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Erst Waffen, dann Nothilfe: Wie Airlines doppelt verdienen

Humanitäre Hilfe und Waffen kommen häufig mit demselben Flugzeug in Konfliktgebiete, wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri berichtet.

Waffen und humanitäre Hilfe werden mit demselben Flugzeug geliefert.

Waffen und humanitäre Hilfe werden mit demselben Flugzeug geliefert.
Bild: Keystone

Am 31. Juli 2006 wurde eine Maschine der Fluggesellschaft Badr Airlines auf dem Al-Fasher-Flughafen in Darfur fotografiert, als aus ihrem Bug Toyota-Pick-ups entladen wurden. Auf deren Ladeflächen waren Maschinengewehre installiert: Nachschub für die Rebellen in der vom Bürgerkrieg zerrissenen westsudanesischen Provinz. Dies steht in krassem Widerspruch zum Waffenembargo, das die Vereinten Nationen über die Konfliktzone verhängt haben.

Das war einer von mindestens 21 dokumentierten illegalen Waffentransporten innerhalb von fünf Monaten, die die Uno veranlassten, die in den Arabischen Emiraten registrierte Fluggesellschaft auf die schwarze Liste zu setzen. Dies hinderte die Vereinten Nationen allerdings nicht daran, für den Transport ihrer eigenen Friedensmission in Darfur auf die Dienste eben jener Badr Airlines zurückzugreifen.

Das ist kein Einzelfall. «Transportgesellschaften, die durch ihren Waffenschmuggel afrikanische Konfliktzonen destabilisieren, werden immer wieder angeheuert, um auch humanitäre Hilfe zu liefern und Friedenstruppen zu bedienen», heisst es in einem neuen Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri. 90 Prozent der Luftfrachtfirmen, die in Zusammenhang mit illegalem Waffentransport genannt werden, arbeiten auch mit internationalen Organisationen sowie EU- und Nato-Staaten für deren Beistandsprogramme zusammen. Mit einfachen Druckmitteln wäre es möglich, den Waffenschmugglern das Handwerk zu legen, meinen die Friedensforscher.

Waffen, Rauschgift – und Unicef

Die in Sudan registrierte Trans-Attico zählt zu den Transportgesellschaften, die, obwohl sie oftmals die Waffenembargos verletzten, auch mit humanitärer Hilfe gutes Geld verdienen. Die Juba Air Cargo fliegt für das Uno-Kinderhilfswerk Unicef und die Hilfsorganisation International Medical Corps. Gleichzeitig ist sie tief in illegale Waffentransporte verwickelt, wie auch die Abadad Aviation, die einen Vertrag mit der Weltgesundheitsorganisation WHO hat.

Auch Rauschgift, Raubdiamanten und andere von internationalen Verboten erfasste Güter werden von denselben Maschinen geflogen, die auch Hilfsgüter transportieren. Die serbische Air Tomisko verfrachtet militärische Ausrüstung für offizielle Nato- und Uno-Aufgaben. Ihr Eigner zählt laut Sipri zu den grossen Drahtziehern des Waffen- und Zigarettenschmuggels.

Transportaufträge entziehen

Der Nachschub aus der Luft spiele eine Schlüsselrolle in den Kriegen, die Afrika seit Jahrzehnten verheeren. Gleichzeitig sei der Lufttransport der schwache Punkt des Waffenschmuggels, meint Sipri: Da jeglicher Flugverkehr international registriert wird, seien diese Lieferungen viel leichter aufzuspüren als «Waffendealer, Drogenkartelle oder illegale Grenzgänger». EU, Uno-Agenturen oder Hilfsorganisationen sollten daher allen Unternehmen die Transportaufträge entziehen, die in illegale Waffengeschäfte verwickelt sind, heisst es im Bericht. «Ein gemeinsamer Einsatz der Auftraggeber würde die Lieferanten zwingen, zwischen Waffen und Hilfstransporten zu wählen.»

Zudem könne die EU ihre Flugsicherheitsregeln benützen, um die Waffendealer aus dem Verkehr zu ziehen. «Unsere Untersuchungen zeigen, dass die in die illegalen Geschäfte verwickelten Firmen meist miserable Sicherheitszeugnisse haben», sagt Sipri-Autor Mark Bromley. «Die Flugsicherheitsbestimmungen sind ihre Achillesferse und könnten für die Waffenschmuggler dieselben Folgen haben, wie sie die Steuerfahndung für Al Capone hatte.» (Der Bund)

Erstellt: 12.05.2009, 07:54 Uhr

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