Steht der nächste Nahost-Krieg vor der Tür?

Von Tomas Avenarius, Kairo. Aktualisiert am 10.07.2010

Israels Regierung wolle keinen Frieden, sondern steuere auf einen Konflikt mit Syrien und dem Libanon zu, sagt der syrische Staatschef Bashar al-Assad. In Israel seien «Brandstifter» an der Macht.

Verheerender Luftschlag gegen den Libanon: Zerstörte Gebäude in Beirut nach dem israelischen Angriff am 14. August 2006.

Verheerender Luftschlag gegen den Libanon: Zerstörte Gebäude in Beirut nach dem israelischen Angriff am 14. August 2006.
Bild: Keystone

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Der 44-jährige Sohn des ehemaligen syrischen Präsidenten Hafiz al-Assad ist seit 2000 Staatschef von Syrien: Bashar al-Assad.

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Die israelische Regierung wolle keine Fortschritte im Friedensprozess, sondern steuere auf einen Konflikt mit Syrien und Libanon zu, sagte Assad. «Leute, die eine solch extremistische Regierung wählen, wollen keinen Frieden», urteilte der Syrer über seine israelischen Nachbarn. Assad ist nicht der Einzige, der vor einem neuen Nahost-Waffengang warnt: Auch amerikanische, europäische und israelische Experten sehen die Kriegsgefahr wachsen. Nur dass diese die antiisraelischen Untergrundorganisationen Hizbollah und Hamas als Zündler sehen. Und den Iran als den Strippenzieher im Hintergrund.

Im Streit um sein Atomprogramm nutze Teheran die libanesische Hizbollah-Miliz, um Druck auf Israel auszuüben und Jerusalem so von einem Luftangriff auf die iranischen Atomanlagen abzuhalten. Syrien spiele dieses Spiel mit. Dazu könnten teilweise unbestätigte israelische Berichte über die Lieferung moderner iranischer Radaranlagen an Syrien passen. Diese Systeme können angeblich die bisher fast uneingeschränkte Lufthoheit israelischer Militärflugzeuge über dem Libanon und auch über Syrien beschränken. «Iran baut Syriens Luftüberwachungsanlagen aus.

Iranische Experten sind dazu in Syrien», erklärte das israelische Militär. «Die Zusammenarbeit im Radarbereich ist nur ein Teil davon.» Unklar ist, warum Israels Militär kurz darauf einen Rückzieher machte: Die Luftüberwachungssysteme seien bisher nicht in Syrien eingetroffen. Die militärische Zusammenarbeit zwischen Damaskus und der Libanesen-Miliz wachse aber.

40'000 Raketen

Trotz aller Stimmungsmache beider Seiten: Sowohl Israel als auch die Hizbollah rechnen mit einem neuen Zusammenstoss an der libanesisch-israelischen Grenze. So widerspricht die Hizbollah Berichten nicht, denen zufolge sie inzwischen 40 000 Raketen mit verschiedenen Reichweiten hat. Mit iranischen Radaranlagen, würden sie denn aufgestellt, wäre deren Wirksamkeit grösser. «Bisher hat die Hizbollah ihre Raketen weitgehend ins Blaue geschossen», so ein US-Militärexperte. «Mit modernen Radarsystemen würden sie viel zielgenauer.»

Die israelische Luftwaffe ist der gefährlichste Gegner der Hizbollah: Die Miliz hat nur Bodentruppen, zwischen 10 000 und 15 000 Mann. Möglicherweise hat sie aber bereits Zugang zu Radardaten: Nach Informationen des «Tages-Anzeigers» erhält Hizbollah über die libanesische Armee Zugang zur Radarüberwachung der UNO-Beobachtermission Unifil im Südlibanon. Wie der TA aus westlichen Geheimdienstkreisen erfuhr, hat die Miliz Einblick in Daten, die die Bewegungen israelischer Militärflugzeuge in der Region nachzeichnen. Hochrangige libanesische Offiziere befürchten, die Hizbollah könne dies nutzen, um israelische Flugzeuge anzugreifen und so eine Konfrontation zu provozieren. Israel begründet die regelmässigen Überflüge, die den libanesischen Luftraum verletzen, mit dem Waffenschmuggel aus Syrien an die Hizbollah.

Die Unifil-Kontrolle ist löchrig

Die 12'000 Mann starke Unifil wurde nach dem Libanon-Krieg von 2006 im Süden des Landes stationiert. Sie überwacht gemeinsam mit der libanesischen Armee das Gebiet südlich des Litani-Flusses. Unifil meldet den Libanesen im Rahmen ihres Mandats auch die Überflüge israelischer Militärmaschinen. Zudem soll die Hizbollah von der libanesischen Armee Informationen über Unifil-Patrouillen erhalten. So könne die Miliz vermeiden, dass die UNO-Blauhelme Waffenlager im Grenzgebiet zu Israel entdecken. Laut der UNO-Waffenstillstandsresolution 1701 dürfen sich in der Pufferzone ausser den Blauhelmen und den libanesischen Truppen keine Bewaffnete aufhalten oder Waffensysteme gelagert werden.

Die Unifil-Kontrolle ist löchrig: Die Truppen patrouillieren auf den Landstrassen, haben in den Dörfern aber wenig Bewegungsfreiheit. Diese wird von der Hizbollah unterbunden: Offensichtlich lagert die Miliz seit 2007 Waffen in Wohnhäusern. Israelischen Angaben zufolge werden sogar Schulen und Kliniken als Depots genutzt. Da der schiitische Südlibanon eine Hizbollah-Hochburg ist, trägt die Bevölkerung dies mit.

Die israelische Armee hat nun Luftaufnahmen aus dem Städtchen Khiam veröffentlicht. Darin sind Wohngebäude markiert, die als Waffenlager dienen sollen. Rund 100 Dörfer würden so zu Hizbollah-Basen ausgebaut. Wie begrenzt die Unifil-Überwachung ist, zeigte sich vor wenigen Tagen in Tuline: Eine französische UNO-Patrouille wurde von Bewohnern entwaffnet. Anlass war angeblich ein Unfall zwischen einem Militärfahrzeug und Zivilisten. Medienberichte gingen davon aus, dass die Unifil-Soldaten zu nahe an ein Waffenlager gekommen sein dürften. 2009 waren, offenbar nach Munitionsunfällen, in zwei Dörfern ganze Häuser in die Luft geflogen: Es sollen Waffenlager gewesen sein. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.07.2010, 19:05 Uhr

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