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Kairo: 200 Verletzte bei anti-amerikanischen Protesten
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Nach dem tödlichen Angriff auf das US-Konsulat in Benghazi haben sich die anti-amerikanischen Proteste auf andere muslimische Länder ausgeweitet. Im Jemen wurden bei Protesten vor der US-Botschaft gegen einen anti-muslimischen Film vier Demonstranten getötet.
In der Hauptstadt Sanaa stürmten Demonstranten das Gelände der US-Botschaft. Polizisten und Sicherheitskräfte drängten sie zunächst mit Wasserwerfern zurück. Gemäss Demonstranten schoss die Polizei beim zweiten Versuch. Die Polizei erklärte, sie habe nur Tränengas eingesetzt. Gemäss den Behörden wurden vier Demonstranten getötet; 34 wurden verletzt.
Proteste vor Schweizer Botschaft
In Teheran zogen rund 500 Menschen vor die Schweizer Botschaft, die im Iran die US-Interessen vertritt. Demonstrationen gab es auch im Irak, in Israel, dem palästinensischen Gazastreifen, in Marokko, Tunesien, dem Sudan und in Bangladesh. In vielen Ländern werden nach dem Freitagsgebet weitere Proteste gegen den US-Film erwartet, in dem der Prophet Mohammed verunglimpft wird.
«Allein die Nachricht über die Existenz eines solchen Filmes (...) reicht aus, Leute in Wut zu versetzen», sagte der Nahostexperte Guido Steinberg von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik. Eine Ursache sei der Eindruck vieler Muslime, der Westen führe «schon seit Jahrzehnten einen religiösen, einen kulturellen Angriff auf sie» und ihre Identität.
Strassenschlachten in Kairo
Die Proteste hatten am Dienstag in Kairo begonnen. Heute lieferten sich dort Demonstranten und Polizisten vor der US- Botschaft blutige Strassenschlachten. Gemäss Spitalärzten wurden über 200 Menschen verletzt.
Ägyptens Präsident Mohammed Mursi versuchte die Wogen zu glätten. Er verurteilte die Gewalt, forderte die USA aber zu «ernsthaften Schritten» gegen den Film auf.
«Wir sind gegen jede Handlung, mit der der Islam und der Prophet Mohammed beleidigt werden soll und wir sind gegen die Beleidigung jeder Religion», sagte er. Solche Filme könnten jedoch «nicht als Rechtfertigung für Angriffe auf Konsulate oder Botschaften» oder für die Tötung Unschuldiger dienen. .
USA und Israel verurteilen Film und Gewalt
US-Aussenministerin Hillary Clinton verurteilte den Film als «abscheulich und verwerflich». Die US-Regierung habe «absolut nichts» damit zu tun. Da in den USA Meinungsfreiheit herrsche, sei es für die Regierung «unmöglich», solche Filme zu verhindern. Jedoch sei auch die dadurch ausgelöste Gewalt nicht hinzunehmen.
Israel dementierte Berichte, wonach das Schmäh-Video von Israeli oder Juden produziert wurde. «Der Film hat nichts mit Israel zu tun. Zu den Leuten, die ihn hergestellt haben, gehören weder Israelis noch Juden», sagte ein Sprecher des Aussenministeriums. «Der Inhalt des Films ist unter aller Kritik. Der Film ist abscheulich.»
Der oberste türkische Religionswächter, Mehmet Görmez, verurteilte den Angriff auf die Diplomaten scharf. Mit dem Islam könne dies nicht erklärt werden, sagte er. Allerdings sei der Film auch kein Beispiel für Meinungsfreiheit.
Verdächtige in Bengasi festgenommen
Bei Protesten war am Dienstag, dem Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001, auch das US-Konsulat in Bengasi attackiert worden. Vier US-Diplomaten und mehrere libysche Sicherheitskräfte wurden getötet.
Die US-Geheimdienste verfolgen inzwischen Hinweise, wonach es sich um einen Terroranschlag gehandelt hat. Dies sagte der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus, Mike Rogers. Die US-Bundespolizei FBI nahm Ermittlungen auf. Ein Sprecher des Weissen Hauses sagte aber, es sei noch zu früh für ein klares Urteil. Wegen der Anschläge brach US-Justizminister Eric Holder seine Nahostreise ab, um persönlich die Untersuchung zu leiten.
In Bengasi wurden vier Verdächtige festgenommen. Die Männer würden befragt, sagte Vize-Innenminister Wanis al-Scharef. Gemäss Scharef war der Angriff eine durchgeplante Aktion schwer bewaffneter Extremisten.
Es habe sich um zwei zeitlich abgestimmte Angriffe auf das Konsulat und eine vermeintlich geheim gehaltene Sicherheitsunterkunft gehandelt, in die sich das Personal bei Angriffen hätte zurückziehen sollen. (wid/mrs/AFP/dapd)
Erstellt: 13.09.2012, 11:54 Uhr
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