Verkohlte Leichen auf der Strasse, Raketen im Keller
Von Monica Fahmy. Aktualisiert am 15.04.2011 21 Kommentare
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Die Bewohner Abidjans trauen sich seit zwei Wochen zum ersten Mal wieder auf die Strasse. Eine Art Normalität stellt sich ein, doch was heisst schon normal in einer Stadt, in der sich die Anhänger des ehemaligen Präsidenten Laurent Gbagbo und des Wahlsiegers Alassane Ouattara vier Monate lang bekämpft haben, die letzten zwei Wochen besonders heftig.
In der ganzen Stadt sieht man Mitarbeiter des Roten Kreuzes, die verkohlte Leichen von der Strasse aufheben oder abkratzen und sie dann in weisse Plastiksäcke legen, berichtet ein ivorischer Journalist. Aus Sicherheitsgründen möchte er nicht erkannt werden. «Abidjan gleicht einem rekonvaleszenten Kranken, der beginnt, sich von einer langen und schrecklichen Krankheit zu erholen», sagt der Journalist. «Der neue Präsident wird Zeit, Geduld, Mut und vor allem den Willen brauchen, Ruhe und Frieden zurückzubringen.»
Spitäler wegen Medikamentenmangel geschlossen
Vor den wenigen Lebensmittelgeschäften, die geöffnet sind und noch Waren haben, stünden lange Schlangen. «Der Bevölkerung fehlt es an Lebensmitteln, Medikamenten, Gas und Benzin», so der Journalist. «Spitäler sind geschlossen, weil es keine Medikamente gibt und weil es für das Personal noch zu gefährlich ist, zur Arbeit zu gehen. Und die öffentlichen Verkehrsmittel sind nur in einigen Teilen der Stadt in Betrieb.»
In den meisten Stadtteilen Abidjans hat es wieder Elektrizität und Wasser, berichtet der Journalist. Die Sicherheitslage ist in einigen Stadtteilen und in Teilen des Landes nach wie vor prekär. Im Vorort Yopougon hätten Ouattara-Anhänger Selbstjustiz betrieben und nachts ehemalige Gbagbo-Soldaten erschossen. Dies hätten Anwohner berichtet. Eine Frau habe in unmittelbarer Nähe ihres Hauses drei von Kugeln durchsiebte Leichen gesehen.
Tausende Gefangene freigelassen
«Ein grosses Problem wird für Präsident Ouattara die Sicherheit des Landes sein», sagt der Journalist. «Vor allem in Abidjan, wo Tausende Waffen an Zivilisten verteilt wurden, die damit irgendwo untergetaucht sind.» Kommt hinzu, dass Ouattaras Republikanische Truppen (FRCI) 6000 Gefangene befreit haben, bevor sie gegen Gbagbos Soldaten in den Kampf zogen.
Nun hätten die FRCI begonnen, Abidjan zu sichern, es fehle ihnen aber an genügend Männern, um die gesamte 4-Millionen-Stadt zu kontrollieren. «Die Plünderungen in grossem Stil haben aufgehört», sagt der Journalist, «aber Wagen werden immer noch ihren Fahrern entrissen und bewaffnete Gangs dringen nachts in Häuser ein.» In der Stadt sehe man bewaffnete Soldaten der FRCI auf ihren Fahrzeugen, die Scheinwerfer auch tagsüber eingeschaltet.
Raketen im Keller des Präsidentenpalastes
Allein im Keller des Präsidentenpalastes wurden am Donnerstag laut Associated Press über 500 Raketen für das russische BM-21 Mehrfachraketensystem in grünen Holzkisten gefunden. Das Ausmass des Arsenals, das dem abgewählten Laurent Gbagbo zur Verfügung stand, werde erst jetzt langsam ersichtlich, wo Waffen in Verstecken in der ganzen Stadt gefunden würden. Gbagbo hatte demnach genügend militärische Mittel, um einen langen Bürgerkrieg zu führen. Die Entscheidung der UNO einzugreifen, sei richtig gewesen, kommentiert Alassane Ouattaras Generalsekretär.
In der Elfenbeinküste, vor kurzem noch ein Vorzeigeland auf dem afrikanischen Kontinent, wurden laut UNO in den letzten vier Monaten schätzungsweise eine Million Menschen vertrieben, 135'000 flohen ins benachbarte Liberia. «Es wird Monate dauern, bis die Menschen ihre Würde wieder erlangen und ihren Lebensunterhalt wieder bestreiten können», sagt Ndolamb Ngokwey, UNO-Koordinator in der Elfenbeinküste. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 15.04.2011, 14:33 Uhr
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21 Kommentare
Neueste Meldung aus Abidjan: weil die Rebellen (Ouattaras) sich in Youpougon nicht durchsetzen können, sind sie dazu übergegangen wieder in anderen Vierteln zu marodieren.
Die jetzige Situation war vorhersehbar, doch das wurde von Frankreich und ONUCI billigend in Kauf genommen!
Antworten
Ausland
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
Live @ Sunset
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