Wahl im Iran wird überprüft

Aktualisiert am 15.06.2009

Der geistliche Führer des Irans, Ayatollah Ali Khamenei, hat laut einem Bericht des staatlichen Fernsehens eine Überprüfung der Präsidentenwahl angeordnet.

Überprüfung angekündigt: Ayatollah Ali Khamenei.

Überprüfung angekündigt: Ayatollah Ali Khamenei. (Bild: Reuters)

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Die Vorwürfe von Betrug bei der Präsidentenwahl im Iran sollen amtlich überprüft werden. Nach heftigen Protesten ordnete das geistliche Staatsoberhaupt Ayatollah Ali Khamenei am Montag eine entsprechende Untersuchung an, wie das staatliche Fernsehen berichtete. Zuvor hatte der offiziell unterlegene Reformkandidat Mir Hossein Moussavi eine Annullierung der Wahl gefordert. Dies sei der einzige Weg, das öffentliche Vertrauen in die Staatsorgane wiederherzustellen, hiess es auf einer von Moussavis Wahlkampfseiten im Internet.

Nachdem die Wahlkommission dem Amtsinhaber Mahmoud Ahmadinejad einen Erdrutschsieg bei der Präsidentenwahl vom Freitag bescheinigt hatte, war es zu den schwersten Unruhen seit einem Jahrzehnt gekommen. Die Behörden waren deshalb darum bemüht, weitere Proteste im Keim zu ersticken. Eine für Montagabend geplante Kundgebung in Teheran wurde verboten. Wer sich dem widersetze, handele illegal und müsse mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen, hiess es es aus dem Ministerium.

Moussavi erklärte, seine Anhänger würden dennoch demonstrieren. Er drohte unter anderem mit einem Sitzstreik vor dem Mausoleum von Revolutionsführer Ayatollah Ruhollah Khomeini. Dies würde die Sicherheitskräfte in Verlegenheit bringen, weil Gewalt an einem als heilig verehrten Ort als unangemessen gewertet würde. Ein Moussavi nahestehender Aktivist der Reformbewegung betonte, die Anhänger des ehemaligen Ministerpräsidenten seien entschlossen, sich trotz des Verbots am Montagabend zu versammeln.

Unbestätigter Bericht über Todesopfer

Über Nacht war es in Teheran sowie in anderen iranischen Städten zu neuen Unruhen gekommen. Auf einer von Mussavis Webseiten hiess es, in Schiras sei ein Student bei Zusammenstössen mit Milizionären in Zivilkleidung ums Leben gekommen. Eine unabhängige Bestätigung lag zunächst nicht vor.

In Teheran stürmte die Polizei unterstützt von Milizionären den Campus der grössten Universität und nahm Dutzende Demonstranten fest. Im Studentenwohnheim wurden nach Augenzeugenberichten Computer zertrümmert und Software beschlagnahmt. Die Studenten warfen mit Steinen auf die Beamten, die ihrerseits Tränengas und Plastikgeschosse einsetzten. Mehrere Fahrzeuge gingen in Flammen auf.

Rund 3000 Studenten hatten sich auf den Dächern ihrer Wohnheime versammelt und schrien «Tod dem Diktator». Diesem Ruf schlossen sich tausende Menschen von Balkonen und Dächern in der ganzen Hauptstadt an. Damit erinnerte die Opposition symbolträchtig an die Zeit vor der Islamischen Revolution von 1979, als die Bewohner auf Geheiss von Ayatollah Khomeini «Allahu Akbar» (Gott ist gross) von den Dächern riefen. (sam/ap)

Erstellt: 15.06.2009, 12:01 Uhr

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