Der Wahnsinn ist weit gediehen

Bisher gibt es nur Mutmassungen – wer hinter dem Abschuss von Flug MH 17 steht, ist unklar. Die Szenarien führen jedoch dramatisch vor Augen, wie weit der Wahnsinn in der Ostukraine inzwischen gediehen ist.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sicher ist, dass ein Passagierflugzeug der Malaysia Airlines in der Ostukraine abgestürzt ist. Und sicher dürfte auch sein, dass alle 298 Passagiere getötet worden sind beim Sturz aus 10'000 Meter Höhe. Unsicher ist die Absturzursache. Bisher gibt es nur Mutmassungen und Beschuldi­gungen: Die Ukraine behauptet, Russland habe das Flugzeug abgeschossen, Moskau und die Rebellen legen nahe, dass es die Ukrainer waren. Zu erwarten ist, dass herauskommen wird, wer lügt. Zum Abschuss eines Flugzeuges in dieser Höhe braucht es eine Boden-Luft-Rakete und deren Bewegungen werden von den USA registriert.

Als Täter in Frage kommen alle Parteien. Sowohl Russland als auch die Ukraine besitzen diese Raketen. Doch auch die Aufständischen haben laut ­eigenen Angaben solche Waffen erbeutet. Unter den pro­russischen Rebellen gibt es skrupellose Söldner, die in anderen Konflikten der ehe­maligen Sowjetunion wie in Transnistrien oder Abchasien ihre Kampferfahrungen ge­sammelt haben. Für sie sind die Spannungen in der Ostukraine ein gutes Geschäft. Und ihnen ist kein Preis zu hoch, denn die Opfer für ihr Treiben ­müssen andere bringen: die ukrainische Zivilbevölkerung oder eben ahnungslose Reisende auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur. Zwar kann auch ein Beschuss aus Russland oder der Ukraine nicht ausgeschlossen werden. Allerdings dürften beide Staaten kein Interesse ­daran haben, den Konflikt auf internationalem Parkett eska­lieren zu lassen.

So oder so: Die Abschuss­szenarien führen dramatisch vor Augen, wie weit der Wahnsinn in der Ostukraine in­zwischen gediehen ist. Moskau heizt die Spannungen verantwortungslos an, nur um den Nachbarn erpressbar zu halten. Kiew stellt Millionen seiner Landsleute faktisch unter Terror­verdacht und will den ­Osten ohne Rücksicht auf Verluste unter Kontrolle bringen. Reiche und mächtige Ost­ukrainer tun das ihre dazu, den Konflikt am Schwelen zu halten, um ihre Pfründen zu ­retten. Sollte das Flugzeug wirklich abgeschossen worden sein, müssen harsche inter­nationale Reaktionen allen ­Parteien endgültig klar machen, dass es keinen anderen Weg gibt als sofortige, bedingungslose Gespräche.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 17.07.2014, 23:47 Uhr)

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Anzeigen

Die Welt in Bildern

Wie ein Gemälde: Luftaufnahme von Abu Dhabi, Arabische Emirate. (26. Juli 2016)
(Bild: Peter Klaunzer) Mehr...