Die neuen Machthaber isolieren Guinea-Bissau noch stärker

Portugal will nach dem Putsch in Guinea-Bissau im Ernstfall Staatsangehörige aus der ehemaligen Kolonie bringen. Nach dieser Ankündigung haben die Putschisten die Luft- und Seegrenzen geschlossen.

Sie wollen das Verteidigungsministerium kontrollieren: Die Militärputschisten in Guinea-Bissau. (15. April 2012)

Sie wollen das Verteidigungsministerium kontrollieren: Die Militärputschisten in Guinea-Bissau. (15. April 2012) Bild: AFP

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Nach dem Putsch in Guinea-Bissau hat die Militärjunta die Luft- und Seegrenzen geschlossen. In einer gestern veröffentlichten Erklärung machten die neuen Machthaber keine Angaben zur Dauer der Massnahmen.

Portugal hatte zuvor angekündigt, zwei Marineschiffe und ein Überwachungsflugzeug des Typs P-3 Orion seien auf dem Weg in die frühere portugiesische Kolonie, um im Ernstfall portugiesische Staatsangehörige ausser Landes zu bringen. Rund 4000 bis 5000 Portugiesen leben in dem westafrikanischen Staat.

Suche nach einem Ausweg aus der Isolation

Die neuen Machthaber suchten am Sonntag nach einem Ausweg aus der Isolation. Örtliche Journalisten berichteten, die Streitkräfte hätten Vertreter der Parteien zusammengerufen, um über gewaltfreie Wege aus der Krise zu beraten. Die Putschisten wollen eine Regierung der nationalen Einheit, in der sie das Verteidigungsministerium beherrschen.

Der gestürzte Interimspräsident Raimundo Pereira und Ministerpräsident Carlos Domingos Gomes junior werden angeblich in einer Kaserne ausserhalb der Hauptstadt gefangen gehalten. Der UNO-Sicherheitsrat hat ihre Freilassung verlangt. Ein Sprecher der Streitkräfte erklärte, beiden gehe es gut.

Private Radiosender geschlossen

Gomes war Favorit bei der für den 29. April geplanten zweiten Runde der Präsidentenwahl, die nach dem Tode des Präsidenten Malam Bacai Sanha nötig wurde. Sein Rivale Kumba Yala soll enge Beziehungen zum Militär unterhalten.

Private Radiosender sind seit Samstag geschlossen. Augenzeugen erklärten aber, die Lage habe sich beruhigt, und die Märkte hätten wieder geöffnet.

Die Putschisten rechtfertigten ihren Staatsstreich mit angeblichen Plänen der Regierung, die Streitkräfte mit Militärhilfe Angolas zu zerstören. Angola, ebenfalls eine ehemalige portugiesische Kolonie, hat 200 Soldaten in Guinea-Bissau stehen.

(rbi/sda)

(Erstellt: 16.04.2012, 07:08 Uhr)

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