Krieg der Meinungen – Gaza im Web

Während in Gaza Raketen einschlagen, liefern sich im Internet Sympathisanten beider Seiten heftige Wortgefechte. Der Krieg im Web ist zwar gewaltlos, aber nicht minder brutal.

Krieg in Gaza: Auf Flickr.com wird der Konflikt in Bildern dokumentiert.

Krieg in Gaza: Auf Flickr.com wird der Konflikt in Bildern dokumentiert.

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Der Konflikt im Nahen Osten ist wieder neu entflammt. Israel und die Hamas bombardieren sich gegenseitig. Auch in der virtuellen Welt eskaliert die Situation. Auf den Austausch-Portalen im Internet bekriegen sich User mit Worten, Bildern und Videos.

«Für Israelis ist die Chance grösser, im eigenen Whirlpool umzukommen als von einer palästinensischen Rakete getroffen zu werden», schreibt ein User von Flickr, der Plattform, auf dem Benutzer Bilder aller Art hochladen können. Die Zahl der neuen Bilder vom Nahost-Konflikt ist dort geradezu explodiert: Tausende Fotos zeigen Elend, Blut und Tod. Und in den Kommentaren wird für einmal nicht über Brennweite oder Beleuchtung diskutiert, sondern über Politik. Im besten Fall tauschen sich politisch engagierte User aus und liefern sich hitzige Diskussionen, im schlechtesten beschimpfen sie sich einfach nur.

«Nieder mit den Terroristen!»

In den Wortgefechten wird scharf geschossen: Beleidigende Kommentare unter der Gürtellinie sind gang und gäbe. Vergleiche mit Nazis und Genozid keine Seltenheit.

«Nieder mit den Hamas-Terroristen! Es gibt keine andere Lösung für Israel. Die Hamas hat den temporären Frieden gebrochen und überall Raketen abgefeuert, um Unschuldige in Israel zu töten.» So lautet ein Kommentar unter einem Youtube-Video. Auf der Plattform sind zum Thema tausende Videos zu finden. Darunter verwackelte Handyaufnahmen oder TV-Mitschnitte.

«Der Islam verlangt keine Terror-Attacken, doch die Menschen verüben Terror im Namen des Islams. Der Islam ruft zur Verteidigung gegen den barbarischen Feind auf», lautet ein Kommentar. Und ein Klick weiter schreibt jemand: «Ich habe eine Metapher für den Konflikt: Ein Erwachsener geht friedlich eine Strasse entlang, als ein kleiner Rotzlümmel ihn von hinten anfällt und ihm mit einer Rasierklinge kleine Schnitte in den Knöchel ritzt. Nach einer Weile hat der Erwachsene genug und verpasst dem Lümmel eine Tracht Prügel. Dieser schreit um Hilfe. So war der Konflikt zwischen Israel und Palästina schon immer.»

Die Fronten sind auch im Web verhärtet. Die Argumente wiederholen sich, der Grat zwischen Verteidigung und Unterdrückung ist schmal.

«Der Nahe Osten ist ein Zug-Wrack»

«Lorrvid ist wieder erkältet grrr Israel wie viele Menschen musst du töten, um dich sicher zu fühlen :(((((((», schreibt ein Benutzer von Twitter, dem Portal, auf dem man seinen Gemütszustand in 140 Zeichen beschreiben kann. Auch hier ist der Krieg im Nahen Osten eines der Top-Themen. «Der Nahe Osten ist ein Zug-Wrack auf dem Weg zu einem Flugzeugabsturz», heisst es etwa. Und woanders: «Gesegnet seid ihr, die ihr eure Komfort-Zone verlassen und einen Twitter-Account gestartet habt, nur um Israel zu verteidigen.»

Neben allen Provokationen und Anfeindungen finden sich im Web aber auch Worte der Anteilnahme, Stimmen des Entsetzens, Gebete und – immer wieder – der Wunsch nach Frieden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 30.12.2008, 14:50 Uhr)

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