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Experten: Ahmadinejads Erdrutschsieg ist sehr unwahrscheinlich

Aktualisiert am 23.06.2009 18 Kommentare

Britische Wahl-Experten halten den Erdrutschsieg zugunsten der Konservativen im Iran für unwahrscheinlich. Dies können sie detailliert begründen.

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Nach den Präsidentschaftswahlen im Iran vom Juni 2009 versammelten sich alle Schichten in den Städten des Irans, um ihrem Unmut Luft zu verschaffen. Sie vermuteten Fälschung der Ergebnisse. Die Unruhen haben sich zu Massenprotesten ausgeweitet.
Bild: Keystone

   

Für den Wächterrat ist alles in Ordnung: Einige Unregelmässigkeiten habe es zwar gegeben, aber «keinen grösseren Betrug oder Regelverstoss», der einen Einfluss auf das Ergebnis gehabt hätte.

Eine Analyse britischer Experten allerdings bestärkt die Zweifel daran, dass bei der Präsidentschaftswahl im Iran am 12. Juni alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Für sie passt der offiziell verkündete Erdrutschsieg des Amtsinhabers Mahmoud Ahmadinejad einfach nicht zum früheren Wählerverhalten.

Mobilisierung «schweigender Mehrheit» fraglich

Das Londoner Politikinstitut Chatham House weist in seiner Analyse darauf hin, dass Ahmadinejad dem amtlichen Endergebnis zufolge 13 Millionen Stimmen mehr bekam, als er und andere Konservative bei der Wahl 2005 erhalten hatten. Dazu hätte er in einem Drittel der Provinzen sämtliche früheren Wähler der Konservativen, sämtliche früheren Wähler der Mitte, sämtliche Erstwähler und die Hälfte derjenigen für sich gewinnen müssen, die früher für die Reformer gestimmt hatten - ein unwahrscheinliches Szenario, urteilen die Forscher in der am Sonntag veröffentlichten Studie.

Reformorientierte Iraner sind mit Ahmadinejad höchst unzufrieden, und selbst manche Konservative sind nicht glücklich über seinen wirtschaftspolitischen Kurs und die Art und Weise, wie er die Staatengemeinschaft vor den Kopf stösst. Laut Endergebnis bekam er dennoch 62,6 Prozent der Stimmen gegenüber 33,75 Prozent für den Hauptrivalen Mir Hossein Moussavi, obgleich mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen gerechnet worden war.

Stimmenanteil verdoppelt

Der immense Vorsprung widersprach auch der Erwartung, dass die Rekordbeteiligung von 85 Prozent der 46,2 Millionen Wahlberechtigten sich zugunsten Moussavis auswirken würde. Der Reformer lockte vor allem junge Leute an die Urnen, die ein Drittel der Wahlberechtigten ausmachen.

Die Untersuchung lässt daran zweifeln, dass Ahmadinejad dieses Mal konservative Nichtwähler in grosser Zahl an sich gebunden haben könnte. Den offiziellen Ergebnissen zufolge konnte er zwar den Stimmenanteil der Konservativen gegenüber 2005 um 113 Prozent steigern.

Mit Ausweisen Verstorbener

Doch lässt sich auf Provinzebene kaum ein Zusammenhang zwischen der erhöhten Wahlbeteiligung und dem Stimmenzuwachs für den Amtsinhaber ablesen. «Das stellt die Auffassung infrage, dass der Sieg Ahmadinedschads auf die massive Teilnahme einer zuvor schweigenden konservativen Mehrheit zurückzuführen ist», heisst es in der Analyse.

In den Provinzen Mazandaran und Yazd lag die Wahlbeteiligung den Angaben zufolge gar über 100 Prozent. Das Problem, dass mit den Ausweisen Verstorbener zusätzliche Stimmen abgegeben würden, sei im Iran gang und gäbe. Selbst der Wächterrat räumte ein, dass es in 50 Wahlkreisen mehr Stimmzettel gab als Wahlberechtigte.

Auf dem Lande «ausgesprochen unbeliebt»

Dies habe aber keine Auswirkung auf das Ergebnis, betonte der Sprecher des Rates im Staatsfernsehen. Internationale Beobachter waren bei der Wahl nicht zugelassen. Beobachter der Kandidaten waren erlaubt, doch beschwerte sich Moussavi darüber, dass seine Vertreter aus Wahllokalen hinausgeworfen worden seien.

Zur Begründung des Erfolgs von Ahmadinejad wird oft auf den Rückhalt hingewiesen, den er bei der Landbevölkerung geniesse. Der Studie zufolge aber waren konservative Kandidaten, insonderheit Ahmadinejad, bei früheren Präsidentschaftswahlen in ländlichen Gebieten «ausgesprochen unbeliebt».

«Passt nicht zum Trend»

Das macht die Forscher skeptisch, dass er seinen Sieg jetzt einem plötzlichen Stimmungsumschwung auf dem Lande verdankt. «Dieser Zuwachs an Unterstützung für Ahmadinejad unter Wählern vom Lande und aus ethnischen Minderheiten passt nicht zu früheren Trends, ist aussergewöhnlich gross und der Kernpunkt der Frage, warum (oder vielmehr ob) er im Juni 2009 gewonnen hat.» (sam/ap)

Erstellt: 23.06.2009, 13:56 Uhr

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18 Kommentare

Gabriela Fischer

23.06.2009, 15:20 Uhr
Melden

Nur totalitäre Regimes setzen die Armee gegen das eigene Volk ein. Ahmadinejad soll zurücktreten. Subito. Antworten


François Gibel

23.06.2009, 14:33 Uhr
Melden

Das Wort Macht bezeichnet die Fähigkeit von Individuen und Gruppen, auf das Verhalten und Denken sozialer Gruppen oder Personen - in ihrem Sinn und Interesse - einzuwirken. Hier hat Ahmadinejad die Macht dem Begriff Herrschaft zugeordnet. Wörter wie Machtapparat, Machtergreifung, Machtwechsel, Machthaber legen dieses Verständnis nahe. Und stets sind die "Kleinen", das Volk die Leidtragenden! Antworten



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