Spendet Bill Gates Millionen für Gentech in Afrika?
Von Olivia Kühni. Aktualisiert am 15.10.2009
«Ein ideologischer Graben»: Bill Gates. (Bild: Reuters)
Der Microsoft-Gründer Bill Gates wird am Donnerstag eine aussergewöhnliche Spende ankündigen, wie verschiedene amerikanische Medien schreiben. Insgesamt 120 Millionen Dollar investiert Gates in neun Landwirtschaftsprojekte in Afrika und Indien, wie er gemäss Reuters später am Tag am World Food Prize Symposium im amerikanischen Iowa erklären wird.
Es ist eine aussergewöhnliche Entscheidung für den Milliardär: Üblicherweise spendet die Stiftung von Bill und Melinda Gates mit einem Vermögen von 30 Milliarden Dollar vor allem für die Bekämpfung von Krankheiten wie Malaria und HIV in Entwicklungsländern. «Bauern zu helfen, mehr Nahrung zu produzieren, ist das absolut wirksamste Mittel gegen den Hunger», so die einfache Stellungnahme von Gates.
«Trojanisches Pferd für die Einführung der Gentechnik»
Doch die grosszügige Spende birgt Konfliktpotenzial: Denn Gates investiert offenbar in die Verbreitung von genetisch verändertem Saatgut. Mindestens eines der Projekte, das vom Geldsegen profitiert, steht seit längerer Zeit in der Kritik, Gennahrungsmittel einzusetzen.
Wie Reuters und die afrikanische Nachrichtenseite «AllAfrica» melden, wird die Alliance for a Green Revolution in Africa (Agra) 15 Millionen Dollar aus der Gates-Stiftung erhalten. Agra jedoch wird von Entwicklungsexperten seit Jahren dafür kritisiert, dass sie angeblich mit den grossen Agrartechnologie-Konzernen zusammenarbeitet. Die Organisation sei «womöglich ein Trojanisches Pferd für die Einführung und Verbreitung der Gentechnik», wie «Spiegel online» die oft geäusserte Kritik treffend zusammenfasst.
Resistente Süsskartoffeln
Offiziell hat Gates bisher nicht bestätigt, in genetisch verändertes Material investieren zu wollen. Doch in der Vorankündigung heisst es, Gates wolle Saatgut für Gemüse finanzieren, das «Stickstoff im Boden festhält». Ebenso unterstützt werde die Verbreitung «neuer Sorten» von Süsskartoffeln, die resistent gegen die Kartoffelpest sind.
Auch dieses Zitat von Gates findet sich im Vorabtext: «Ein ideologischer Graben droht den Kampf gegen den weltweiten Hunger zu gefährden. (...) Das ist eine falsche und gefährliche Entwicklung. Tatsache ist: Wir brauchen beides, Produktivität und Nachhaltigkeit – und es gibt keinen Grund, dass wir nicht beides haben können.»
Heute Abend um 16.15 Uhr Schweizer Zeit (9.15 Uhr Ortszeit in Iowa) wird Bill Gates mit seiner Rede den offiziellen Teil des World-Food-Prize-Symposiums eröffnen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 15.10.2009, 11:28 Uhr
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