Ausland

Jemen: Sympathien für die Islamisten

Von Rudolph Chimelli. Aktualisiert am 04.01.2010

Weil die unpopuläre jemenitische Regierung im Kampf gegen das Terrornetzwerk al-Qaida immer stärker mit den USA zusammenarbeitet, sind Extremisten und Opposition gefährlich nahe zusammengerückt.

Separatisten und Qaida-Führer veranstalten am 22. Dezember eine gemeinsame Protestversammlung in der Provinz Abyan.

Separatisten und Qaida-Führer veranstalten am 22. Dezember eine gemeinsame Protestversammlung in der Provinz Abyan.

Stichworte

Der Jemen ist das ärmste Land der arabischen Welt. Seine Reserven an Wasser und Erdöl schwinden rasch, während Verelendung des Volkes und Korruption an der Staatsspitze zunehmen. Die unbeliebte Regierung von Präsident Ali Abdullah Saleh, der schon seit 1978 an der Macht ist, kontrolliert nur einen Teil des Staatsgebietes. Kaum irgendwo findet al-Qaida deshalb so günstige Voraussetzungen, sich zu gruppieren. Vor genau einem Jahr haben sich Extremisten aus dem Jemen und Saudiarabien zu Al-Qaida der Arabischen Halbinsel (AQAP) vereinigt. Ihr erklärtes Ziel ist der Sturz der Regimes beider Länder und die Errichtung eines islamischen Kalifats.

Mitarbeiter Bin Ladens

Ein Teil der jemenitischen Stämme sympathisiert mit den Glaubensvorstellungen der Extremisten. Der staatliche Sicherheitsapparat ist von Al-Qaida-Sympathisanten unterwandert. Chef der AQAP ist Nasser al-Wuhaishi, einstmals in Afghanistan enger Mitarbeiter von Osama Bin Laden. Nach der Schlacht um Tora Bora entkam Wuhaishi in den Iran, wurde inhaftiert und später an den Jemen ausgeliefert. Zusammen mit 22 anderen Al-Qaida-Kämpfern konnte Wuhaishi 2006 aus einem Hochsicherheitsgefängnis in der Hauptstadt Sanaa ausbrechen. Der Verdacht, Sicherheitsleute hätten geholfen, lag nahe.

Der zweite Mann der AQAP ist der Saudi Said al-Shihri. Er war in Guantánamo eingesperrt, wurde von den Amerikanern im November 2007 in die Heimat überstellt, setzte sich aber schon nach wenigen Wochen aus einem saudischen Umerziehungslager in den Jemen ab. Noch ein Guantánamo-Häftling, Mohammed al-Aufi, ging diesen Weg und wurde zu einer Al-Qaida-Grösse im Jemen. Von den 198 verbliebenen Guantánamo-Insassen sind 91 Jemeniten. Mindestens 27 aus Guantánamo Entlassene haben sich al-Qaida angeschlossen.

Verdoppelung der Militärhilfe

All diese Verhältnisse sind nicht neu, erregten aber lange Zeit wenig internationale Aufmerksamkeit. Die jüngsten Schläge amerikanischer Drohnen gegen angebliche Al-Qaida-Ansammlungen in den separatistisch gesinnten südjemenitischen Provinzen Abyan und Shabwa, die im Dezember Dutzende von Todesopfern forderten, suchte die Regierung in Sanaa mit Angriffen ihrer Luftwaffe zu kaschieren. Denn dass Saleh die Amerikaner in seinem Reich agieren lässt, ist ausgesprochen unbeliebt. Wegen der bei den Angriffen ums Leben gekommenen 40 Frauen und Kinder wurde Verteidigungsminister Rashid al-Alimi im Parlament angegriffen. Oppositionspolitiker und Zeitungen im Süden klagen die Regierung an, sie töte Zivilisten, um die Amerikaner zufriedenzustellen. Ein Stammesführer wurde nach den Angriffen zitiert: «Amerika sagt, es helfe dem Jemen, die Terroristen auszurotten. Aber Amerika hilft nur dabei, Unschuldige umzubringen.»

Bei einer Protestversammlung in Abyan, die vom TV-Sender al-Jazeera übertragen wurde, traten Separatisten und Al-Qaida-Führer am 22. Dezember gemeinsam auf. «Wir tragen Bomben für die Feinde Allahs», rief einer der Sprecher. Die Aufnahmen wurden von den amerikanischen Auswertern zur Grundlage der jüngsten Luftschläge gemacht.

Unterstützung aus den USA

Seit Jahren unterstützen US-Experten jemenitische Sondereinheiten. 2009 hat Washington dafür 67 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt. Heuer soll dieser Betrag verdoppelt werden. Die Entwicklungshilfe für zivile Zwecke ging dagegen von 56 Millionen Dollar im Jahr 2000 auf 25 Millionen im vorletzten Jahr zurück.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.01.2010, 06:32 Uhr

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