Die Islamisten schlagen zurück

Die malische Stadt Gao gilt als von Islamisten befreit. Nun haben die Rebellen aber in einem überraschenden Angriff zurückgeschlagen. Der Zwischenfall zeigt, wie instabil die Lage in Mali tatsächlich ist.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In der Nähe der nordmalischen Stadt Gao gab es laut Medienberichten heute Montag eine Explosion. Einzelheiten wurden noch nicht bekannt. Am Freitag und Samstag hatten sich zwei Selbstmordattentäter in Gao in die Luft gesprengt. Ziel waren malische Soldaten. Jedoch wurde ausser den Angreifern selbst niemand getötet.

In der Stadt selbst kehrte nach schweren Gefechten zwischen Rebellen und der Armee wieder Ruhe ein. Französische Truppen hatten die malischen Streitkräfte gestern unterstützt. Laut Augenzeugen waren etwa zehn bis zwölf Islamisten an den mehrstündigen Kämpfen im Stadtzentrum beteiligt. Seit gestern Abend war die Stadt weitgehend wieder unter Kontrolle, berichtete Radio Mali.

Überraschender Angriff

Islamistische Rebellen haben gestern einen überraschenden Angriff auf die grösste nordmalische Stadt Gao gestartet und sich über Stunden heftige Gefechte mit der malischen Armee geliefert. Am Abend griff die französische Armee mit Hubschraubern in die Kämpfe ein, wie Augenzeugen berichteten.

Einwohner suchten Schutz in den aus Lehm gebauten Häusern der Stadt, während die schwarz gekleideten islamistischen Kämpfer in den Strassen und auf Dächern Position bezogen. Sie werden der «Bewegung für Einheit und Jihad in Westafrika» (Mujao) zugerechnet. Berichte über zivile Opfer lagen zunächst nicht vor.

Mit Booten waren die Rebellen ins Zentrum der am Niger liegenden 90'000-Einwohner-Stadt vorgestossen, wie malische Behörden unter Berufung auf das französische Militär mitteilten. Gao war bereits vor zwei Wochen von französischen Truppen erobert worden; diese waren daraufhin weiter in den Norden vorgerückt. Seither hatte es lediglich in den Aussenbezirken von Gao Gefechte zwischen der malischen Armee und Rebellen gegeben, nicht aber im Zentrum der Stadt.

Zwei Selbstmordattentate in zwei Tagen

Der Angriff zeigt, dass die islamistischen Kämpfer entschlossen und ausdauernd sind und dass es für Frankreich und seine Alliierten schwierig werden dürfte, die Kontrolle über die riesigen Wüstengebiete im Norden Malis zurückzugewinnen.

Neuerdings setzen die islamistischen Kämpfer auch auf Selbstmordattentate: Wie das malische Militär mitteilte, sprengte sich am Samstag ein Mann an einem Kontrollpunkt bei Gao mit einem Sprengstoffgürtel in die Luft. Er selbst starb bei dem Attentat, ein malischer Soldat wurde verletzt. An derselben Stelle hatte es bereits am Freitagmorgen einen Selbstmordanschlag gegeben. Dabei war nur der Attentäter getötet worden.

Es waren die ersten derartigen Zwischenfälle seit Beginn der französischen Militärintervention zur Vertreibung von Islamisten aus Nordmali vor einem Monat. Nun wächst die Sorge, dass die zum Rückzug gezwungenen Islamisten neue Unruhe stiften könnten. (fko/sda)

(Erstellt: 11.02.2013, 10:39 Uhr)

Bildstrecke

Frankreichs Bodentruppe und Luftwaffe in Mali

Frankreichs Bodentruppe und Luftwaffe in Mali 800 französische Soldaten sind zurzeit in Mali im Einsatz. Sie kämpfen in der Luft und am Boden gegen die Islamisten im Land.

Artikel zum Thema

Internationale Haftbefehle gegen malische Islamisten

Nach den militärischen Erfolgen gegen die Islamisten im Norden Malis geht auch die Justiz des Landes gegen die Rebellen vor. Derweil sind erste Ausbildner der EU in der Konfliktregion eingetroffen. Mehr...

Das Leben neben dem Krieg

Was tut die Bevölkerung, während sich Soldaten und Rebellen bekämpfen? Momentaufnahmen aus Mali. Mehr...

Frankreich will sich ab März aus Mali zurückziehen

Durch Angriffe der französischen Luftwaffe wurden in Mali «mehrere Hundert Islamisten» getötet. Ab nächstem Monat könnte die Zahl der Soldaten im afrikanischen Land verringert werden. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Die Welt in Bildern

Chlaus Ahoi: Mit Weihnachtskostümen verkleidete Gondoliere fahren in Venedig durch die Kanäle. (20. Dezember 2014)
(Bild: Manuel Silvestri) Mehr...