Familien im Gazastreifen kehren in ihre Häuser zurück

Bisher halten sich sowohl Israel als auch die Hamas an die Feuerpause. Langsam kehrt Leben in den Gazastreifen zurück, und auch die Friedensverhandlungen wurden wieder aufgenommen.

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Die aktuelle Waffenruhe ist in der Nacht auf Montag um Mitternacht Ortszeit in Kraft getreten. Israel hatte eine Einhaltung der Waffenruhe als Bedingung für eine Wiederaufnahme der Verhandlungen festgesetzt. Am Freitagmorgen war die israelische Delegation vom Verhandlungsort abgereist, nachdem die Palästinenser die Verlängerung einer befristeten Feuerpause abgelehnt und erneut Raketen Richtung Israel abgefeuert hatten. Die nun geltende Waffenruhe soll drei Tage halten.

In Gaza öffneten am Montag die Geschäfte, die Strassen waren belebt, und Familien kehrten in ihre Wohnungen zurück. Vor einer UNO-Schule, die derzeit als Notunterkunft dient, standen Wagen und Eselskarren, mit denen Vertriebene in ihre Heimatorte fahren wollten.

Sollten die Verhandlungen fehlschlagen, droht eine weitere Eskalation der Gewalt. Rechtsorientierte israelische Minister fordern die erneute Entsendung von Bodentruppen in den Gazastreifen und einen Sturz der Hamas, falls die Raketenangriffe auf Israel nicht dauerhaft gestoppt werden. Ein Hamas-Sprecher sagte, die indirekten Verhandlungen in Kairo seien die letzte Chance für eine Vereinbarung.

Gefecht in Westjordanland

Trotz der Waffenruhe gab es auch am Montag Tote. Im nördlichen Westjordanland erschossen israelische Soldaten bei einem Feuergefecht einen Palästinenser. Eine Armeesprecherin sagte, israelische Soldaten hätten das Haus in einem Dorf bei Nablus umstellt, um den Mann festzunehmen. Er habe das Feuer auf die Truppen eröffnet, die daraufhin zurückgeschossen hätten.

Palästinensische Augenzeugen beschrieben den Vorfall auf ähnliche Weise. Nach Angaben der im Westjordanland herrschenden Fatah wurde der Mann wegen eines Feuerüberfalls auf einen israelischen Soldaten gesucht. Soldaten fanden nach Militärangaben in seinem Haus mehrere Panzerabwehrraketen.

Hamas hat Leiche eines israelischen Soldates

Ausserdem starb ein sechs Wochen altes Mädchen an zuvor erlittenen Verletzungen. Seit Beginn des Gaza-Kriegs vor mehr als einem Monat sind nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums mehr als 1900 Palästinenser getötet und knapp 10'000 verletzt worden. Auf israelischer Seite starben nach offiziellen Angaben 64 Soldaten und 3 Zivilisten, mehr als 500 Menschen wurden verletzt.

Israels Verteidigungsminister Mosche Jaalon bestätigte erstmals, dass die Hamas die Leiche eines bei der Bodenoffensive getöteten israelischen Soldaten hat. Er versprach der Familie des gefallenen Oron Schaul, alles zu unternehmen, um den Leichnam zurückzuführen. Schaul war bei einem Gefecht im Gaza-Viertel Sadschaija getötet worden und galt zunächst als vermisst. Es wird vermutet, die Hamas könnte auch Teile der Leiche eines zweiten Soldaten haben.

Gespräche über Frieden sind im Gang

Nachdem die Kraft getretene Feuerpause eingehalten wurde, gingen auch die Verhandlungen weiter. Israels Unterhändler kehrten zu den Verhandlungen nach Kairo zurück. Ägyptische Vermittler setzten ihre Pendeldiplomatie fort.

In den Verhandlungen soll ein unbefristeter Waffenstillstand - ein Ende des Gaza-Krieges - erreicht werden. Dazu muss eine Einigung gefunden werden, die es allen Beteiligten erlaubt, die grossen Opfer vor der eigenen Bevölkerung als sinnvoll erscheinen zu lassen.

Israel will neue Tunnels verhindern

Während Israel eine vollständige Entmilitarisierung des Gazastreifens fordert, ist die Aufhebung der seit acht Jahren in wechselnder Intensität bestehenden See- und Landblockade eine der Hauptforderungen der Palästinenser.

Der UNO-Koordinator für die Palästinensergebiete, James Rawley, hält diese Schritte für unerlässlich. «Die Blockade muss aufgehoben werden; nicht nur, um Material zum Wiederaufbau in den Gazastreifen zu schaffen, sondern auch, damit dort getan werden kann, was vor nicht einmal zehn Jahren sehr gut klappte: Handel mit der Aussenwelt zu treiben», sagte er AFP. Ohne ein Ende der Abschottung könne die Gewaltspirale nicht gestoppt werden.

Israel will darüber nur im Rahmen einer langfristigen Friedensvereinbarung mit den Palästinensern sprechen. Zudem fordert die Regierung in Jerusalem, dass Wiederaufbauhilfe für den Gazastreifen nicht dafür genutzt werden darf, wieder Stollen unter der Grenze zu bauen. (thu/sda)

(Erstellt: 11.08.2014, 21:24 Uhr)

UNO untersucht mutmassliche Kriegsverbrechen

Die Vereinten Nationen haben ein Expertengremium zur Untersuchung möglicher Kriegsverbrechen im Gaza-Konflikt ernannt. Die Kommission leiten soll der kanadische Professor für internationales Recht William Schabas. Ebenfalls in das Gremium berufen wurden der senegalesische UNO-Menschenrechtsexperte Doudou Diene sowie die britisch-libanesische Anwältin Amal Alamuddin. Sie ist die Verlobte des US-Schauspielers George Clooney. Das Gremium sei damit beauftragt, mutmassliche Menschenrechtsverstösse auf Seiten der israelischen Streitkräfte sowie der militanten Palästinenser seit Beginn des Konflikts am 13. Juni zu untersuchen, teilte die UNO mit. Es soll seinen Bericht dem UNO-Menschenrechtsrat bis März kommenden Jahres vorlegen. (sda)

Hilfe aus der Türkei

Die türkische Hilfsorganisation, die vor vier Jahren eine Hilfsflotte in den Gazastreifen entsandte, will einen neuen Versuch zur Durchbrechung der israelischen Blockade des Palästinensergebiets machen. Angesichts der «letzten israelischen Aggression gegen den Gazastreifen» werde sie eine neue Flotte mit Hilfsgütern in das abgeriegelte Küstengebiet entsenden, erklärte die Stiftung für Humanitäre Hilfe (IHH).
Die islamische Hilfsorganisation betonte, angesichts der «Komplizenschaft» der meisten Länder mit Israel sei dies «eine Pflicht für die Zivilgesellschaft». Die IHH will am Dienstagmorgen eine Pressekonferenz zu ihren Plänen abhalten. Die Stiftung hatte im Mai 2010 zusammen mit anderen Organisationen eine Hilfsflotte nach Gaza geschickt. Bei der Erstürmung des Führungsschiffs «Mavi Marmara» durch ein israelisches Kommando wurden zehn türkische Aktivisten getötet. Der blutige Vorfall löste eine diplomatische Krise zwischen Israel und der Türkei aus. Im Jahr 2012 eröffnete die türkische Justiz einen Prozess in Abwesenheit gegen vier israelische Offiziere, die für die Erstürmung verantwortlich gemacht werden. (sda)

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