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Piraterie verteuert weltweit die Waren

Von Christine D’Anna-Huber. Aktualisiert am 20.11.2008 7 Kommentare

Die immer dreisteren Angriffe der Piraten treffen einen empfindlichen Nerv der Weltwirtschaft. Sie verteuern die Waren auch bei uns.

Ein Handelsschiff aus Hongkong mit 36'000 Tonnen Weizen für Iran an Bord. Ein thailändischer Fischtrawler mit 12 Mann Besatzung. Und möglicherweise auch ein griechisches Schiff: Wenige Stunden nach ihrem bisher kapitalsten Beutezug - einem Supertanker, der so lang ist wie drei Fussballfelder und so hoch wie das 77-stöckige Chrysler-Building in Chicago - haben die somalischen Freibeuter am Dienstag erneut zugeschlagen.

Am helllichten Tag und mitten in der von internationalen Marineverbänden patrouillierten Zone des Golfs von Aden. Dort führt - via Suezkanal, der das Rote Meer mit dem Mittelmeer verbindet - eine der meistbefahrenen Handelsstrassen der Welt durch. 11 Prozent des weltweit verschifften Rohöls und ein Grossteil der Waren aus Asien gelangen über die Suez-Route nach Europa und die USA. Denn sie ist um einiges kürzer und damit billiger als die Umrundung von ganz Afrika.

Versicherungsprämien verzehnfacht

Dass die Gewässer vor der somalischen Küste wegen der ständigen Überfälle inzwischen als die weltweit gefährlichsten gelten, wird deshalb jetzt auch zu einem kommerziellen Problem. Bereits sind die Versicherungsprämien auf der Suez-Strecke um das Zehnfache gestiegen, wie die Denkfabrik Chatham House berichtet. Kosten für zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen kommen dazu. Verschiedene internationale Reeder rufen nach militärischer Intervention und der Einrichtung eines von Kriegsschiffen überwachten Schutzkorridors. Andere kehren den gefährlichen Gewässern vor der somalischen Küste den Rücken und wählen die längere und kostspieligere Route um das Kap der Guten Hoffnung.

Die norwegische Chemietanker-Reederei Odfjell SE beispielsweise will in Zukunft den Suezkanal meiden. Frontline Ltd., Betreiber der weltgrössten Öltankerflotte, trägt sich mit demselben Gedanken. Solche Entscheide treffen nicht nur Ägypten hart, zu dessen wichtigsten Devisenbringern die staatliche Suezkanal-Gesellschaft bisher zählte. Sie werden sich - mitten in einer Finanzkrise, die bereits zu einer Abnahme der globalen Handelsströme geführt hat - auch auf die Warenpreise auswirken. Die Nachricht von der Kaperung des saudiarabischen Supertankers etwa liess am Montag den Ölpreis vorübergehend um mehr als ein Prozent steigen: Die Ladung der Sirius Star entspricht einem Viertel der täglichen Exportmenge Saudiarabiens.

Inder versenken «Mutterschiff»

Doch nicht nur die Piraten konnten am Mittwoch Erfolge verbuchen. Während eines schweren Feuergefechts hat die indische Fregatte INS Tabar im Golf von Aden ein sogenanntes Mutterschiff versenkt. Für die Piraten ist es ein empfindlicher Schlag. Die Mutterschiffe dienen als strategische Versorgungs- und Ausgangsbasis für die Beutezüge. Auch die deutsche Fregatte Karlsruhe meldete die erfolgreiche Abwehr zweier Piratenangriffe.

Der am Dienstag gekaperte Supertanker hat derweil das Festland angesteuert und ankert vor Harardhere, einem Schlupfwinkel der Piraten an der somalischen Küste. Saudiarabien schliesst, mit Blick auf die Besatzung und die Gefahr einer Ölverseuchung, einen militärischen Befreiungsschlag aus. Vielmehr laufen zwischen dem Besitzer des Schiffes und den Piraten Lösegeldverhandlungen. Um welche Summe es geht, wurde nicht bekannt. Dafür haben die Anrainerstaaten des Roten Meeres für heute Donnerstag eine dringliche Anti-Piraten-Konferenz in Kairo einberufen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.11.2008, 07:49 Uhr

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7 Kommentare

P M

20.11.2008, 08:26 Uhr
Melden

Ich finde es bedenklich, dass man mit ein paar Piraten nicht fertig wird - ich dachte, man hätte Kriegsschiffe in der Region? Antworten


O S

20.11.2008, 13:01 Uhr
Melden

Mit den bisher anwesenden Kriegsschiffen kann man offensichtlich nicht verhindern, dass Piraten Geiseln nehmen. Jedes Frachtschiff braucht ein Begleitboot mit Bewaffnung. Dies wird die Transportkosten weiter verteuern. Es gibt zuviele Menschen, die nichts zu verlieren haben. Antworten



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