«Hallo, Mami»: Der letzte Brief eines Afghanistan-Kämpfers
«Hallo Mutter, das wird für dich hart sein»: Cyrus Thatcher. (Bild: Britische Armee)
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Der Kampfeinsatz der Briten in Afghanistan fordert Opfer, viele Opfer. In den letzten Wochen stieg die Zahl rapide an. Inzwischen starben im asiatischen Gebirgsstaat sogar mehr britische Soldaten als im Irak. Die Berichte über die Toten erschüttern das Inselvolk, nicht wenige fordern ein Ende des Einsatzes am Hindukusch.
Britische Medien berichteten bisher über Details der Kämpfe, über Perspektiven des Einsatzes in Afghanistan und auch über das junge Alter der gefallenen Soldaten. Was nun aber der «Independent» abdruckt, dürfte manchem Leser tief unter die Haut gehen. «Hello mum, this is going to be hard for you to read ...», («Hallo, Mami, das wird für dich hart sein zu lesen …», beginnt der letzte Brief von Cyrus.
Harte Bedingungen
Insgesamt vier Schreiben aus Afghanistan – beginnend am 27. April dieses Jahres – druckt das Blatt ab. Viel schreibt Cyrus über die harten Bedingungen, über Hitze, Dreck und Staub. Aber auch darüber, dass er nach seiner Rückkehr mit seinem Kollegen nach Holland reisen will. «Ich und Elliot gehen nach alldem nach Amsterdam. Glaube, wir haben das verdient.» Am 1. Mai berichtet er von drei toten Kollegen, die bei einer Explosion ums Leben kamen. Ein paar Sätze später witzelt er darüber, was ihn alles töten könnte: «Kugeln, Bomben und Egos.»
Bei Bombenexplosion getötet
Erst im Frühling 2009 startete das 2. Bataillon der britischen Armee seinen Einsatz in Afghanistan. Neun Soldaten kamen bisher ums Leben, vier davon waren noch nicht 20. Zu ihnen gehört auch Cyrus Thatcher. Am 2. Juni verlor er bei einer Bombenexplosion sein Leben. Offenbar hatte er mit dem Schlimmsten gerechnet und für diesen Fall einen Abschiedsbrief verfasst. Fast erschreckend gefasst wirken seine Worte an die Eltern und seine beiden Brüder, Zac (21) und Steely (17).
«Hallo ich bins (…) ihr könnt das lesen und ich hoffe, es wird euch helfen das durchzustehen. Wie soll ich sagen, shit, ich wurde getroffen. (…) Ich war glücklich und fühlte mich gut. Auch wenn ich jetzt als Soldat starb, seid nicht wütend auf die Armee. (…) Es war mein Traum, nach Afghanistan zu gehen. (…) Ja, ich bin jung, und das muss euch Eltern das Herz brechen. Aber ihr müsst die Stärke finden, das durchzustehen, so wie ich die Stärke für diesen Einsatz fand. (…) Diesen Brief schreibend, sehe ich euch weinen und trauern. Aber wenn ich einen Wunsch hätte, ich wollte eure Trauer stoppen. (…) Trocknet eure Augen und setzt tapfere Mienen auf, die anderen Familienmitglieder brauchen das.»
Ganz persönlich
Am Schluss richtet Cyrus noch persönliche Worte an seine Brüder sowie an Mutter und Vater. «Vater – mein Freund, mein Lehrer (…) in den letzten zwei Jahren warst du mein Vorbild. (…) In letzter Zeit waren wir uns näher als je zuvor. Ich sage für nichts danke, was du mir gegeben hast. Ich weiss, dass du keinen Dank erwartest, denn du hast alles aus Liebe getan. (…) Mutter, du warst perfekt. Wie du dein Leben auf uns Jungs ausgerichtet hast, und wie du uns begleitet hast. (…) Ich liebe dich, du warst der Grund, weshalb ich es soweit gebracht habe. (…) Von dir erhielt ich mehr Liebe als jedes andere Kind und dafür fühlte ich mich speziell.»
Nach aufmunternden und witzigen Worten an seine beiden Brüder schliesst Cyrus seinen Abschiedsbrief mit den Worten: «Remember chin up head down. With love Cyrus xxxx» Der Einsatz von Cyrus Thatcher hätte noch bis zum 5. November gedauert. (cpm)
Erstellt: 20.07.2009, 22:20 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.


