimmabgabe gekennzeichnet wird, abwaschbar sei. Sie müsse aber 72 Stunden halten.
Bei Anschlägen vor der Wahl wurden 24 Menschen getötet, darunter vier Kandidaten, berichteten Wahlbeobachter. Die NATO teilte am Samstag mit, die Koalitionstruppen hätten in der vergangenen Woche in sieben Provinzen zwölf Operationen gegen Aufständische geführt, die die Wahl stören wollten. Drei Aufständische seien getötet und mehrere weitere gefangen genommen worden. (miw/dapd)
Erstellt: 18.09.2010, 20:06 Uhr
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