Raketen nahe israelischer Atomanlage eingeschlagen

Es sind schon jetzt die schwersten Gefechte sei November 2012. Palästinas Präsident Abbas spricht angesichts der vielen zivilen Opfer von Völkermord, während Israel Vorbereitungen für eine Bodenoffensive trifft.

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Der gewaltsame Konflikt zwischen Israel und militanten Palästinensern wird immer heftiger. Während bei israelischen Luftangriffen im Gazastreifen über 50 Menschen starben, schossen militante Palästinenser Raketen bis nach Tel Aviv und Jerusalem.

Die Zahl der Toten bei israelischen Luftangriffen im Küstenstreifen stieg nach Angaben der palästinensischen Nachrichtenagentur Ma'an auf 51. Unter den Opfern seien auch Frauen und Kinder. Mehr als 450 Menschen seien verletzt worden.

In der Nähe des SOS-Kinderdorfes in Rafah im Gazastreifen gingen nach Angaben der Organisation 15 israelische Raketen auf Hamas-Camps nieder. Die Kinder des Dorfes seien durch die Detonationen traumatisiert. Aus Sicherheitsgründen dürften sie das Dorf nicht mehr verlassen.

Raketen in Tel Aviv und Jerusalem

Militante Palästinenser griffen erstmals seit dem Gaza-Krieg Ende 2012 wieder Jerusalem und Tel Aviv mit Raketen an. Dort heulten am Abend und heute die Sirenen.

Sogar in der Küstenstadt Chadera knapp 120 Kilometer vom Gazastreifen entfernt schlug ein Geschoss ein. Dies sei der Raketenangriff mit der bisher grössten Reichweite gewesen, sagte eine Armeesprecherin. In der Vergangenheit waren vor allem Orte in einer Entfernung bis 40 Kilometer zum Gazastreifen angegriffen worden.

Zwei aus dem Gazastreifen abgefeuerte Raketen schlugen nach Armeeangaben in der Nähe der israelischen Atomanlage Dimona ein. Schäden oder Verletzte habe es nicht gegeben. Das Kraftwerk liegt in der Negev-Wüste, rund 80 Kilometer südöstlich des Gaza-Streifens.

Seit Beginn der israelischen Militäroperation in der Nacht zum Dienstag hätten Luftwaffe und Marine 560 Ziele angegriffen, teilte das Militär mit. Militante Palästinenser im Gazastreifen hätten in diesem Zeitraum mehr als 300 Raketen auf Israel abgefeuert. Davon habe die Raketenabwehr rund 50 abgefangen.

Abbas spricht von «Völkermord»

Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas warf Israel wegen der Luftangriffe am Mittwoch Völkermord vor. «Die Ermordung ganzer Familien ist ein Völkermord, den Israel an unserem palästinensischen Volk verübt», sagt Abbas nach einem Krisentreffen der palästinensischen Führung in Ramallah.

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi sicherte Abbas nach palästinensischen Angaben am Telefon zu, sein Land werde sich für eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas einsetzen. Die Arabische Liga forderte den UNO-Sicherheitsrat in New York auf, eine Dringlichkeitssitzung wegen der Lage in Nahen Osten einzuberufen.

Netanyahu will Angriffe ausweiten

Das israelische Militär will die Angriffe auf die Hamas und andere Terrororganisationen in Gaza noch weiter verstärken. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sagte nach einer Beratung mit Militärs, die Armee sei «auf alle Möglichkeiten vorbereitet».

Die radikal-islamische Hamas, die den Gazastreifen beherrscht, werde «einen hohen Preis dafür zahlen, dass sie Raketen auf israelische Zivilisten abfeuert». Die Sicherheit seiner Bürger habe für Israel absolute Priorität, so Netanyahu.

Insgesamt seien rund vier der acht Millionen Menschen in Israel durch Raketen aus dem Gazastreifen bedroht, sagte ein Armeesprecher. Berichte über Verletzte oder Tote in Israel gab es bislang nicht.

EU und USA warnen vor Eskalation

EU und USA warnten vor einer weiteren Eskalation der Gewalt und forderten die Konfliktparteien zur Mässigung auf. Ziel müsse eine Waffenruhe sein. US-Präsident Barack Obama betonte, dass die USA weiterhin eine Zweistaatenlösung für den einzigen Weg zu dauerhaftem Frieden in Nahost halten.

«Die einzige Lösung ist ein demokratischer jüdischer Staat, der in Frieden und Sicherheit lebt, Seite an Seite mit einem existenzfähigen, unabhängigen Palästinenserstaat», schrieb er in einem Beitrag, der morgen in der Wochenzeitung «Die Zeit» erscheint. Die amerikanische Unterstützung für Israel bezeichnete Obama als nicht verhandelbar. (mrs/sda/AP/AFP)

(Erstellt: 09.07.2014, 07:08 Uhr)

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