«Sie brachten dem iranischen Volk nur Elend»
«Es hat uns Angst gemacht, war aber nach 14 Monaten vorbei»: John Limbert.
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Das Geiseldrama in Teheran, das am 4. November 1979 begann und erst 444 Tage später ein Ende fand, war eine Demütigung für die USA. Und es veränderte die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran. Die Spannungen zwischen Washington und Teheran dauern bis heute an. Zum 30. Jahrestag haben sich in einem Beitrag des US-Senders CNN Zeitzeugen zu den dramatischen Ereignissen in der amerikanischen Botschaft in Teheran geäussert.
Einer der Studenten, die die 52 Amerikaner als Geisel nahmen, ist Ebrahim Asgharzadeh. «Ich bin nicht bereit, eine Geisel dieses historischen Ereignisses zu sein», sagt der Parlamentarier, der den Reformisten angehört und zwischenzeitlich sogar im Gefängnis sass. Sowohl der Iran als auch die USA müssten die andauernden Spannungen wegen des Geiseldramas überwinden, sonst werde es nicht gelingen, die bilateralen Beziehungen zu normalisieren.
Der damalige Geiselnehmer Asgharzadeh vergleicht die Aktion der iranischen Studenten mit den amerikanischen Studentenprotesten gegen den Vietnam-Krieg. «Die USA sollten den Schah, der in einer amerikanischen Klinik behandelt wurde, nach Iran ausliefern», sagt Asgharzadeh weiter. US-Präsident Jimmy Carter habe sich geweigert, den Schah auszuliefern. «Dies hat uns empört.» «Unser Volk und unsere Revolution wurden beleidigt. Darum gab es diese Rebellion.» Gegen die Revolution des Ayatollah Khomeini, so lautete die Botschaft der Geiselnehmer, könne selbst die Supermacht USA nichts ausrichten. «Wir kämpften für unser Volk, für unsere Nation.» Die Studenten liessen es auf eine Kraftprobe mit den USA ankommen.
Absurder Vergleich mit Vietnam-Protesten
John Limbert, eine der 44 US-Geiseln in der Botschaft in Teheran, hält nichts davon, die Aktion der iranischen Studenten mit den Protesten gegen den Vietnam-Krieg zu vergleichen. «Egal, was die iranischen Studenten zu tun meinten, auch die Resultate der Geiselnahme waren ganz anders als im Fall der Vietnam-Proteste in den USA.» Es seien nicht die Geiseln gewesen, die am meisten gelitten hätten, erklärt Limbert, der nach einer Tätigkeit als Englischlehrer im Iran in den Siebziger Jahren bei der US-Botschaft in Teheran arbeitete. «Sie brachten dem iranischen Volk nur Elend. Was uns passierte, war schwierig und unangenehm. Es hat uns auch Angst gemacht. Aber es war nach 14 Monaten vorbei.»
Nach Ansicht von Limbert sind die Geiselnehmer von 1979 und ihre Landsleute die wahren Opfer des Geiseldramas in Teheran - bis zum heutigen Tag. «Der Konflikt eskalierte. Die Studenten verloren die Kontrolle über die Situation. Dann war es das Regime von Ayatollah Khomenei, das das Geschehen bestimmte.» Dank der Geiselnahme der Studenten habe das Mullah-Regime seine Macht festigen können, sagt Limbert, der ein Buch über die Beziehungen zwischen den USA und dem Iran geschrieben. Seit den dramatischen Monaten von Teheran bemüht sich Limbert um ein besseres Verständnis der beiden Völker und engagiert sich in einer amerikanisch-iranischen Gesellschaft.
Spott der Ayatollahs
Im April 1980 gab US-Präsident Jimmy Carter den Geheimbefehl zur gewaltsamen Befreiung der Geiseln. Was folgte, war eine militärische Blamage. Die USA waren fortan dem Spott der Ayatollahs ausgesetzt. Bewegung in das Geiseldrama kam erst, als im Juli 1980 der Schah starb und im September der Irak im Iran einmarschierte. In Teheran liess das Interesse an den Geiseln nach.
Am 4. November, dem ersten Jahrestag der Geiselnahme, verlor Jimmy Carter die Wahl gegen den Republikaner Ronald Reagan. Am 20. Januar 1981, wenige Minuten nach Reagans Vereidigung, liess der Iran die Geiseln frei. (vin)
Erstellt: 05.11.2009, 10:05 Uhr










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