Die tragische Geschichte um Ahmed Mohammed Mohamud
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Die Kugel traf Mutter und Sohn auf dem Heimweg vom Markt in Mogadischu. Erst spürte die Frau nur einen stechenden Schmerz an der Hand. Dann sah sie ihren Jungen, blutüberströmt. Das Geschoss hatte dem Achtjährigen das Gesicht zerfetzt. Zwei Monate später: Ahmed Mohammed Mohamud hat kein rechtes Auge mehr, keine Nase, keine Oberlippe. Er kann den Mund nicht schliessen und kaum sprechen. In Ahmeds versehrtem Gesicht spiegelt sich die Fratze des Krieges in Somalia.
Wie so viele andere Opfer in diesem Gemetzel waren Mutter und Sohn ins Kreuzfeuer zwischen Regierungstruppen und islamistischen Aufständischen geraten. Anders als in Afghanistan oder im Irak spielt sich das Blutvergiessen in Somalia, dem Tausende Kinder zum Opfer gefallen sind, kaum je vor den Augen der Weltöffentlichkeit ab. Am 24. September war ein Fotograf der Nachrichtenagentur AP zur Stelle und machte Aufnahmen, als der schwerverwundete Junge weggetragen wurde. In den folgenden Wochen verfolgten AP-Journalisten das Schicksal Ahmeds und seiner Mutter.
Hilfe in Kenya
Mit Unterstützung einer Hilfsorganisation somalischer Einwanderer in den USA wurden sie nach Kenya ausgeflogen, wo Ahmeds Wunden besser behandelt werden können. «Mir blutet das Herz, wenn ich daran denke, wie er früher ausgesehen hat, wenn ich die Gesichter vergleiche», sagt Safi Mohammed Schidane. «Gott strafe diejenigen, die meinem Sohn das angetan haben.»
«Ahmeds Situation steht für die Notlage vieler, vieler Kinder in Somalia», sagt Katherine Grant vom Kinderhilfswerk UNICEF, die den Jungen im Krankenhaus in der Nähe von Nairobi besucht hat. Verlässliche Zahlen darüber, wie viele Jungen und Mädchen Opfer des Konflikts werden, gibt es nicht. In dem Land, das seit dem Sturz der letzten Zentralregierung 1991 im Chaos versinkt, finden Verwundete kaum eine medizinische Grundversorgung, geschweige denn Spezialisten.
Im Medina-Krankenhaus in Mogadischu taten die Ärzte für Ahmed, was sie nur konnten. Sie machten einen Luftröhrenschnitt, legten eine Sonde zur Ernährung, flickten seine Wunden zusammen und verbanden sie dick mit Mull. Sein Schicksal rührte Herzen, Hilfsappelle wurden unter anderem auf somalischen Webseiten veröffentlicht. Ende Oktober liess ihn die Hilfsorganisation somalischer US-Einwanderer, die schon vielen kriegsverletzten Kindern geholfen hat, zu Spezialisten nach Kenya bringen. Sein behandelnder Arzt Igohwo Etu schätzt, dass zum Wiederaufbau seines Gesichts hunderttausende Dollar teure plastische Operationen erforderlich sind.
Zivilbevölkerung zwischen den Fronten
Trotz seiner ungewissen Zukunft ist Ahmed ein meist fröhlicher kleiner Bursche, der gerne mit seinem Spielzeughubschrauber spielt und im Koran liest. Doch dann wieder verlässt ihn der Mut, und die Mutter tupft ihm die Tränen aus dem verwüsteten Gesicht. «Mit Gottes Hilfe wirst du dich erholen und wieder in die Schule gehen», redet sie ihm zu. Schidane hofft, dass sich im neuen Jahr amerikanische oder kanadische Ärzte ihres Sohnes annehmen, aber Genaues weiss sie nicht.
Zehntausende Somalier sind aus Mogadischu geflüchtet. Gefechte sind an der Tagesordnung, die Islamisten halten in Schussweite des Regierungssitzes Strafgericht mit Hinrichtungen und Amputationen. «Es fällt schwer zuversichtlich zu sein, dass sich die Lage einmal bessert, geschweige denn die Gewalt ein Ende hat», sagt Chris Albin-Lackey von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. In Mogadischu herrsche eine Pattsituation. «Keine Seite kann die Oberhand gewinnen, und die Zivilbevölkerung ist zwischen ihnen gefangen.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 24.11.2009, 21:14 Uhr
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