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Massendemonstrationen im Iran von massiver Gewalt überschattet

Das Land am Persischen Golf erlebt die grössten Demonstrationen seit 1979, dem Jahr der Islamischen Revolution. Am Dienstag könnte sich die Lage zuspitzen.

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Zornige Massen, intransparentes Verhalten der Schattenregierung: Die Lage im Iran ist mehr als gespannt.
Bild: Keystone

   

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Schüsse fallen an Demonstration (Channel 4)

Bei den Massenprotesten in Teheran sollen am Montag mindestens zwei Demonstranten durch Schüsse verletzt worden sein. Das berichteten Fotografen, die nach eigenen Angaben Bilder der Verletzten vorlegen können.

Die Nachrichtenagenturen Reuters und AFP berichteten, ein Demonstrant sei erschossen worden. Zum tödlichen Schuss sei es gekommen, als aus der Menge heraus ein Gebäude der radikalen Islamischen Basidsch Milizen angegriffen worden sei. Diese hätten darauf geschossen. Viele Menschen seien verletzt worden.

Schüsse in Quartieren

Anwohner berichteten, nach Einbruch der Dunkelheit seien in drei Quartieren der Hauptstadt wiederholt Schüsse zu hören gewesen. Auch der staatliche iranische Sender Press-TV berichtete von Schüssen während der Demonstration.

Erneut kam es gemäss Augenzeugen zu Schlägereien zwischen Anhängern von Präsident Mahmoud Ahmadinejad und der Opposition. Anhänger Ahmadinejads hätten wieder von Motorrädern aus mit Stöcken auf ihre Gegner eingeschlagen. Auf Fernsehbildern war zudem ein ausgebranntes Fahrzeug auf dem Gelände der Universität zu sehen. Eine gegenüberliegende Bank war ausgebrannt.

Grösste Demonstration seit der Revolution

Das Innenministerium hatte die Demonstration verboten und massenhaft Polizisten in der Innenstadt stationiert. Dennoch versammelten sich Hunderttausende im Zentrum zur grössten Protestkundgebung seit 30 Jahren. Teilnehmer sprachen sogar von einer Million. Nur 1979, im Jahr der Islamischen Revolution, hatte es ähnliche Massenkundgebungen in Teheran gegeben.

Oppositionskandidat Mir Hossein Moussavi trat dabei am Montag erstmals seit den Wahlen vom Freitag öffentlich auf. Er forderte Neuwahlen und rief seinen Anhängern zu, er sei bereit, dabei anzutreten. Er warf Ahmadinejad und dem Innenministerium erneut Wahlbetrug vor. Moussavi rief seine Anhänger zugleich zur Mässigung auf.

Khamenei ordnet Überprüfung an

Ajatollah Ali Khamenei, oberster Führer des Irans und geistliches Oberhaupt, wies den Wächterrat an, die Wahlen zu überprüfen, wie der Nachrichtensender Chabar berichtete. Khamenei wollte auch als Hauptredner beim Freitagsgebet in der Teheraner Universität auftreten, was sonst nur in aussergewöhnlichen Situationen geschieht.

Ahmadinejad hatte offiziell bei der Präsidentschaftswahl fast 63 Prozent der Stimmen erhalten, Moussavi knapp 34 Prozent. «Ihr könnt uns um ein oder zwei Prozent betrügen, aber nicht um 53 Prozent», riefen Demonstranten, die auch den «Tod des Diktators» forderten.

Ahmadinejad hatte die Demonstranten am Samstag als einen Haufen von Hooligans bezeichnet, die eine Niederlage nicht verkrafteten. Allerdings sagte Präsident kurzfristig eine für Dienstag geplante Reise nach Russland ab.

Internationale Aufrufe

Nach der Bekanntgabe der Wahlergebnisse hatte es am Samstag die schwersten Krawalle seit den Studentenprotesten vor zehn Jahren gegeben. Binnen 48 Stunden sollen rund 170 Demonstranten festgenommen worden sein. Auch am Sonntag war es zu Ausschreitungen gekommen. Für Dienstag sind erneut Massenkundgebungen angesagt. Die Lage in der Hauptstadt könnte sich zuspitzen.

Die Berichte lösten Besorgnis aus. «Das grundlegende Recht der Menschen, friedlich ihre Meinung auszudrücken, muss respektiert werden», sagte ein Sprecher des US-Aussenministeriums. Ähnlich äusserte sich UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon. Die EU sowie Berlin und Paris forderten den Iran auf, den Vorwurf der Wahlfälschung aufzuklären. (cpm/sda/)

Erstellt: 16.06.2009, 08:22 Uhr

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