Ausland

Ghadhafis neustes Opfer

Von Jan Knüsel. Aktualisiert am 09.08.2010

Muammar al-Ghadhafi hat sich auf ein neues diplomatisches Gefecht eingelassen. Diesmal streitet er sich mit Südkorea. Das Vorgehen von Tripolis erinnert an die Krise mit der Schweiz.

Lässt sich nicht in die Karten schauen: Muammar al-Ghadhafi am Gipfel der Afrikanischen Union in Uganda.

Lässt sich nicht in die Karten schauen: Muammar al-Ghadhafi am Gipfel der Afrikanischen Union in Uganda.
Bild: Keystone

Nur zwei Monate nach der Befreiung von Max Göldi und der Beilegung der Krise zwischen der Schweiz und Libyen, hat sich Tripolis bereits ins nächste diplomatische Gefecht begeben. Libyen hat einen mutmasslichen Spion aus Südkorea verhaftet, verhört und am 18. Juli ausgewiesen. Der Agent soll die Familie Ghadhafis ausspioniert habe. Südkorea zufolge soll der Spion nach Verbindungen zwischen Nordkorea und dem libyschen Militär gesucht haben.

Tripolis zog in der Folge seine Angestellten des Wirtschaftskooperationsbüros, die De-facto-Botschaft Libyens in Südkorea, aus Seoul ab. Wie die Nachrichtenagentur «Yonhap News» berichtet, wurden zur gleichen Zeit in Libyen zwei weitere Südkoreaner, ein Missionar und ein Bauer, festgenommen. Beiden wird vorgeworfen gegen die religiösen Gesetze verstossen zu haben. Nun besteht Muammar al-Qhadhafi auf einer teuren Wiedergutmachung. Wie die südkoreanische Zeitung «JoongAng Ilbo» berichtet, fordert Libyen Infrastrukturarbeiten im Gegenwert von einer Milliarde Dollar.

Nur eine kurze Stellungnahme

«Die libyschen Behörden haben diese Forderung einer koreanischen Delegation gestellt», berichtet eine Regierungsquelle der «JoongAng Ilbo». Ansonsten drohe Tripolis mit dem Abbruch der Wirtschaftsbeziehungen. Doch damit nicht genug: Libyen fordert ausserdem, das Negativbild von Qhadhafi in den koreanischen Lehrbüchern zu überarbeiten. Weiter sollen Südkoreaner ihre christlichen Missionare aus dem nordafrikanischen Land abziehen.

Das südkoreanische Aussenministerium hält sich mit einer Stellungnahme zurück. Es befürchtet, dass sich die Beziehungen dadurch nur verschlechtern würden. Aussenminister Yu Myung-hwan sagte lediglich, dass Fortschritte erzielt worden seien und nicht alle libyschen Medienberichte den Tatsachen entsprächen.

Der Millionenauftrag

Obwohl die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern auf einem Tiefpunkt angelangt sind, konnte der südkoreanische Konzern Daewoo Engineering & Construction einen Bauauftrag für ein Gaskraftwerks in der zweitgrössten libyschen Stadt Zwitina für sich ergattern Der Auftrag hat einen Wert von fast 500 Millionen Dollar. Daewoo scheint keine Angst zu haben, zwischen die politischen Fronten zu geraten: «Obwohl es diplomatische Probleme gibt, haben wir keine Benachteiligung erlebt», erklärt ein Pressesprecher von Daewoo gegenüber der südkoreanischen Zeitung «JoongAng Ilbo». Libyen wisse sehr wohl zwischen Politik und Wirtschaft zu unterscheiden.

Südkorea und Libyen unterhalten seit 1980 diplomatische Beziehungen. Mittlerweile hat sich Libyen zu einem wichtigen Kunden von Infrastrukturbauten entwickelt. Rund zwanzig südkoreanische Konzerne sind derzeit an 51 Projekten in Libyen beteiligt. Allein im letzten Jahr hat Südkorea Aufträge im Wert von drei Milliarden Dollar aus dem nordafrikanischen Wüstenstaat erhalten. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.08.2010, 16:16 Uhr

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