Glencore geht in die Gegenoffensive

Im «Tages-Anzeiger» hat der kongolesische Bischof Fridolin Ambongo dem Schweizer Rohstoffunternehmen vorgeworfen, im Kongo keine Steuern zu zahlen. Jetzt widerspricht Glencore.

Glencore zahlt im Kongo gemäss eigenen Angaben Hunderte Million Dollar Steuern jährlich: Kupfermine einer Glencore-Tochterfirma in Kolwezi, Demokratische Republik Kongo.

Glencore zahlt im Kongo gemäss eigenen Angaben Hunderte Million Dollar Steuern jährlich: Kupfermine einer Glencore-Tochterfirma in Kolwezi, Demokratische Republik Kongo.

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Der Vorwurf ist hart: Die lokalen Ableger internationaler Bergbaukonzerne wie Glencore würden negative Bilanzen ausweisen, um so keine Steuern vor Ort zahlen zu müssen, sagte der kongolesische Bischof und Rohstoffexeperte Fridolin Ambongo gegenüber dem «Tages-Anzeiger». «Glencore oder ihre Tochterfirmen arrangieren die Zahlen so, dass sie für jedes Jahr ein Defizit aufweisen. Gleichzeitig investieren sie weiter. Ich weiss nicht, wie das gehen soll.» Ambongo hat die Schweiz auf Einladung von Fastenopfer besucht.

Nun hat Glencore, die weltweit grösste im Rohstoffhandel tätige Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Baar, reagiert. Charles Watenphul, Sprecher des Konzerns, sagte gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet: «Wir machen viel im Kongo. Und wir zahlen Steuern.» Per E-Mail lieferte er die Zahlen nach. Demnach überwiesen Glencore respektive ihre Tochterfirmen «zusätzlich zu den effektiven Mindeststeuern» 2012 insgesamt 212 Millionen US-Dollar und 282 Millionen für 2013. «Alle Steuern wurden gemäss den kongolesischen Gesetzen an den Staat und die staatlichen Unternehmen der Demokratischen Republik Kongo entrichtet», schreibt Glencore.

Kabila korrupt

Fridolin Ambongo bezweifelt, dass das Geld aus dem Bergbaugeschäft seinen Landsleuten zugutekommt, denn die Regierung von Präsident Joseph Kabila sei korrupt. «Sie lässt sich von den Rohstoffunternehmen kaufen.» Andererseits «spielt Glencore mit der Regierung des Kongo», wenn es um die Steuern gehe. Ambongo ist Präsident der kongolesischen Bischofskommission für Ressourcen (Cern), die sich mit Konfliktmineralien befasst.

Für den Zustand seines Heimatlandes – der Kongo belegt auf dem Entwicklungsindex der UNO regelmässig den letzten oder vorletzten Platz – macht der katholische Bischof jedoch nicht die grossen Rohstoffunternehmen wie Glencore verantwortlich. Schuld daran sei die Regierung in Kinshasa: «Sie ist hauptverantwortlich für unsere Misere.»

17'000 Jobs geschaffen

Vielmehr begrüsst es Ambongo, dass es Glencore überhaupt «gewagt» habe, im Kongo zu investieren. Denn damit würden Arbeitsplätze entstehen. Glencore betont, man habe «17'000 gute, sichere Arbeitsplätze» geschaffen. «Fast alle diese Arbeitsplätze sind von lokalen Personen besetzt.»

Glencore baut im Kongo vor allem Kupfer ab, und zwar in Katanga, der traditionellen Bergbauprovinz im Süden des Landes. Bis Ende 2013 habe man 3,7 Milliarden US-Dollar investiert, und bis Ende dieses Jahres sollen es gar 4,2 Milliarden sein, teilt das Unternehmen mit. Angesichts dieser Summen erwartet Fridolin Ambongo, dass Glencore etwas mehr in die lokale Infrastruktur investiert.

Flugplatz für Kolwezi

Auch diese Kritik weist Glencore zurück. Man habe unter anderem bereits 14 Grundschulen, eine Universität, 15 Gesundheitszentren und 5 Spitäler gebaut, und man engagiere sich bei der Wiederaufforstung. Auch Kleinunternehmen würden unterstützt. Davon profitiere «die gesamte Bevölkerung von Kolwezi, etwa eine Million Menschen». Ausserdem seien in Kolwezi der Flughafen sowie Strassen und eine Brücke gebaut worden. Die Stadt Kolwezi liegt in der Nähe der beiden Glencore-Betriebe Katanga-Mining und Mutanda. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 10.09.2014, 15:24 Uhr)

«Die Regierung von Präsident Joseph Kabila lässt sich von den Rohstoffunternehmen kaufen»: Fridolin Ambongo, Rohstoffexperte und Präsident der Bischofskommission für Ressourcen (Cern) in Kongo-Kinshasa.

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