Ausland

«Ich dachte, das war es also mit dir»

Aktualisiert am 18.08.2009 5 Kommentare

Mit raffinierten Sprengsätzen bringen die Taliban den britischen Truppen in Afghanistan schwere Verluste bei. Ein Bericht beschreibt das gefährliche Leben der Soldaten.

Gefahren von allen Seiten – und im Boden: Soldaten der britischen Armee.

Gefahren von allen Seiten – und im Boden: Soldaten der britischen Armee.
Bild: Reuters

Sicherung von vorne: Neben dem Schützen kommt immer öfter ein Bombensucher mit Metalldetektor zum Einsatz.

Sicherung von vorne: Neben dem Schützen kommt immer öfter ein Bombensucher mit Metalldetektor zum Einsatz. (Bild: Keystone)

Artikel zum Thema

Als der Staub sich verzogen hatte und den Blick auf den verletzten Körper eines ihrer Kameraden freigab, wussten die Soldaten, dass der Schrecken an diesem Sonntag gerade erst begonnen haben könnte: Schon am Donnerstag zuvor waren drei Soldaten in der gleichen Gegend zu Tode gekommen, südlich von Sangin in der afghanischen Provinz Helmand, wo die britischen Truppen stationiert sind. Sie starben durch einen zweiten Sprengsatz, der zündete, als sie versuchten, die Soldaten zu bergen, die von der ersten Detonation verletzt worden waren.

Heimtückische Sprengfallen

So auch am frühen Morgen dieses Sonntags, wie die britische Zeitung «Times» berichtet. Die britischen Soldaten trugen ihren verletzten Kameraden durch das Schilf am Fluss Helmand – auf der Suche nach einem freien Platz, wo ein Rettungshelikopter landen kann. Mit einem Mal erwischte sie eine zweite Explosion. «Ich wurde auf meinen Rücken geworfen», erzählte Sergeant-Major Pete Burney der Zeitung, «ich dachte, das war es also mit dir, doch als ich mich aufgerichtet hatte, sah ich, das ich keinen Kratzer hatte.»

Weiter berichtete der Soldat, dass sie von einem «Gürtel» von Sprengsätzen der Taliban umgeben waren. Rechts von sich sah Burney eine verletzte Sanitäterin, die zuvor noch versucht hatte, das erste Opfer wieder zu beleben. Ein weiterer Soldat und ein Corporal der Royal Military Police waren ebenfalls verletzt, und ein Uniformierter lag tot auf dem Boden, umgeben von weiteren Sprengsätzen.

Veränderte Strategie der Rebellen

Sangin ist laut dem Zeitungsbericht mittlerweile zu einem Synonym für die neuen Lieblingswaffen der Taliban geworden. Wo sich die Rebellen früher mit den britischen Soldaten Schiessereien lieferten, greifen sie ihre Gegner nun, im Vorfeld der Wahlen, mit Sprengstoffen an.

Die Bomben werden teils durch den Fusstritt eines Soldaten gezündet, teils aber auch elektrisch oder durch Funksignale. Nach Angaben der britischen Truppen werden sie nicht nur immer mehr, sondern auch immer raffinierter, so dass die Fachleute der Armee kaum nachkommen. Hunderte solcher Sprengfallen haben sie bisher entdeckt, ohne dass ein Ende absehbar wäre.

Sprengfallen als Mittel zur Isolation

«Die Absicht des Feindes ist klar», sagte Major Karl Hickman gegenüber der «Times», «mit einer Serie von defensiven Gürteln von Sprengsätzen wollen sie uns davon abhalten, mit der lokalen Bevölkerung in Kontakt zu kommen.» In seiner Einheit starben bereits zehn Soldaten durch die Minen der Taliban.

Um diesen Gefahren zu begegnen, haben die britischen Truppen die Massnahmen zur Sicherheit verstärkt. Statt sich nur auf den Augenschein zu verlassen, läuft mittlerweile immer öfter ein Uniformierter mit einem Metalldetektor voraus – ein extrem anspruchsvoller Posten. «Sie wissen, dass es, wenn sie etwas übersehen, sie oder ihre Kameraden trifft», sagt der 26-jährige Leutnant Alan Williamson, «der Druck, der auf ihnen lastet, ist unglaublich.» (raa)

Erstellt: 18.08.2009, 11:53 Uhr

5

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

5 Kommentare

Scavezzon Boris

18.08.2009, 11:51 Uhr
Melden

Krieg sei immer ein Verbrechen, habe ich mal gelesen. Die radikalenTalibans (früher im Krieg gegen Russland auch Freiheitskämpfer genannt) haben unterdessen eine jahrzehntelange Erfahrung. Dem Land selber haben diese Kriege bisher NICHTS gebracht - ausser Blut und nochmals Blut! Wer einen Krieg anzettelt, der hat als Politiker ganz einfach versagt und darf sich über tote Soldaten nicht wundern. Antworten


Lukas Schärer

18.08.2009, 12:14 Uhr
Melden

Was aber nichts daran ändert, dass die Kriege durch Menschen die Familie haben aus gefochten werden. Diese Jungen Menschen stehen auf der ganzen Welt für die Interessen der westlichen Welt ein. Zu deren Nutznieser wir uns alle zählen können. In dem Sinne: Unterstützt unsere Truppen und ihre Familien! Antworten



Ausland

Populär auf Facebook Privatsphäre


Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.