Ausland

Iran beschuldigt CIA und Mossad

Von Rudolph Chimelli. Aktualisiert am 13.01.2010 3 Kommentare

Bisher hat sich niemand zum Anschlag auf einen iranischen Atomwissenschaftler bekannt. Das Regime in Teheran prangerte ausländische Geheimdienste an – noch bevor die Ermittlungen begonnen hatten.

Anschlag in Teheran: Hier wurde iranische Atomwissenschaftler Massud Ali Mohammadi getötet.

Anschlag in Teheran: Hier wurde iranische Atomwissenschaftler Massud Ali Mohammadi getötet.
Bild: Keystone

Stichworte

Ein ranghoher iranischer Atomwissenschaftler ist in Teheran durch einen Sprengstoffanschlag getötet worden. Der 50-jährige Professor Massud Ali Mohammadi, der an der Universität der Hauptstadt Neutronen-Physik lehrte, kam nach offiziellen Meldungen ums Leben, als er um 7.30 Uhr sein Auto besteigen wollte und eine Bombe in einem parkierten Motorrad durch Fernzündung explodierte. Der Forscher wohnte in Kaitarijeh im Norden Teherans.

Noch bevor die Ermittlungen angelaufen waren, beschuldigten staatliche Medien ausländische Geheimdienste oder die oppositionellen Volks-Mujahedin, hinter dem Anschlag zu stehen. Das staatliche Fernsehen zitierte Sicherheitsleute am Schauplatz des Attentats mit den Worten, die verwendete Technik deute auf den israelischen Geheimdienst Mossad hin. Der Teheraner Staatsanwalt Abbas Jaafari Doulatabadi gab bekannt, bisher sei kein Verdächtiger verhaftet worden. Auch hat sich keine Seite zu dem Anschlag bekannt.

Mysteriöse Todesfälle

Der Ermordete wird in den offiziellen Veröffentlichungen als «überzeugter Anhänger der Islamischen Republik» oder als «revolutionärer Wissenschaftler» bezeichnet. Ob Mohammadi direkt mit dem iranischen Atomprogramm zu tun hatte, ist nicht bekannt. Dem Vernehmen nach hat er zeitweise in Indien studiert und dort auch seinen Doktortitel erworben. Auf der Internetsite der Teheraner Universität wird er nicht aufgeführt, obwohl der Staatsanwalt von seiner dortigen Tätigkeit als Kernphysiker sprach.

Irans Atomwissenschaftler stehen unter strikter Überwachung. Ihr Kontakt mit der Aussenwelt wird kontrolliert, und sie dürfen nur selten ins Ausland reisen. Umgekehrt beschwert sich Teheran über die Verfolgung seiner Experten durch ausländische Agenten. Sie wird in eine Reihe mit der Androhung von Militärschlägen gegen iranische Atomanlagen gestellt. Immer wieder gab es Gerüchte über mysteriöse Todesfälle. Ein Wissenschaftler soll von Unbekannten erwürgt worden sein. Von zwei anderen heisst es, sie seien bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen.

CIA-Programm «Brain Drain»

Erst im Dezember hatte Aussenminister Manouchehr Mottaki Saudiarabien beschuldigt, den auf einer Pilgerreise nach Mekka und Medina verschwundenen iranischen Atomwissenschaftler Shahram Amiri gemeinsam mit den Amerikanern entführt und an diese ausgeliefert zu haben. Danach soll Amiri laut französischen Geheimdienstquellen eine Expertengruppe der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) beraten haben, bevor diese zur Inspektion der im Bau befindlichen Atomanlagen nach Qom reiste. Das Geheimtreffen fand zuvor angeblich auf dem Frankfurter Flughafen statt. Derzeit soll sich Amiri unter dem Schutz eines Geheimdienstes in Europa aufhalten.

Es ist bekannt, dass die CIA seit 2005 ein Programm mit dem Decknamen «Brain Drain» zur Verhinderung des iranischen Atomprogramms durch Abwerbung von Fachleuten betreibt. Ihr grösster Erfolg war der Absprung des Ex-Vize-Verteidigungsministers Ali Resa Asghari, General der Revolutionsgarden. Er verschwand 2007 auf einer Reise in die Türkei. Über das Verschwinden wichtiger Fachleute beschwerte sich Mottaki im Herbst bei Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon. Auf einer Liste, die der Minister übergab, stand neben Amiri und Asghari ein Mann namens Ardebili, angeblich Geschäftsmann, tatsächlich Atomwissenschaftler, der in Georgien festgehalten und an die USA übergeben worden sein soll.

Radioaktive Verstrahlung oder banaler Unfall?

Der entführte oder übergelaufene Amiri war an der Teheraner Malek-Ashtar-Universität für Technik tätig. Nach Angaben seiner Frau war er mit der medizinischen Nutzung atomarer Technik befasst. Rektor dieser Universität war – oder ist noch – der General der Revolutionsgarden, Mahdi Najad Nuri.

Er wird in der Uno-Resolution 1737 als einer der Verantwortlichen für kritische Teile des iranischen Atomprogramms genannt und soll bei Reisen im Ausland beobachtet werden. An der Malek-Ashtar-Universität arbeitete zeitweise auch der damals 44 Jahre alte Ardeshir Hassanpur, der im Januar 2007 auf ungeklärte Weise in Isfahan an einer Vergiftung starb. Er war ein glänzender Wissenschaftler und hatte 2003 einen Preis als «erfolgreichster Forscher auf dem Gebiet der Verteidigung» erhalten. Ob sein Tod die Folge einer radioaktiven Verstrahlung oder die Folge eines banalen Unfalls war, blieb ungeklärt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.01.2010, 04:00 Uhr

3

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

3 Kommentare

Mari Wunderli

15.01.2010, 10:39 Uhr
Melden

immer als Erstes die Schuld dem Ausland in die Schuhe schieben?- Der böse Westen- nun ja- wir können das ja auch anders ansehen: Volksunterdrücker- Diktator- Mörder- Fanatiker- es gibt genügend Bösewichte im Iran- angefangen in den obersten Rängen- . Zeit dass bald einmal eine Aenderung kommt- Antworten


Stephan Kraus

20.01.2010, 22:36 Uhr
Melden

Hi, now I was writing to CIA to send an warning of coming terror of the next generation. (I hope I can write english?) Eu vorbesc si limba romana, dar nu asa bine pentru ce eu vreau sa scriu: I am Sentinel and sended already my CV to your company, because I want to help to protect hoameni ( inoscent hoameni) I know for sure, that Islam now tries to attack the west with biological we Antworten



Ausland

Populär auf Facebook Privatsphäre


Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.