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Holocaust-Überlebende hungert vor Kameras – aus Protest gegen Israel

Die 85-jährige Hedy Epstein protestiert seit Jahren gegen die israelische Besatzung in Gaza – und erntet dafür nicht nur Bewunderung.

1/5 Hedy Epstein hungert, bis Kairo die Grenzen nach Gaza öffnet. Die öffentlichkeitswirksame Aktion schaffte es in Medien rund um den Globus.
Bild: Keystone

   

Am 28. Dezember hörte Hedy Epstein auf zu essen. Zwei Tage später öffnete Kairo die Grenze zum Gazastreifen, und Epstein zog mit rund 100 Helfern aus aller Welt in die Besatzungszone, um Spielzeuge zu verteilen und Gespräche zu führen. Sie tat es nach eigenen Aussagen mit leerem Magen – erst am 1. Januar begann Epstein wieder zu essen.

Sie wurde zur Heldin der Gaza-Befreiungsbewegung. Nicht nur, weil die Amerikanerin 85 Jahre alt ist. Sie hat eine Biografie, die ihr Glaubwürdigkeit verleiht: Hedy Epstein hat den Holocaust überlebt. Ihre Mutter, ihr Vater, ihre gesamte Familie starb, Epstein entkam als Neunjährige nach London. Dass sie jetzt gegen die Politik des Staates Israel protestiert, bewegt: «New York Times», «Tageszeitung», «Agence France Presse», «Financial Times Deutschland», Tagesanzeiger.ch/Newsnet – alle schreiben über Epsteins Engagement. Im Gepäck in Kairo, so weiss man inzwischen rund um den Globus, hatte sie Farbstifte für die Kinder in Gaza.

«Eine altbewährte jüdische Methode»

Die Medienwirksamkeit der 85-Jährigen sorgt auch für Spott. Einen «Public-Relations-Schachzug» nennt die «Jerusalem Post» Epsteins Auftritte. «Hier ist eine altbewährte und wirksame jüdische Methode, um in Europa sofortige Medienaufmerksamkeit zu gewinnen: Schreie trendige Anti-Israel-Sprüche, die den jüdischen Staat mit Nazideutschland und dem Apartheidsregime vergleichen, und streiche gleichzeitig die eigene Vergangenheit als Holocaust-Überlebende heraus», stellt die Zeitung fest.

Trotzdem: Der Einsatz dieser alten Frau beeindruckt viele. Sie protestiert nicht nur am Gaza Freedom March, der von manchen Kritikern als Selbstverwirklichungsaktion westlicher Ideologen belächelt wird. Seit den 1950er-Jahren vertritt sie in einer Rechtsanwaltskanzlei in den USA Mandanten, die wegen Rassendiskriminierung oder Ausgrenzung klagen; seit den 1970ern betreut sie Vietnam-Deserteure.

Übersetzerin bei den Nürnberger Prozessen

Noch heute betreibt Epstein eine eigene Webseite. Sie bietet Reden zu vier Gebieten an: Zu ihrer Erfahrung mit dem Holocaust, ihre fünf Reisen in das Westjordanland, über die Verarbeitung des Tods ihrer Eltern und über ihre Arbeit bei den Nürnberger Prozessen. Dort übersetzte Hedy zwischen den englischsprachigen Anklägern und den angeklagten Deutschen. Sie war 21 Jahre alt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.01.2010, 14:44 Uhr

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