Jetzt kommt die Porno-Detektions-Maschine

Pornos sind in Uganda verboten. Um besser dagegen vorzugehen, kauft sich das Porno-Kontroll-Komitee nun eine «Maschine». Für viel Geld.

Will gegen Pornografie vorgehen: Simon Lokobo, Ethikminister von Uganda.

Will gegen Pornografie vorgehen: Simon Lokobo, Ethikminister von Uganda. Bild: Getty / Redpepper

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Uganda ist eines der ärmsten Länder der Welt. Noch 2012 lebte mehr als ein Drittel der Bevölkerung mit nur knapp einem Dollar pro Tag.

Auf 300'000 Ugander kommt ein Arzt. Im ganzen Land gibt es ein einziges Zentrum für Strahlentherapie.

Rund 30 Prozent aller 5- bis 14-Jährigen leisten Kinderarbeit.

Ein Viertel der Bevölkerung hat keinen Zugang zu sauberem Wasser.

Ein drängenderes Problem scheint das ugandische Parlament aber in der Sexualität seiner Bürger erkannt zu haben. Schon 2014 sorgte die einst «Tötet die Schwulen»-Vorlage für Furore, die die Todesstrafe für alle Homosexuellen im Land forderte – eine halbe Million Menschen. Die Vorlage wurde aber – zum Glück – vom Verfassungsgericht bachab geschickt.

10 Jahre Haft für Sexting

Doch jetzt kommt der nächste Coup. 2014 hat das ugandische Parlament, angeführt durch den Ethikminister, eine weitere Vorlage verabschiedet, die schon nur den Besitz von pornografischem Material – schon bei Nacktbildern – kriminalisiert. Ja, Sexting in Uganda kann mitunter 10 Jahre Gefängnis bedeuten. Wo Uganda am Ende die Grenze zieht, ist unklar. Im Gesetz wird Pornografie nämlich bereits als Material bezeichnet, das «erotisches Verhalten, das sexuelle Erregung beabsichtigt» beinhaltet.

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In Uganda ist pornografisches und erotisches Material verboten. Eine gute Idee?





Das Parlament argumentiert, Pornografie würde eine Gefahr für «Individuen, Familien und Gemeinden» darstellen. Die Pornografie trage die Schuld an sexuellen Verbrechen, dazu würden Vergewaltigungen, Kinderschändung und Inzest zählen. Die Wissenschaft kann diese Behauptung allerdings nicht unterstützen.

Dennoch stellt sich zum Beispiel auch die eher als regierungsfreundlich geltende grosse Zeitung «New Vision» auf die Seite des Gesetzes. Es sei «erwiesen, dass Leute die sozialen Medien dazu ausnützten, Nacktbilder für die Öffentlichkeit zu publizieren. So hätten sie auf einer Strandparty in Entebbe mehrere unziemliche Bilder gemacht und veröffentlicht. Bilder, die es dann bis in Zeitungen und Fernsehberichte geschafft haben sollen. Die Organisatoren der Party würden jetzt gesucht.

Der Kampf gegen Pornos kostet

Rund 87'000 Franken berappt die Regierung nun für eine «Porno-Detektions-Maschine», die aus Südkorea stammen soll, wie «New Vision» berichtet. Insgesamt verfügt das Komitee über ein Budget von knapp einer Dreiviertelmillion Franken, um dem «Laster», wie es «New Vision» schreibt, zu entgegnen.

Erklärvideo für den Paraben Porn Detection Stick.

«Die Maschine wird Pornos auf mobilen und anderen elektronischen Geräten aufspüren, kontrollieren und genau untersuchen», schreibt «New Vision» gemäss Aussagen des Ethikministers Simon Lokodo. Zu pornografischem Material gehörten Bilder, Videos und «Grafiken». Wie das genau funktionieren soll, lässt Lokodo offen. Bekannte solche «Maschinen» gibt es kaum. Zum Beispiel in Form von USB-Sticks, die eine Festplatte nach gewissen Mustern in Bildern – Farben beispielsweise – durchsuchen können. Solche Gerätschaften sind in der Regel eher für den familiären Gebrauch oder für Schulen gedacht, die ihre Computer von ungewollter Pornografie reinhalten wollen.

Staatstrojaner für Uganda?

Lokodo vertraut auf seine Technologie – er begründet sein Vertrauen mit der Erfahrung, die andere Ländern, namentlich China, Korea und Ruanda, gemacht haben sollen. Die Ersteren sind dabei durchaus für strengere Regeln im Umgang mit Pornografie bekannt, allerdings eher durch Internetsperren und Zensur, respektive dem Sperren gewisser Websites. Wie die «Maschine» tatsächlich auf jedes Gerät zugreifen können soll – ohne eine Art Staatstrojaner – ist unklar.

In den sozialen Medien haben sich indes viele Kommentatoren, selbst Leser der staatsnahen «New Vision», kritisch geäussert, Uganda habe wichtigere Probleme. Zum Beispiel die Entwässerungsanlagen in Kampala, der Ausbau der Infrastruktur: Schulen, Strassen, Spitäler. Und die eingangs erwähnten Zentren zur Heilung von Krebserkrankungen.

Trotzdem: Die «Porno-Detektions-Maschine» kommt im September, sagt Lokodo. Übrigens ein ehemaliger katholischer Priester. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.08.2016, 10:22 Uhr

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