Ausland

Hat Qadhafi auch die Briten über den Tisch gezogen?

Von Matthias Chapman. Aktualisiert am 07.09.2009

Die Schweiz und Grossbritannien sitzen im gleichen Boot, an dessen Steuer ein unberechenbarer Kapitän sitzt. Die Enthüllung einer britischen Zeitung zeigt das nochmals in aller Deutlichkeit.

Das Bild ging um die Welt: Lockerbie-Bomber Abdelbaset Ali al-Megrahi ist schwer krank.

Das Bild ging um die Welt: Lockerbie-Bomber Abdelbaset Ali al-Megrahi ist schwer krank.
Bild: Keystone

Spielt Katz und Maus mit Bern und London: Moammar Qadhafi.

Spielt Katz und Maus mit Bern und London: Moammar Qadhafi. (Bild: Keystone)

Roch, dass was faul war: Gordon Brown.

Roch, dass was faul war: Gordon Brown. (Bild: Keystone)

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Die Geschichte der jüngsten Querelen zwischen der Schweiz und Libyen muss nicht erklärt werden, sie ist hinlänglich bekannt. Diejenige zwischen Grossbritannien und dem Wüstenstaat lautete bisher so: 1988 reisst der Absturz einer PanAm-Maschine über dem schottischen Lockerbie 270 Menschen in den Tod. Der Libyer Abdelbaset Ali al-Megrahi wird bald als Drahtzieher des Terroranschlags entlarvt und in Schottland verurteilt – zu lebenslänglich hinter Gitter.

Bereits vor Jahren wurde beim Gefängnisinsassen Prostatakrebs diagnostiziert. Mehrmals stellte al-Megrahis Verteidiger Antrag auf Freilassung mit der Begründung, sein Mandant solle in seiner Heimat sterben dürfen. Humanitäre Gründe also. Nach mehrmaliger Ablehnung stimmen die Schotten einer Freilassung zu. Mit der Bedingung, dass al-Megrahi in Libyen nicht mit Trompeten und Fanfaren empfangen wird. Sozusagen als Staatsheld, da er doch ein Mörder ist.

Sauerstoffmaske im Gesicht

Die Zustimmung muss Edinburgh wohl erhalten haben, sonst hätte man den Mann nicht freigelassen. Wort gebrochen haben die Libyer dann trotzdem. Al-Megrahi wurde von Machthaber Moammar al-Qadhafi persönlich am Flughafen empfangen. Küsse wurden ausgetauscht. Das Volk feierte die Rückkehr al-Megrahis frenetisch. Grossbritanniens Premierminister Gordon Brown hatte sich hinlänglich darüber beklagt. Freilich, genutzt hats nichts. Wie auch, im Nachhinein.

Nur Tage später gingen Bilder um die Welt, die al-Megrahi im Spital zeigten, mit einer Sauerstoffmaske im Gesicht. Der Beweis, dass der Rückkehrer wohl wirklich schwer krank ist.

Bezahlte Ärzte schraubten am Befund

Stimmt nicht, schreibt jetzt der «Sunday Telegraph». Die Ärzte, welche den Zustand al-Megrahis beurteilen mussten – angeblich drei an der Zahl – wurden von Libyen bezahlt. Will heissen, die Doktoren mussten al-Megrahis restliche Lebenszeit so darstellen, dass dieser nach schottischen Gesetzen aus «humanitären Gründen» in seine Heimat entlassen werden konnte. Und das waren drei Monate. Und so war es denn auch geschehen.

So stehen denn die Briten – falls denn die «Enthüllung» der Zeitung auch stimmt – gleich da, wie wir Schweizer. Mit der Faust im Sack, im Wissen, eigentlich nicht viel machen zu können, als zu warten, bis die Zeit die Demütigungen vergessen macht. Übrigens, was der «Sunday Telegraph» auch noch berichtete: Al-Megrahi wurde dieses Wochenende von der Intensivstation zurück in die normale Pflege verlegt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.09.2009, 11:24 Uhr

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