Ausland

Strassenschlachten in Iran: Italienisches TV-Team attackiert

Bei den grössten Protesten seit der Islamischen Revolution vor 30 Jahren ist es in Teheran zu schweren Zusammenstössen gekommen. Mindestens fünf Menschen wurden verletzt.

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Die Anhänger Moussavis ziehen wütend durch Teheran...
Bild: Keystone

   

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(Quelle: Reuters)

Die Unruhen hatten nach der Siegesrede von Staatschef Mahmud Ahmadinedjad im Fernsehen begonnen. Nach der Ahmadinedjad-Ansprache zogen sie zu Tausenden auf die Strassen von Teheran. Die Polizei setzte Knüppel und Tränengas gegen die Demonstranten ein. Zahlreiche Fahrzeuge, Reifen und Mülltonnen gingen in Flammen auf. Über mehreren Stadtteilen hingen dichte Rauchwolken.

Italienisches TV-Team attackiert

Im Zuge ihrer Berichterstattung über die Unruhen nach der Präsidentenwahl im Iran ist ein italienisches Fernsehteam in Teheran von Polizisten attackiert werden. Es handelte sich um ein von der Journalistin Lucia Goracci geleitetes Team, das für die Nachrichtensendung Tg3 arbeitete. Das berichtete die Zeitung «La Repubblica» in der Nacht auf Sonntag in ihrer Internetausgabe. Bei dem Vorfall wurde die iranische Übersetzerin mit Schlägen auf den Rücken traktiert. Sie erlitt Prellungen. Der Kameramann Ettore Cianchi wurde eine Viertelstunde lang von Beamten festgehalten. Die Kassette mit Aufnahmen der Zusammenstösse wurde beschlagnahmt.

Das italienische Aussenministerium erteilte der Botschaft in Teheran die Ermächtigung, beim Aussenamt der Islamischen Republik offizielle Schritte in die Wege zu leiten.

Laut «La Repubblica» versuchte die iranische Polizei mit allen Mitteln die ausländischen Kameraleute daran zu hindern, Aufnahmen von den Zusammenstössen zu machen. Der Farsi-sprachige Kanal des britischen Senders BBC sendete jedoch Bilder von Polizisten, die ein junges Mädchen schlugen.

Sitzblockade gewaltsam aufgehoben

Mit Motorrädern bahnte sich die Polizei ihren Weg durch die Menge. Teilnehmer einer Sitzblockade auf dem zentralen Wanak-Platz wurden festgenommen. Bis zu 2000 Menschen nahmen an der Blockade einer der verkehrsreichsten Kreuzungen der Hauptstadt teil. «Moussavi, hol unsere Stimme zurück», skandierten die Demonstranten. «Was ist mit unserer Stimme geschehen?» Einige Teilnehmer setzten Abfallkübel in Brand, andere warfen Steine auf die Polizei.

Die Beamten schlugen von ihren Motorrädern aus zu. Die Polizei werde entschlossen gegen jede Versammlung oder Kundgebung vorgehen, die ohne Genehmigung stattfinde, erklärte der stellvertretende Polizeichef von Teheran, Mohsen Chandscharli. «Die Polizei geht nicht gegen die Leute vor, sondern nur gegen diejenigen, die die öffentliche Ordnung stören», sagte Chandscharli. Er warf Demonstranten vor, Autos beschädigt zu haben.

Beobachter sprechen von einer «explosiven Situation» in der Hauptstadt, da am Samstagabend auch das Mobilfunknetz abgeschaltet wurde. Zuvor schon war das SMS-Netz gekappt worden. Zusätzlich droht im Iran am Sonntag auch die vollständige Stilllegung aller Internet-Verbindungen.

Mehrere Vertreter des Reformlagers festgenommen

Unter den Vertretern des reformorientierten politischen Lagers, die am Samstagnachmittag festgenommen wurden, befindet sich der Generalsekretär der Front der Partizipation, Mohsen Mirdamadi.

Das teilte ein Vertreter der Gruppierung am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP mit. Demnach steht Mirdamadi Ex-Präsident Mohammed Chatami nahe, der vor der Präsidentenwahl eine Wahlempfehlung für den gemässigt konservativen Kandidaten Mir-Hossein Moussavi abgegeben hatte. (mbr/vin/sda/ap)

Erstellt: 14.06.2009, 07:09 Uhr

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