Ausland

Ein amerikanischer Albtraum

Aktualisiert am 04.11.2009

Heute vor 30 Jahren stürmten radikale Studenten die amerikanische Botschaft in Teheran und hielten Mitarbeiter monatelang als Geiseln fest. Der Vorfall hat sich tief in das kollektive Gedächtnis der USA eingegraben.

1/5 444 Tage lang waren die letzten der 52 Geiseln in der Botschaft gefangen. Die Geiselnehmer präsentieren einen von ihnen am 9. November 1979 der Öffentlichkeit.
Bild: Keystone

   

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Vor 30 Jahren, am 4. November 1979, stürmten radikale Studenten in den Wirren der Islamischen Revolution die US-Botschaft in Teheran und nahmen die Mitarbeiter als Geisel.

Zum Jahrestag demonstrierten heute oppositionelle wie regierungstreue Iraner in Teheran. Eine Internetseite sprach von Schüssen gegen die Oppositionellen.

Dramatische 444 Tage sollte sich die Geiselkrise vor 30 Jahren hinziehen, bis die letzten 52 Gefangenen freikamen. Das Geiseldrama führte die Ohnmacht der USA vor, trug zur Wahlniederlage von Präsident Jimmy Carter bei und reihte sich ein in die lange Kette gegenseitiger Demütigungen, die eine Versöhnung zwischen den USA und Iran bis heute so schwer machen.

Junge Revolutionäre demonstrieren vor der Botschaft

Das Trauma der Niederlage in Vietnam lag erst vier Jahre zurück, als das neuerliche Fiasko, das in einer spektakulär gescheiterten Befreiungsaktion gipfeln sollte, seinen Lauf nahm. Teheran glich im Herbst 1979 einem brodelnden Kessel. Nach der Flucht des Schahs kämpften revolutionäre Strömungen um die Macht.

Was sie einte, war der Hass auf die USA, die den unpopulären Monarchen so lange gestützt hatten. Wie so oft demonstrierten an jenem Tag junge Revolutionäre vor der US-Botschaft. Diesmal blieb es nicht bei Parolen: Hunderte Demonstranten durchbrachen das Tor und stürmten das Gelände.

Die USA sollten den Schah ausliefern

Eigentlich geniessen Botschaften exterritoriale Immunität. Die Gastländer sind zum Schutz verpflichtet. Doch Irans revolutionärer Eifer setzte sich über die Feinheiten des Völkerrechts hinweg. Die Studenten erklärten die US-Bürger auf dem Gelände zu Gefangenen und führten sie mit verbundenen Augen vor.

Die Forderung der Geiselnehmer: Die USA sollten den Schah, der in einer amerikanischen Klinik behandelt wurde, nach Iran ausliefern. Gegen die Revolution des Ayatollah Khomeini, so lautete die Botschaft, könne selbst die westliche Supermacht nichts ausrichten.

Beziehungen zum Iran abgebrochen

Die Krisenmanagement der Regierung Carter verstärkte den Eindruck der Hilflosigkeit. Der Präsident legte Protest ein. Seine Regierung fror iranische Bankguthaben ein, stoppte den Import iranischen Öls, rief den Uno-Sicherheitsrat an.

Sanktionen der Uno scheiterten aber am Veto der Sowjetunion. Im April 1980 brachen die USA die diplomatischen Beziehungen zum Iran ab - sie sind bis heute nicht wieder hergestellt. Die Iraner liessen sich nicht beeindrucken, die US-Geiseln blieben gefangen.

Nation als Geisel der Krise

In den USA baute sich enormer öffentlicher Druck auf. «Gemessen an der öffentlichen Aufmerksamkeit und den emotionalen Auswirkungen hat kein Ereignis jener Zeit die Amerikaner so sehr mitgenommen», schreibt der amerikanische Historiker David Farber in seinem Buch über die Krise.

«Millionen brachten ihre Solidarität mit den Geiseln zum Ausdruck. Sie schrieben Briefe an die Geiseln und ihre Angehörigen. Sie steckten sich gelbe Schleifen als Symbol der Solidarität an. Im Fernsehen verfolgten sie jede Wendung. Die gesamte Nation wurde zur Geisel der Krise.»

Präsident Carter geriet immer mehr in die Defensive. In den USA war Wahlkampf. Im April 1980 gab Carter den Geheimbefehl zur gewaltsamen Befreiung der Geiseln. Was folgte, war eine militärische Blamage.

Spott der Ayatollahs

Die «Operation Adlerklaue» war schlecht vorbereitet. Kampfhelikopter gerieten über der Wüste in einen Sandsturm. Ein Helikopter kollidierte mit einem Flugzeug, explodierte und stürzte ab.

Acht US-Soldaten starben, die Luftwaffe brach den Einsatz ab. Die Soldaten liessen Militärgerät und Geheimdienstunterlagen im Sand zurück - eine Niederlage ohne Kampf, Sinnbild für die Krise der Weltmacht.

Die USA waren dem Spott der Ayatollahs preisgegeben. Bewegung in das Geiseldrama kam erst, als im Juli 1980 der Schah starb und im September der Irak im Iran einmarschierte. In Teheran liess das Interesse an den Geiseln nach.

Am 4. November, dem ersten Jahrestag der Geiselnahme, verlor Jimmy Carter die Wahl gegen den Republikaner Ronald Reagan. Am 20. Januar 1981, wenige Minuten nach Reagans Vereidigung, liess der Iran die Geiseln frei. (oku/sda)

Erstellt: 04.11.2009, 13:55 Uhr

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