Nelson Mandela ist tot

Der 95-jährige Anti-Apartheid-Kämpfer Nelson Mandela ist in Südafrika gestorben. Er hatte sich nach einer Lungenentzündung im Juni nie mehr richtig erholt.

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Der südafrikanische Nationalheld Nelson Mandela ist tot. Der 95-Jährige sei am Donnerstag gestorben, sagte Südafrikas Präsident Jacob Zuma in Johannesburg in einer landesweit übertragenen Fernsehansprache. «Unsere Nation hat ihren grössten Sohn verloren», betonte Zuma.

Der Begründer des demokratischen Südafrikas sei friedlich im Kreise seiner Familie dahingeschieden, sagte Zuma, ganz in Schwarz gekleidet, mit bedrückter Stimme. Dies sei ein Moment «tiefster Trauer» für alle Südafrikaner. «Nelson Mandela brachte uns zusammen und zusammen nehmen wir Abschied von ihm», sagte Zuma.

Staatsbegräbnis angekündigt

Mandelas unermüdlicher Kampf für Freiheit habe dem Friedensnobelpreisträger den Respekt der ganzen Welt eingebracht. Er starb um 20.50 Uhr Ortszeit (19.50 Uhr Schweizer Zeit) in seinem Haus in Johannesburg.

Südafrikas Fernseh- und Radiosender sendeten ab Donnerstagabend nur noch Trauermusik. Zuma kündigte ein Staatsbegräbnis an und ordnete an, alle Flaggen im Land bis zum Tag der Beerdigung Mandelas auf halbmast zu hissen. Nun sollten sich alle Südafrikaner an die Werte erinnern, für die Madiba, so sein Clanname, stand.

«Lasst uns zu seiner Vision stehen, die eine Gesellschaft war, in der niemand ausgebeutet und unterdrückt wird.» Der Präsident pries die Vision Mandelas von einem einigen, nicht-rassistischen, nicht-sexistischen, demokratischen und blühenden Südafrika.

Der Friedensnobelpreisträger, der wegen seines Kampfes gegen das rassistische Apartheid-Regime 27 Jahre im Gefängnis war, galt weltweit als Symbolfigur für Freiheit und Humanität. US-Präsident Barack Obama nannte den verstorbenen Friedensnobelpreisträger ein grosses Vorbild. UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon bezeichnete Mandela als «Giganten für die Gerechtigkeit».

Seit Monaten schwer krank

Mandela ebnete den Weg zur Aussöhnung von Schwarzen und Weissen in seinem Heimatland und wurde dafür 1993 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. 1994 wurde er erster Präsident des demokratischen Südafrika und blieb bis 1999 in diesem Amt.

Mandela war im Sommer wegen einer schweren Lungenentzündung im Medi-Clinic-Heart-Spital in der südafrikanischen Hauptstadt behandelt worden. Seine letzten Wochen hatte der Friedensnobelpreisträger im Kreis seiner Familie verbracht.

Er soll in seinem Heimatort Qunu im Südosten des Landes beigesetzt werden. Zur Beisetzung, die vermutlich in etwa fünf bis sieben Tagen stattfindet, werden zahlreiche Staats- und Regierungschefs aus aller Welt erwartet.

Immer wieder im Spital

Der greise ehemalige Präsident war innerhalb von sechs Monaten viermal im Spital behandelt worden. Im Dezember 2012 unterzog er sich einer Gallensteinoperation. Anschliessend erlitt Mandela eine Infektion der Atemwege. Im April musste er wegen einer Lungenentzündung zehn Tage ins Spital.

Nach der erneuten Einlieferung in die Klinik Anfang Juni berichtete das Präsidialamt mehrfach von lebensbedrohlichen Krisen. Zeitweise soll der 95-Jährige künstlich beatmet worden sein und wegen Nierenversagens Dialysen bekommen haben. Die Ärzte hätten der Familie angeboten, über die Abschaltung der lebenserhaltenden Geräte zu entscheiden, meldete die Zeitung «The Citizen».

Letzter öffentlicher Auftritt von drei Jahren

Der zunehmend gebrechliche Nationalheld hatte sich seit vielen Jahren öffentlich nicht mehr geäussert. Sein letzter öffentlicher Auftritt war bei der Schlussfeier der Fussballweltmeisterschaft im Juli 2010 in Johannesburg. Mandela galt als das Gesicht der WM 2010 in Südafrika

Als Zeichen der Trauer werden die Fahnen der 209 Mitgliedsverbände in der Fifa-Zentrale in Zürich auf halbmast gesetzt und bei den nächsten internationalen Spielen eine Schweigeminute eingelegt. (sda/AFP/mw)

(Erstellt: 05.12.2013, 22:45 Uhr)

(Video: Reuters )

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