Ausland
«Schulpflicht läuft auf Massenverdummung hinaus»
Von Astrid Frefel. Aktualisiert am 02.09.2009 23 Kommentare
Moammar al-Qadhafis Gedankenwelt ist geprägt von seiner Herkunft: der Stammeswelt der libyschen Wüste. Er stammt aus einfachen Verhältnissen. 1942 kam er als jüngster Sohn einer Bauernfamilie, die in der Nähe der Stadt Sirte lebte, zur Welt. Dort hat er auch heute noch sein Beduinenzelt aufgestellt, in dem er ausländische Gäste empfängt. Wie das damals auf dem Land üblich war, besuchte er eine religiöse Primarschule und danach einige Jahre die Sekundarschule. Dann folgte auch schon die Militärakademie mit kurzen Ausbildungsaufenthalten in England. Bereits mit 27 führte er einen unblutigen Putsch an, seither regiert er Libyen. Nicht zu beneiden sind seine Übersetzer, die oft Mühe haben, aus seinen falschen Bildern, unvollständigen Sätzen und verworrenen Gedankengängen einen Sinn zu zimmern. Das gilt auch für die Tirade, die Qadhafi im Juli gegen die Schweiz abfeuerte: Am G-8-Gipfel im italienischen L'Aquila soll er unser Land vor arabischen Diplomaten als «Sponsor des internationalen Terrorismus» bezeichnet haben, «als Verbrecherkartell», das es zu zerschlagen gelte. (afr)
Oberst Qadhafi über... ...Demokratie
«Die tyrannischsten Diktaturen, die die Welt gekannt hat, existierten im Schatten der Parlamente.»
«Die Tyrannei eines Einzelnen ist die schändlichste aller Tyranneien, doch der Despot ist ein Einzelner, den die Gemeinschaft beseitigen kann, ja, sogar ein unbedeutendes Individuum kann ihn, womit auch immer, beseitigen. Die Tyrannei der Massen dagegen ist die brutalste Art von Tyrannei, denn wer kann sich allein gegen den reissenden Strom, gegen die blinde, umfassende Macht stellen?»
«Der Bürger behandelt Wahlzettel wie ein Stück Toilettenpapier, das er, nachdem er es benutzt hat, in den Papierkorb oder den Müll wirft. Es ist egal, in welchen Behälter er dieses Papier wirft, sei es der Mülleimer oder die Wahlurne. Einige gehen so hin, als ob sie zum Markt oder für einen Spaziergang an den Strand gingen. (. . .) Die Mehrheit weiss das jetzt, und sie gehen nicht.»
«Es gibt auf der ganzen Welt keinen Staat mit einer Demokratie ausser Libyen.»
...Frauen und Männer
«Es ist heute wohl unbestritten, dass Mann und Frau menschliche Wesen sind. (. . .) Die Frau ist weiblichen Geschlechts, der Mann männlichen. (. . .) Von der gynäkologischen Betrachtungsweise aus, menstruiert die Frau in jedem Monat, während der Mann nicht durch die monatliche Regelblutung gekennzeichnet ist.»
«Für die arabische Welt ist die Frau wie ein Möbelstück, das man verrücken kann, wenn man möchte, und niemand wird jemals fragen, warum man das gemacht hat.»
«Die modernen Industriegesellschaften sind unzivilisiert. Denn sie veranlassen Frauen, körperliche Arbeiten – auf Kosten ihrer Weiblichkeit – zu übernehmen und die natürlichen, von Schönheit, Mutterschaft und Seelenfrieden geprägten Rollen aufzugeben.»
...Schule
«Dieser Unterrichtstyp, der heute in der ganzen Welt vorherrscht, widerspricht der menschlichen Freiheit. (. . .) Den Menschen zu zwingen, nach einem vorgefertigten Lehrplan zu lernen, ist ein diktatorischer Akt. Ebenso ist es Diktatur, dem Menschen bestimmte Fächer aufzuzwingen. Schulpflicht verbunden mit vorgefertigten Lehrstoffen läuft auf eine gewaltsame Massenverdummung hinaus.»
...Stadt und Land
«Das Dorf ist ruhig, sauber und homogen.»
«Seit alten Zeiten – und jetzt erst recht – ist die Stadt ein Albtraum des Lebens und keine Freude, wie man meint. (. . .) Die Stadt ist ein rein «biologisches» wurmartiges Gebilde, in dem der Mensch lebt und stirbt ohne Sinn, ohne Vision, ohne Überlegung. Im Leben wie im Tode befindet er sich in einem Grab.»
...Sklaverei
«Es ist die natürlichste Sache der Welt für die Menschen, zu wandern und ihren Lebensunterhalt auf der ganzen Welt zu suchen. (. . .) Millionen der schwarzen Bevölkerung wurden aus Afrika nach Europa und Amerika verschleppt. Warum werden sie jetzt darin gehindert, wenn sie nun selbst aus freiem Willen gehen wollen? Das ist ein klarer Fall von Doppelmoral. Als sie als Sklaven missbraucht wurden, als Lasttiere, sagte niemand, sie müssten respektiert werden und in ihren eigenen Kontinent verbleiben.»
...Imperialismus
«Das koloniale Zeitalter hat die Reichtümer Afrikas geplündert. Die Goldminen wurden abgebaut und als klaffende Löcher im Boden zurückgelassen. Diamanten, Kupfer, Eisenerz, Kobalt, Mangan und Phosphat wurden in die alten Kolonialmächte verbracht. Nachdem sie ihre sogenannte Unabhängigkeit erlangten, wollten die Bürger der vormaligen Kolonien ihre Länder aufbauen. Sie entdeckten, dass ihre Reichtümer geplündert waren, und sie glaubten, sie müssten diesen Diebstahl der Reichtümer verfolgen. (. . .) Sie können diese Reichtümer nicht zu ihren Ländern zurückbringen, also gehen sie und arbeiten in den Fabriken, die mit diesen Reichtümern aufgebaut wurden. Sie fühlen, dass die Strassennetze, die Bewässerungssysteme und die Bahnlinien, die durch Europa und Amerika gehen, die Früchte der Arbeit ihrer Vorväter und des geraubten Reichtums Afrikas sind. Sie fühlen, sie haben Anspruch auf ein Stück vom Kuchen.»
...Prinzessin Diana
«Die ganze Welt weiss, dass es ein vorsätzlicher Mord war. Da gibt es genug Beweise.»
...die Nation
«Der soziale, d. h. der nationale Faktor ist die treibende Kraft in der Geschichte der Menschheit. Die soziale Bindung, die jede menschliche Gruppe – angefangen von der Familie über den Stamm bis hin zur Nation – zusammenhält, ist die Grundlage geschichtlicher Bewegung.»
«Der Nationalismus in der Welt des Menschen und der Gruppeninstinkt in der Tierwelt sind wie die Anziehungskraft im Reich der Mineralien und Himmelskörper. Würde man die Masse der Sonne zerstören und damit ihre Anziehungskraft ausschalten, würden ihre Gase weggeblasen werden, und ihre Einheit würde aufhören zu existieren. Demzufolge ist die Einheit die Basis für ihr Überleben. Der Faktor der Einheit ist ein gesellschaftlicher Faktor, wie im Nationalismus. Aus diesem Grunde kämpft eine Gruppe für ihre Einheit, da ihr Überleben davon abhängt. Genauso die Nation.»
...Sport
«Beim Sport ist es wie beim Beten, Essen und dem Gefühl der Wärme oder Kälte. Es ist unsinnig, dass eine Menge von Menschen ein Restaurant betritt, nur um Einzelnen oder Gruppen von Menschen beim Essen zuzusehen. Es ist dumm, wenn Menschen ihr Bedürfnis nach Wärme und frischer Luft an Einzelne oder Gruppen von Stellvertretern delegieren. In gleicher Weise ist es unlogisch, dass eine Gesellschaft es Einzelnen oder Mannschaften gestattet, den Sport zu monopolisieren.»
...Terrorismus
«Gibt es einen Unterschied zwischen dem amerikanischen Angriff auf unsere Häuser 1986 und dem Terror von Bin Laden? Immerhin hat Bin Laden keinen Staat und ist ein Gesetzloser, während die USA ein Staat mit internationalen Regeln sind.»
...Israel
«Israel steckt hinter allen Konflikten in Afrika.»
«Die Israeli sind Idioten, und die Palästinenser sind Idioten.»
...Qadhafi
«Die richtige Haltung ist die Konfrontation.»
Quellen: Qadhafi, Das Grüne Buch, 1976/79. Qadhafi, Das Dorf, das Dorf, die Erde, die Erde und der Selbstmord des Astronauten, 1993. BBC, 4. 12. 1998. Peter Köhler, Die schönsten Zitate der Politiker, 2005. Rede an einem Treffen mit Schriftstellern, 2005. News 24, 23. 3. 2005. Rede vor der Ministerkonferenz der Afrikanischen Union und der EU, 2006. Rede an der Columbia-Universität in New York, 23. 3. 2008. Rede vor Frauen in Rom, 12. 6. 2009. Rede am G-8-Gipfel in L'Aquila. Sondergipfel der Afrikanischen Union, 31. 8. 2008.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 02.09.2009, 22:24 Uhr
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23 Kommentare
Es ist schon erstaunlich, dass Herr Qadhafi den Unterschied zwischen Mann und Frau in einer ganz einfachen Form erkennt. Bravo! Doch was wichtig wäre ist, dass sie sich nicht andauernd wiedersprechen apropo arbeitenden Frauen - Leibgarde - denn sie veranlassen Frauen, körperliche Arbeiten – auf Kosten ihrer was – zu übernehmen? Sie lenken mit diesen Aussagen von ihrem terrotistischen Tun ab! Antworten
@Ralph Treier - Ja wir leben in einer Welt voller Hass . Sagen Sie mir wo liegt der Unterschied wenn ein US-Krigsschiff ein iranisches Zivil-Flugzeug mit hunderten von Pilgern abschiesst und dem Attentat von Lockerbie?? Der Unterschied liegt offensichtlich darin dass mit unserer scheinheiligen Doppelmoral mit zwei Ellen messen. Sind nicht beide Fälle gleich verwerflich? Wo sind die Schurken wo? Antworten
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Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
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