Die letzte Chance für Iraks Frauen
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Als Marha al-Duri nach dem Freitagsgebet die Moschee verlässt, wird sie sofort von einer ganzen Schar von Frauen umzingelt. Sie bestürmen die Abgeordnete mit ihren Anliegen und Fragen. Al-Duri ist eine von 70 Frauen im irakischen Parlament. Bei der ersten Wahl nach dem Sturz Saddam Husseins im Jahr 2005 wurde auf Druck der USA eine Frauenquote von 25 Prozent festgelegt. Auch für die Parlamentswahl am Sonntag gilt: Mindestens ein Viertel der künftig 325 Sitze werden an Frauen gehen, damit ist ihr Anteil höher als in den USA selbst.
Allerdings ist die Quote bis heute umstritten - auch bei Frauen wie al-Duri, die von der Regelung profitiert haben. «Für die letzte Wahl war die Quote sehr wichtig, um Frauen überhaupt die Chance zu geben, in der Politik eine Rolle zu spielen», räumt die konservative Abgeordnete ein, die der Partei des schiitischen Geistlichen Muktada al-Sadr angehört. «Aber in Zukunft sollte die Quote abgeschafft werden. Frauen sollten sich unter den gleichen Bedingungen zur Wahl stellen wie Männer, denn sie haben ihre politische Kompetenz bereits unter Beweis gestellt.»
Ausweitung der Frauenquote gefordert
Die sunnitische Abgeordnete Maisun al-Damludschi fordert eine Ausweitung der Frauenquote auch auf Justiz und Verwaltung. Die Vorstellungen irakischer Politikerinnen, stellt sie trocken fest, gehen selbst in der Frauenfrage weit auseinander. Einig seien sich die Abgeordneten verschiedener Parteien eigentlich nur in zwei Punkten: Dass die Bildungschancen verbessert und Gewalt gegen Frauen gestoppt werden müsse. «Über fast alles andere sind wir uneins», sagt al-Damludschi.
Etliche Frauen schauen pessimistisch in die Zukunft. «Wenn die Frauenquote wegfällt, haben die Frauen kaum noch eine Chance gewählt zu werden in unserer patriarchalischen Gesellschaft», sagte die Wahlleiterin Hamida al-Husseini der Deutschen Presse-Agentur in Bagdad.
Parlamentspräsident bekam Frauen-Power zu spüren
Die Vielfalt der Einstellungen zu Themen wie Religion und der Rolle der Frau wird schon an den Wahlplakaten der Kandidatinnen deutlich: Einige sind von Kopf bis Fuss verhüllt, andere zeigen sich mit offenem Haar, Makeup und westlicher Kleidung. In der Stadt Kirkuk stellte die Polizei sogar fest, dass vor einem Plakat einer besonders attraktiven Kandidaten regelmässig der Verkehr ins Stocken geriet.
Doch trotz aller Unterschiede haben die irakischen Parlamentarierinnen auch schon weibliche Solidarität bewiesen: Als der frühere Parlamentspräsident Mahmud al-Maschadani einen frauenfeindlichen Witz machte, verliessen die weiblichen Abgeordneten aller Parteien geschlossen die Sitzung. Sie kündigten an, erst zurückzukehren, wenn al-Maschadani selbst den Saal verlassen habe - was der Parlamentspräsident schliesslich auch tat. «Ich glaube, er hat daraus gelernt», sagt die Abgeordnete al-Daludschi.
Das scheint zu stimmen. Jedenfalls versichert al-Maschadani, der damals gewitzelt hatte, Politikerinnen seien ständig durch die Sorge abgelenkt, ihr Mann könnte fremdgehen, heute: «Frauen haben Talent und die Fähigkeit, im Parlament noch fiel mehr zu bewirken.» (vin/ddp)
Erstellt: 03.03.2010, 11:27 Uhr
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