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Dunkle Gewalt: Bei Unruhen rückt die Bassij-Miliz aus

In Zeiten der Proteste sind sie die am meisten gefürchteten Männer in den Strassen Teherans: die Bassiji, «die Mobilisierten der Unterdrückten».

Schwarz gekleidet und auf dem Motorrad: Bassiji jagen Demonstranten.

Schwarz gekleidet und auf dem Motorrad: Bassiji jagen Demonstranten.
Bild: Keystone

Bassiji gibt es überall im Iran, jede Gruppe wird von einem Revolutionsgardisten geführt, dessen Eliteeinheit direkt dem geistlichen Führer Ali Khamenei unterstellt wird. Dessen unverhohlene Drohung beim Freitagsgebet mit einem harten Vorgehen gegen künftige Demonstranten setzt die Oppositionsführung unter Druck: Wie weit kann sie gehen?

In der ersten Woche der Proteste gegen das offizielle Präsidentenwahlergebnis, demzufolge Amtsinhaber Mahmud Ahmadinejad klar gewann, hielt sich die Bassij-Miliz noch zurück - zumindest tagsüber. In der Dunkelheit aber drangen sie in Wohnungen mutmasslicher Oppositioneller ein, bewaffnet mit Äxten, Dolchen, Knüppeln und ähnlichen Waffen. Amateurvideos und Fotos auf Internetseiten sollen das dokumentieren - sie zeigen eine grosse Zerstörungswut. Unabhängig überprüft werden kann das wegen der Auflagen der iranischen Behörden für ausländische Medien nicht.

Auf Motorrädern

Wenn Khamenei es befiehlt, werden die Bassiji auch bei Tageslicht mit ihren Motorrädern in Demonstranten fahren und auf die Menschen einschlagen. Gegründet während der islamischen Revolution 1979 sehen sie sich als Sittenwächter und Stütze des Systems. Im Alltag wachen sie etwa darauf, dass Frauen entsprechend den islamischen Regeln gekleidet sind.

Im ersten Golfkrieg gegen den Irak waren es Bassiji, die in Wellen durch Minenfelder gingen und so den regulären Truppen mit ihrem Leben den Weg ebneten. Dafür erhielten die Mitglieder der Miliz Privilegien wie vereinfachten Zugang zu Universitäten und günstige Darlehen.

In den 90er Jahren wurden sie systematisch gegen Dissidenten eingesetzt. Sie mischten sich in normaler Kleidung unter Demonstranten und schlugen dann mit Knüppeln um sich. Diese Einschüchterungstaktik soll nach Einschätzung von Experten nun wieder angewendet werden.

Kanonenfutter im Irakkrieg

«Die Bassiji haben als Kanonenfutter für die Revolutionsgarde während des Irakkrieges angefangen», sagte Meir Javedanfar, ein im Iran geborener Analyst, der in Israel lebt. «Jetzt machen sie die Drecksarbeit für sie: Sie sprengen Partys, belästigen Frauen wegen ihres Hidschabs (Kopfbedeckung) und verüben viele andere Gewalttaten.»

Die Bassij-Führer sind in Moscheen in jedem Dorf und jeder Stadt im Iran stationiert, wie Mehdi Khalaji vom Washingtoner Institut für Nahostpolitik erklärt. Khalaji schätzt ihre Zahl auf eine Million. Die iranische Regierung sagt, es gebe fünf Millionen Bassidschi.

Die Bassiji gelten als Anhänger Ahmadinejads. Bereits bei seinem Wahlsieg vor vier Jahren wurden sie mobilisiert, um ihn zu unterstützen, sagt Khalaji.

Knüppel, Äxte, Dolche

Nur an ranghohe Mitglieder der Bassiji werden in der Regel Schusswaffen ausgegeben. Die Mehrheit hat Knüppel, Äxte, Dolche, Pfefferspray und andere Waffen dieser Art. «Mit ihren Motorrädern rasen sie plötzlich in die Menge und schlagen auf die Leute ein», sagt Khalaji.

Bislang wurde ein grösserer Bassij-Einsatz bekannt: Am vergangenen Sonntag stürmten Milizionäre Teheraner Studentenwohnheime, schlugen Studenten zusammen und zertrümmerten Computer und Möbel, wie Augenzeugen berichteten. Am Montag griffen Studenten einen Stützpunkt der Bassiji an und versuchten, ihn in Brand zu stecken. Bewaffnete Männer schossen vom Dach in die Menge, die staatlichen Medien berichteten von sieben Toten. (Jason Keyser/ap)

Erstellt: 20.06.2009, 17:34 Uhr

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