Hamas-Chef ruft zu Intifada auf

Aktualisiert am 27.12.2008 350 Kommentare

Bei israelischen Luftangriffen von nie dagewesener Härte auf den Gazastreifen sind über 220 Palästinenser getötet worden. Als Reaktion ruft der im Exil lebende Hamas-Chef Chaled Maschaal zu einer neuen – dritten – Intifada auf.

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Während der Bodenoffensive heute Nachmittag wurden die Verletzten in die Spitäler von Gaza gebracht.
Bild: Keystone

   
«Wir rufen zu einer militärischen Intifada gegen unseren Feind auf»: Hamas-Chef Chaled Maschaal.

«Wir rufen zu einer militärischen Intifada gegen unseren Feind auf»: Hamas-Chef Chaled Maschaal.

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Verheerende Bombenangriffe auf den Gazastreifen (Quelle: Reuters).

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«Genug ist genug»: Ehud Barak (Quelle: Reuters).

«Wir rufen zu einer militärischen Intifada gegen unseren Feind auf», sagte Maschaal in einem Interview mit dem Fernsehsender Al-Jazeera. «Der Widerstand wird sich mit Selbstmordaktionen fortsetzen», fügte Maschaal hinzu, der in der syrischen Hauptstadt Damaskus lebt.

Israel droht mit weiteren Angriffen

Ungeachtet internationaler Appelle zu einem Ende der Gewalt drohte der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak mit einer Ausweitung der Offensive. Die israelische Militärführung teilte mit, bis zum späten Nachmittag seien über 100 Tonnen Bomben über dem Gazastreifen abgeworfen worden.

Gegenangriff

Unmittelbar nach den ersten Luftangriffen schlugen mehr als 50 selbst gebaute Geschosse auch auf israelischem Boden ein. Ein Mann kam dabei ums Leben. Fünf weitere Israelis wurden bei den Angriffen teilweise schwer verletzt.

Olmert bittet um Geduld

Regierungschef Ehud Olmert schliesst nach den verheerenden Angriffen auf den Gazastreifen einen lang andauernden Einsatz nicht aus. «Es könnte einige Zeit dauern und jeder einzelne von uns muss Geduld haben, damit wir den Einsatz beenden können», sagte Olmert vor Journalisten.

An die Bürger Israels gerichtet fügte er hinzu, es sei möglich, dass in der nächsten Zeit der Raketenbeschuss von palästinensischem Gebiet auf Israel noch zunehmen werde und die Raketen zudem auch eine grössere Reichweite als bislang gekannt hätten.

Polizeichef von Gaza ist tot

Laut Hamas wurden alle ihre Sicherheitseinrichtungen getroffen. Der Polizeichef von Gaza, Taufik Dschaber, war unter den Getöteten. Nach Angaben der radikalislamischen Organisation sind unter den mindestens 225 Toten 140 Mitglieder der eigenen Sicherheitskräfte. Mehr als 700 Palästinenser sind zum Teil schwer verletzt worden. Es handelt sich um die höchste Opferzahl an einem Tag seit dem Sechstagekrieg von 1967.

Ärzte im grössten Krankenhaus in Gaza sagten, sie könnten keine Verletzten mehr behandeln. «Wir haben keinen Platz mehr», erklärte ein Mediziner im Schifa-Krankenhaus.

Hamas droht mit Vergeltung

Die Luftangriffe begannen gegen Mittag und lösten in der Bevölkerung Panik aus. Einrichtungen der Hamas befinden sich oft mitten in Wohngebieten. Die ersten Raketen schlugen kurz nach Schulschluss ein, als Schüler auf dem Heimweg waren.

Hamas-Sprecher Fausi Barhum sagte im Rundfunk, seine Organisation werde Vergeltung mit Selbstmordanschlägen, Raketen- und Mörserangriffen üben: «Die Hamas wird den Widerstand bis zum letzten Blutstropfen fortsetzen.» Militante Palästinenser feuerten nach den Luftangriffen israelischen Angaben zufolge mehrere Raketen auf Südisrael ab. Im Grenzdorf Netivot wurden demnach eine Frau getötet und mindestens vier weitere Menschen verletzt. Die israelische Regierung verhängte in der Grenzregion den Ausnahmezustand und forderte die Bewohner auf, Schutzeinrichtungen aufzusuchen.

Ägypten öffnete seine Grenze, um palästinensische Verletzte aufzunehmen. In Ägypten, Jordanien, Syrien und dem Libanon kam es am Samstag zu Protestkundgebungen von Exil-Palästinensern. Der ägyptische Präsident Husni Mubarak erklärte, seine Regierung wolle sich trotz der jüngsten Gewalt um eine neue Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen bemühen.

Proteste im Westjordanland

Im Westjordanland ist es zu einer Welle von Protesten gekommen. In Ramallah sowie in Hebron warfen palästinensische Jugendliche mit Steinen auf israelische Kontrollpunkte und Soldaten. In Bethlehem schaltete die Stadtverwaltung als Zeichen der Solidarität mit den Bewohnern von Gaza die Weihnachtsbeleuchtung ab.

Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas rief die Demonstranten zur Zurückhaltung auf. Man werde keine gewaltsame Ausschreitungen dulden. Die palästinensische Polizei war überall im Einsatz, um aufgebrachte Jugendliche in Schach zu halten.

Ein Vertrauter von Abbas, Nimer Hamad, gab der Hamas zumindest indirekt eine Mitschuld an der Offensive. Die Raketenangriffe auf Israel seien sinnlos. Man dürfe Israel keinen Vorwand für Militäraktionen liefern, sagte Hamad. Zugleich rief er Israel zur Einstellung der Luftangriffe auf.

Schweiz ruft zur Zurückhaltung auf

Die Schweiz hat die Reaktionen der israelischen Streitkräfte auf die Raketenangriffe aus dem Gaza-Streifen als «unverhältnismässig» verurteilt. Sie rief alle Konfliktparteien zur Zurückhaltung auf.

Israel habe das Recht, sich zu verteidigen, teilte das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) mit. Dies müsse jedoch unter Beachtung des humanitären Völkerrechts erfolgen und dem Prinzip der Verhältnismässigkeit entsprechen.

Das EDA verurteilte auch den Raketenbeschuss aus dem Gaza- Streifen heraus. Diese Angriffe stellten für die israelische Zivilbevölkerung eine unhaltbare Belastung dar, hiess es in der Mitteilung weiter.

Scharfe Kritik aus dem Ausland

Die Bombardierung müsse sofort ein Ende haben, liess Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy mitteilen. Zugleich verurteilte Sarkozy die Raketenangriffe militanter Palästinenser auf Israel und forderte ein Ende der «unverantwortlichen Provokationen», die zur jetzigen Situation geführt hätten. Es gebe keine militärische Lösung im Gazastreifen, hiess es aus dem Elyséepalast.

Die USA forderten Israel auf, Opfer unter der Zivilbevölkerung zu vermeiden. Die Hamas-Bewegung solle ihrerseits die Raketenangriffe auf Israel einstellen, wenn sie ein Ende der Gewalt wolle, sagte Gordon Johndroe, Sprecher des Weissen Hauses. Er forderte aber nicht ausdrücklich ein Ende des israelischen Angriffs.

Die EU und Russland appellierten an beide Seiten, die Kämpfe einzustellen. Der EU-Aussenbeauftragte Javier Solana forderte einen «sofortigen Waffenstillstand» im Gazastreifen. Und weiter: Die Luftangriffe hätten eine «inakzeptable Verlustziffer unter der palästinensischen Zivilbevölkerung» zur Folge gehabt, sagte er am Samstag. Zugleich erschwerten die Angriffe die Suche nach Frieden. Israel müsse die Grenzen wieder öffnen. Die EU sei bereit, ihre Beobachtermission an der Grenzübergangstelle Rafah wiederaufzunehmen.

Kein Einmarsch in Gaza

Der israelische Präsident Schimon Peres schloss einen Einmarsch der Armee im Gazastreifen aus. «Es wird keinen Krieg geben. Wir werden nicht in Gaza einmarschieren», sagte Peres in einem Interview mit der saudi-arabischen Zeitung «Ashraq al-Awsat», das vor Beginn der Luftangriffe geführt worden war.

In Israel waren in den vergangenen Tagen die Forderungen nach Militärmassnahmen gegen die Hamas immer lauter geworden, nachdem der Süden des Landes binnen einer Woche mehr als 200-mal aus dem Gazastreifen heraus beschossen worden war. Bei einem palästinensischen Raketenangriff von Gaza aus wurde am Samstag in Netivot eine israelische Zivilistin getötet, wie Rettungskräfte berichteten.

Ein ohnehin brüchiger Waffenstillstand war von der Hamas vor wenigen Tagen nicht verlängert worden. Israels Ministerpräsident Ehud Olmert hatte die Hamas gewarnt, dass eine Fortsetzung des Beschusses israelischer Städte zu militärischen Gegenmassnahmen führen würde. (bru/mbr/sda/ap)

Erstellt: 27.12.2008, 23:22 Uhr

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350 Kommentare

Schmied Martin

25.12.2008, 14:23 Uhr
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He, he, Herr Schaad, wie haben Sie es geschafft, diese Meinung an der Zensur vorbeizuschmuggeln? 99,999 % sind Ihrer Meinung, aber kaum jemand steht dazu. "Einwanderer" ist übrigens ein Euphemismus. Trotzdem: Das idiotische und fast wirkungslose Schießen von Raketen auf das besetzte Gebiet ist ein Zeichen der Ohnmacht. Eine bessere Strategie ist gefragt! Es ginge vielleicht auch ohne Gewalt. Antworten


Reto La Roche

25.12.2008, 14:03 Uhr
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Das Land gehört ganz klar den Palästinensern! Frau Zipi sieht auf dem Bild hocherfreut aus nun kann sie endlich ihre Macht so richtig auskosten scheinbar egal mit wievielen Toten der Weg gepflastert ist! Diese armen Menschen, hüben und drüben miteingeschlossen die Soldaten tun mir leid, jetzt wird es wieder wegen einer machtgeilen Dame sehr viel Leid und Elend geben! Antworten



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