Weshalb Irans Opposition nicht mehr auf die Strasse ging
Ulrich Tilgner, einer der wenigen ausländischen Journalisten, die noch aus Teheran berichten. (Quelle: SF «Tagesschau»)
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Tilgner zum weiteren Verlauf der Oppositionsbewegung
Berichte über Wahlen nicht erlaubt
Der Korrespondent des britischen Senders BBC wurde am Sonntag des Landes verwiesen. Er habe nicht wahrheitsgemäss berichtet und die Demonstranten aufgehetzt, berichteten regierungsnahe Medien. Die iranischen Behörden schränken seit Tagen die Arbeit ausländischer Korrespondenten ein und haben bereits mehrere Journalisten ausgewiesen. Berichte über die Demonstrationen gegen den Ausgang der umstrittenen Präsidentenwahl vom 12. Juni sind ausländischen Journalisten verboten.
«Der Schock über die Auseinandersetzungen von gestern», nennt Tilgner in der «Tagesschau» von SF als Hauptgrund, weshalb es am Sonntag auf den Strassen in Teheran verhältnismässig ruhig blieb. Es habe viele Tote gegeben und das sei den Demonstranten jetzt klar geworden.
Rückschritt Moussavis
Oppositionsführer Mir Hossein Moussavi rief seine Anhänger am Sonntagabend zur Fortsetzung der Proteste auf. In einer auf Internet verbreiteten Erklärung rief er sie aber zur Zurückhaltung auf angesichts des gewaltsamen Vorgehens der Sicherheitskräfte. Moussavi soll auch gesagt haben, seinetwegen soll es keine Toten und keine Verletzten geben. Das nannte Tilgner als weiteren Grund für das momentane Abflauen der Protestbewegung auf den Strassen.
Zudem würden die Oppositionellen von der Staatsführung eingeschüchtert. Am Freitag hiess es, Demonstranten würden verfolgt. Und damit scheint die Regierung ernst zu machen. 457 Personen seien wegen «Beschädigung öffentlichen Eigentums» festgenommen worden, hiess es heute von Seiten der Polizei. Laut Tilgner wurden auf den Dächern Teherans Scharfschützen postiert. «Die Angst ist einfach zu gross».
«Das werden die folgenden Tage zeigen»
Ist die Protestbewegung damit am Ende? «Das werden die folgenden Tage zeigen müssen», so Tilgner. Nach Meinung des Journalisten scheint die Oppositionsbewegung aber einen langen Kampf anzustreben. Es bringe aber nichts auf der Strasse noch mehr Tote und Verletzte zu riskieren, so Tilgner.
Ganz ruhig blieb es in Teheran am Sonntag dann doch nicht. Am Abend, nach Einbruch der Dunkelheit stiegen erneut zahlreiche Menschen auf die Dächer und riefen «Tod dem Diktator» und «Allah ist gross» - eine in den vergangenen Tagen üblich gewordene Form des Protestes. (cpm)
Erstellt: 21.06.2009, 23:43 Uhr
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