Iraner drängen an die Urnen – Moussavi als Sieger ausgerufen
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Längere Öffnungszeiten
Die Öffnungszeit der Wahllokale im Iran ist wegen des grossen Andrangs um eine weitere Stunde verlängert worden. Die Iraner konnten damit noch bis 18.30 Uhr MESZ über ihren nächsten Präsidenten abstimmen. Laut Behördenvertretern war mit einer Rekordbeteiligung von mehr als 80 Prozent zu rechnen. Zunächst war die Schliessung von 15.30 Uhr MESZ auf 16.30 MESZ verschoben worden.
58 bis 60 Prozent der bislang abgegebenen Stimmen seien an Ex- Ministerpräsident Mir-Hossein Moussavi gegangen, sagte ein wichtiger Mitstreiter des Kandidaten wenige Stunden vor Schliessung der Wahllokale. «Wir sind die Gewinner», sagte er.
Auch der frühere iranische Präsident Mohammed Khatami sieht den Reformer bereits als Sieger der Präsidentenwahl. Bereits vor der Schliessung der Wahllokale sagte er heute: «Alle Hinweise deuten darauf hin, dass Moussavi gewonnen hat.» Der ehemalige Präsident, der ebenfalls zum Flügel der Reformer zählt, hat Moussavis Kandidatur unterstützt.
Ein Berater Ahmadinejads wies die Angaben umgehend zurück: «Das ist ein Psycho-Krieg, den sie angefangen haben, um die Wahl zu beeinflussen.» Der Ausgang sei unmöglich hervorzusagen. Ein anderer Anhänger des Präsidenten gab an, Ahmadinejad habe 60 Prozent der bislang abgegebenen Stimmen erzielt.
Schlangen vor den Wahllokalen
Erste unabhängige Ergebnisse werden für Samstagmorgen erwartet. Als nahezu sicher galt eine Beteilung in Rekordhöhe. Vor vielen der 45'000 Wahllokalen bildeten sich Schlangen. Wähler mussten stundenlang anstehen, bevor sie ihre Stimme abgeben konnten.
Die Öffnungszeiten wurden deshalb nach Angaben des Staatsfernsehens um mehrere Stunden verlängert. Die Wahlbeteiligung betrug mindestens 70 Prozent. Dies teilte am frühen Freitagabend ein Mitglied des die Wahlen beaufsichtigenden Wächterrates mit.
Bei Jungwählern beliebt
Profitieren dürfte davon vor allem Moussavi. Der 67-Jährige ist besonders bei Reform-Befürwortern und Jungwählern beliebt, von denen viele vor vier Jahren zu Hause geblieben waren. Doch in den vergangenen Tagen zogen sie zu Tausenden durch die Strassen Teherans, um für ihren Kandidaten zu werben.
Moussavi unterstützen selbst Konservative, die Ahmadinejad mit seiner extrem harten Linie verprellt hat. Dem Hardliner, der wegen seiner Hass-Tiraden gegen Israel und dem Festhalten am Atomprogramm auch Politikern im Westen ein Dorn im Auge ist, macht jedoch insbesondere die Wirtschaftslage zu schaffen.
Zweite Runde wahrscheinlich
Gleichwohl geniesst Ahmadinejad gerade bei der verarmten Landbevölkerung starken Rückhalt. Dieser verdankte der 53-Jährige auch seinen ersten Wahlsieg, als er mit dem Versprechen antrat, die Werte der Islamischen Revolution von 1979 wiederzubeleben.
Für einen Sieg benötigen die Kandidaten 50 Prozent der Stimmen. Experten erwarteten nicht, dass einer der Bewerber diesen Anteil bereits in der ersten Runde erreicht. Stattdessen gingen sie davon aus, dass der Entscheid in einer Stichwahl zwischen Ahmadinejad und Moussavi am kommenden Freitag fallen wird.
(oku/sda)
Erstellt: 12.06.2009, 18:20 Uhr
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